Seinen 66. Geburtstag hat sich Andrew höchstwahrscheinlich auch anders vorgestellt.
Um 8 Uhr standen die Polizisten der Thames Valley Police vor der Haustüre von Wood Farm, seinem neuen Haus auf dem Areal von Sandringham.
Eine Stunde zuvor hatte ich noch berichtet, dass ich es durchaus für möglich halte, dass Andrew versuchen wird, ins Ausland zu kommen. Dass man derzeit mit Ländern z.B. im arabischen Raum verhandeln könnte, wer ihn aufnimmt und gegen welche Gegenleistungen.
Dann wurde ich sozusagen – von der Polizei überholt.
Möglicherweise war ich aber auch nicht die einzige, die eine solche Überlegung angestrengt hat.
Allerdings hatte Andrew bereits seinen Anwalt an seiner Seite, der ihm wohl geraten hat, vorerst keine Aussagen zu machen.
Wegen was wurde er verhaftet?
Wegen Amtsmissbrauch in seiner Zeit als Wirtschaftsbotschafter des Vereinigten Königreichs.
Wirtschaftsbotschafter des Vereinigten Königreichs
Seine Aufgaben waren damals das Netzwerken zugunsten der britischen Wirtschaft. Andrew sollte royaler Türöffner in Ländern sein, die für besonderen Respekt gegenüber gekrönten Häuptern bekannt waren.
Will man Andrew Lownies Buch „Entitled“ glauben, so sind die Verfehlungen Andrews in diesem Amt mehr als zahlreich. Nicht zuletzt setzte er die „Masseusen“ und sonstigen Prostituierten sowie zahlreiche Flüge mit Helikoptern und Privatjets auf die Rechnung für den Steuerzahler. (In Thailand ließ er sich innerhalb von vier Tagen 40 Prostituierte in seine Suite schicken…) Er soll diese Reisen aber auch dazu genutzt haben, eigene Geschäfte anzuleiern, respektive unter Dach und Fach zu bringen.
Nicht zuletzt dafür hatte er diverse Bankkonten in den unterschiedlichsten Ländern und kassierte „Vermittlungsgebühren“, wenn jemand sich an ihn wandte, der z.B. Probleme hatte, ein Konto bei einer regulären Bank zu eröffnen. (Und das nicht, weil ihm die Sozialhilfe gestrichen worden wäre …) Andrew vermittelte dann den Kontakt zu entsprechend großzügig agierenden Finanzinstituten. Aber das war ein Bereich, in dem er sich aktiv zeigte. Bei vielen dieser Reisen hatte er auf Steuerzahlerkosten auch seine Töchter dabei, die die Zusammenkünftige mit ausländischen Unternehmern und Potentaten ebenfalls zu schätzen wussten. In diesem Fall, um Kontakte für ihre eigenen Arbeitgeber zu knüpfen.
Vielleicht nicht ganz, was der Steuerzahler sich unter dem Job vorgestellt hatte.
Aber wie war Andrew Ahnungslos überhaupt zu solcher Position gekommen?
Der Ärger begann im Juli 2001 als Andrew nach 22 Jahren aus der Marine entlassen wurde und nichts mit sich anzufangen wusste. Zumal es niemanden gab, der seine Rechnungen bezahlen wollte und die häuften sich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass er lediglich 20.000 Pfund pro Jahr Pension und eine Unterstützung durch die Queen in Höhe von 250.000 Pfund pro Jahr erhielt. Okay – das ist nicht wenig Geld – aber zu wenig, wenn man einen Lebensstil wie Andrew pflegt.
Also musste ein Job her. Zumal einer, bei dem der Steuerzahler die meisten Kosten stemmen würde.
Man wurde dank der Hilfe von Tony Blair und Lord Mandelson (Ja-haaaaa – genau DIE beiden … Stichwort: Epstein- Netzwerk) fündig. Seit 1978 hatte der Duke of Kent den Job des Wirtschaftsbotschafters innegehabt und diesen unspektakulär ausgefüllt.
Das sollte sich jetzt ändern …
Man übertrug Andrew die Aufgabe und der erkannte seine Chance!
Derzeit liegt aber noch Schwerwiegenderes auf dem Tisch als Prostituierte und Privatjets – Geheimnisverrat wird Andrew vorgeworfen. Er soll als geheim eingestufte Dokumente direkt z.B. an Epstein weitergegeben haben und dem damit Hinweise auf lukrative Geschäfte. Von diesen Infos profitierten dann wohl auch nicht zuletzt ausländische Geheimdienste.
Wusste man das?
Tatsächlich ja. Der MI5 soll die Krone gewarnt haben, doch dort hieß es nur, die Queen wolle solcherlei nicht hören.
Übersetzung: „Ich habe mit großer Besorgnis die Nachrichten über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt zur Kenntnis genommen. Was nun folgt, ist ein umfassender, fairer und ordnungsgemäßer Prozess, in dessen Rahmen diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden in angemessener Weise untersucht wird. Wie ich bereits gesagt habe, haben sie dabei unsere uneingeschränkte und vollständige Unterstützung und Zusammenarbeit. Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen. Während dieser Prozess weitergeht, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äußern würde. In der Zwischenzeit werden meine Familie und ich unsere Pflicht und unseren Dienst für Sie alle fortsetzen Charles R.“
Dieses Statement hat König Charles heute veröffentlichen lassen.
Persönlich bin ich der Meinung, es wäre nötig gewesen, sich vor eine Fernsehkamera zu stellen und direkt zum Land zu sprechen.
So wie seinerzeit die Queen nach dem Tod von Diana. (Wobei die auch länger gebraucht hat, bis sie das eingesehen hat…)
Aber – seien wir am Ende dieses Tages froh, dass überhaupt etwas geschehen ist und warten wir, was noch kommt.
Wir wissen, dass es einen schier endlosen Sumpf gibt, in dem Jeffrey Epstein der Alpha- Alligator war.
Nun wurden aus den USA Mitschnitte von Aussagen Ghislaine Maxwells bekannt, in denen sie sich auch zu Prinzessin Diana äußert.
Maxwell, Tochter des Medien- Moguls Robert Maxwell, sitzt derzeit in den USA eine 20jährige Freiheitsstrafe ab.
Verurteilt wurde sie für Sexhandel mit Minderjährigen, Verschwörung zum Sexhandel etc.
Da sie versucht, früher entlassen zu werden, ist es für sie ratsam, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und gegebenenfalls einen Deal herauszuhandeln.
In den nun bekannt gewordenen Mitschnitten erwähnt sie auch Prinzessin Diana.
Sie wolle nicht schlecht über diese reden, betont sie, hängt dann aber an, es habe ein zwischen ihr und Epstein ein in den frühen 90er Jahren arrangiertes Date gegeben, für das dieser extra nach London geflogen sei.
Wir wissen heute, dass Ghislaine Maxwell sich dank ihres Vaters im Kreis der Royal Family bewegt hat. Nicht nur als Bekannte von Andrew Mountbatten Windsor, sondern weil der Vater Robert ein Wegbegleiter der Queen war. Es gibt diverse Aufnahmen, die Vater und Tochter mit den Royals zeigen.
Wie ebenfalls bekannt ist, war Richard Branson, der Gründer von Virgin Air ebenfalls integraler Bestandteil des Epstein- Kreises. Er wiederum war ein enger Freund von Prinzessin Diana, die sogar den berühmten „Fly Atlantic – Virgin“- Sweater getragen hat, der zwischenzeitlich für mehrere tausend Dollar versteigert worden ist. Inzwischen sind Anschuldigungen und wohl auch Bildmaterial aufgetaucht, die Branson bei Sexspielen mit Epstein und einer Frau zeigen. Es haben sich auch Opfer von Epstein zu Wort gemeldet, die an Branson vermittelt worden sein wollen.
Ein weiteres Mitglied des Epstein- Sets kennen wir nun zur Genüge: Andrew Mountbatten Windsor, der wiederum nicht nur Dianas Schwager war, sondern auch ein Freund seit Kindertagen. Ihren Spitznamen „Dutch“ bekam sie nicht zuletzt deswegen, weil man früh vermutete, sie werde eines Tages Andrew heiraten. Dass es dann doch Charles wurde, konnte damals keiner ahnen. wie wir von diversen Historikern und Biografen wissen, war Diana bis zu ihrem Tod eng mit Andrew verbunden, von daher frage ich mich, wieviel sie von seinen Verbrechen gewusst hat.
Eine weitere wichtige Persönlichkeit ist in diesem Zusammenhang Rosa Monckton, die bis zu deren Tod, Dianas wichtigste Freundin war. Monckton wiederum soll – so Maxwell – eine Einladung gegeben haben, um Diana und Epstein zusammenzubringen. Es würde mich wundern, wenn ihr das nicht gelungen sein sollte.
Wir wissen heute, dass Diana – speziell nach ihrer Scheidung – die Nähe von vermögenden, gerne auch älteren Männern suchte. Epstein hätte mit Sicherheit bei Diana alle Kästchen abgehakt, was das angeht.
Wenn wir uns nun diese Punkte so ansehen – was denkt ihr – müssen wir uns auf noch wesentlich düsterere Neuigkeiten gefasst machen, zumal jetzt das Gerücht aufgetaucht ist, es gäbe Fotos mit anderen englischen Royals beim Sex mit Epstein?
In den aktuellen Skandalen gibt es nur Verlierer. So scheint es zumindest…
Verlierer Nr. 1 Das englische Königshaus
zunächst schauen wir mal nach London, wo sich König Charles gestern abermals einem Bürger stellen musste, der ihm bei einem Walkabout zurief, ob Andrew sich nicht langsam mal den Behörden stellen müsse.
Der Mann hat so Unrecht nicht.
Stehen doch nicht nur Kindesmissbrauch am Horizont, sondern auch Geheimnisverrat und Untreue. Kurz – Fehlverhalten im öffentlichen Amt.
Andrew Lownie wiederum wird nicht müde zu betonen, dass er diverse Unterlagen hat, die strafrechtlich relevant wären. Auch bietet er sie wie schales Bier den britischen Behörden an, da diese – so seine Einschätzung – wesentlich bessere Mittel zur Verfügung haben als er, um die Unterlagen zu prüfen und für ihre Ermittlungen zu verwenden.
Doch wenn es keine Ermittlungen gibt, bekommt man auch keine Einschätzung der Beweise.
Hier stoßen wir jetzt auf den seit Jahrzehnten propagierten Quatsch von der politischen Zurückhaltung, ja Neutralität des Königshauses. Sie mögen parteipolitisch den Mund halten, doch wenn es um ihre Belange geht, sind sie jeder Zeit bereit, in die (rechts)staatlichen Abläufe einzugreifen.
Eines der bekanntesten Beispiele: Der Paul Burrell- Prozess. Hier wurde Paul Burrell, Dianas Butler, angeklagt, zahlreiche Stücke aus ihrem Besitz gestohlen und auf seinem Speicher versteckt zu haben.
Er selbst behauptete, er habe die Sachen nach Dianas Tod in Sicherheit gebracht, da bereits Stücke verschwunden waren.
Im letzten Moment – der Prozess hatte bereits begonnen – der Knalleffekt: Die Königin selbst griff ein und erklärte, sie sei von Burrell unterrichtete worden, dass er Stücke in Sicherheit gebracht habe. Es sei also kein Diebstahl …
Jetzt sinn mer mal speziell und denken nach… Wieso ist es kein Diebstahl, nur weil ein anderer davon weiß? Wenn die Sachen nur in Sicherheit gebracht werden sollten – wo wären sie sicherer gewesen als auf einem königlichen Anwesen? In einem königlichen Tresor? Des Weiteren: die von Burrell „gesicherten“ Stücke gehörten Diana – die war tot – also gehörten sie ihren Erben. Wobei mir jetzt irgendwie zuallererst ihre Söhne einfallen. An deren Stelle – da minderjährig – hätte Charles die Stücke für die Söhne an sich nehmen müssen. Spannend, dass die Queen eingreift und all diese von mir genannten Punkt ad absurdum führt und damit auch noch durchkommt. So viel zur „neutralen“ Gerichtsherrin.
Wahrscheinlicherer Grund des Eingreifens: Man fürchtete, dass Zeugen Unliebsames zutage fördern könnten. Aussagen werden gemacht. Es wird nachgefragt. Man sieht nicht gut dabei aus.
Am Ende des Tages galt es, die Notbremse zu ziehen, was die Königin gemacht hat.
Und irgendwie fand das jeder okay.
Warum eigentlich?
Und auch was Andrew angeht, hat die Queen jahrelang die Türe zugehalten und Wachposten bezogen. Zahlreiche Zeugen stehen jetzt auf und berichten, wie sie direkt angedroht bekamen, dass es Konsequenzen habe, wenn sie mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit gingen. Der BBC wurde klargemacht, dass sie jeglichen Zugang zum Palast verlieren würden, wenn sie die Doku über Andrew, Sarah und Jeffrey machen würden. Andrew Lownie bekam es mit dem geballten Rechtsberaterstab des Palastes zu tun, als er nur die Archive mit den Unterlagen über Edward VII für sein Buch „Traitor King“ einsehen wollte.
Er ist es auch, der der Öffentlichkeit in Erinnerung bringt, dass in den Archiven der königlichen Schlösser einige der größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte lagern und der Öffentlichkeit vorenthalten werden, einfach, weil es die Krone so möchte. Es gibt auch keinerlei Handhabe, sie zu zwingen, einen Zugang zu ermöglichen, respektive eine Ausstellung zu organisieren. Die Stücke bleiben einfach unter Verschluss, als besitze sie kein europäisches Staatsoberhaupt, sondern ein russischer Oligarch.
Wir sehen – das Königshaus wird immer dann aktiv, wenn es um die eigenen Interessen geht. Sieht man sich (heraus)gefordert, zieht man es vor, mit altbekannten Sprüchen wie „Never complain – never explain“ (Niemals bescheren – niemals erklären) die Menschen abzuspeisen.
Und in dieser Tradition stellt man sich vor den Sohn/ Bruder Andrew und hilft diesem, den Nachstellungen der Justiz zu entgehen.
JETZT ZEIGT ES SICH, WER DEN LÄNGEREN ATEM HAT. KÖNIGSHAUS ODER ÖFFENTLICHKEIT…
Verlierer Nr. 2 Das norwegische Königshaus Zugegeben – sie sind in einem nicht auflösbaren Dilemma (eigentlich beide Königshäuser)…
Vor Jahren haben sie eine Art Ursünde zugelassen. Im einen Fall ein Prinz, der einfach mit allem durchkam und im anderen Fall, ein Prinz, der mit seiner Herzensdame durchkam.
Beides hätte gutgehen können, wäre den Nachrückern nicht ein gewisser Jeffrey Epstein begegnet.
Dieser packte die Royals wo sie verwundbar waren. Er war ein Mephistopheles, der sie in eine Welt entführte, die er aussehen ließ wie die jeweilige Traumwelt. Mette Marit erlebte Bestätigung. Vielleicht sogar etwas, das sie für echte Freundschaft hielt. Sarah Ferguson bekam Geld und Anerkennung. Andrew Sex und Privatjets. So bekam jeder wovon er träumte. Und sage jetzt niemand, Royals hätten doch alles. Die könnten doch von gar nichts mehr träumen…
Sie biederten sich dem Financier mit Privatinsel an, glitten auf seiner Schleimspur dahin und dachten, die Party werde niemals enden. Und was bekam Epstein im Gegenzug? Das Glitzern von Krönchen und jahrhundertealter Tradition. Netzwerke! Die größten, besten, berühmtesten Netzwerke der Welt. Die Queen als ultimativer Jackpot! Seine Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell hatte einen „All Area“- Pass und konnte sich in den königlichen Palästen überall bewegen. Sarah Ferguson ermöglichte Führungen durch die Schlösser. Sie alle benutzten jene Schlösser, die ihnen gar nicht gehörten als Kulissen für ihre Finanztransaktionen. Mit dem jahrhundertealten Pomp beeindruckten sie zweifelhafte Geschäftspartner. Eine schmierige Truppe in einer Schmierenkomödie.
So heißt jener Film, der am Donnerstag der Weltöffentlichkeit erstmals mit großem Pomp auf Windsor Castle vorgestellt wurde.
Worum geht es? Nun – König Charles befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Thema „Harmonie“ in all ihren Ausprägungen und Auswirkungen. Für ihn ist Harmonie ein ganzheitliches Konzept, das alle Lebensbereich umfasst. Menschen sollen MIT der Natur leben und nicht nur in ihr. Dazu gehört traditionelles Wissen, ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Architektur und Naturschutz.
In der Doku schildert Charles seinen eigenen Weg als Umweltaktivist. Sie zeigt seine Projekte, zusammengefasst in der King’s Foundation, seiner Nachhaltigkeits- Stiftung. Gedreht wurde unter anderem in Highgrove und Dumfries House. Dabei geht es aber nicht nur um England, sondern um einen globalen Ansatz. Folgerichtig werden erfolgreiche Beispiele seiner Ansätze aus den Wäldern von Guyana bis zu nachhaltigen Gemeinden in Indien vorgestellt.
Moderatorin der Mischung aus Archivmaterial, Interviews und Naturaufnahmen ist dabei keine Geringere als Kate Winslet.
Wo kann man die Doku sehen? Ab dem 06. Februar 2026 auf Prime Video.
Bei der aufwendig inszenierten Premiere auf Windsor Castle gaben sich die ranghöchsten Royals ein Stelldichein: Das Königspaar selbst (ganz klar), Edward der Duke of Edinburgh, Sophie Duchess of Edinburgh, sowie der Herzog und die Herzogin von Gloucester. Weitere prominente Gäste waren Dame Judi Dench und Rod Stewart, sowie die Sprecherin des Films, Kate Winslet. Wie man sehen konnte, waren alle Anwesenden bester Laune – passend zum Filmtitel. Man plauderte, scherzte und herzte sich.
Also alles Friede, Freude, Eierkuchen?
Hmmmm…. nicht ganz… Ganz England ist vom König und seinen Fans besetzt. Ganz England? Nein! Ein von unbeugsamen Walisern bevölkertes Schlösschen hört nicht auf, dem Übermächtigen Widerstand zu leisten…
Auf der äußerst bemerkenswerten Liste an englischen (Ehedem-)Promis fehlten zwei große Namen: Prinz William und seine Frau Catherine.
Ja. So geht es bei mancher Party: Wirklich bemerkenswert ist, wer nicht da ist.
Jaaaa – jetzt höre ich euch schon wieder sagen: Ah ja – Die Wales waren nicht da, weil sie das Königspaar nicht überstrahlen wollten (wahlweise: sollten). Das ist ein immer wieder gebrachtes Erklärungsmuster, wenn es um die beachtlich vielen nicht- gemeinsamen Termine von Königspaar und Kronprinzenpaar geht. Das kann man natürlich sagen. Das ist auch das stets vom Palast- PR- Team wiederholte Liedlein, wenn die ekelhafte Presse keine Ruhe gibt und immer wieder nachfragt.
Tatsächlich kenne ich keine andere Monarchie, in der das Herrscherpaar und sein Nachfolger/ Nachfolgerin derart darauf erpicht sind, sich nicht gemeinsam zu zeigen wie in England. Haben Felipe und Letizia Angst, sich mit ihren Töchtern zu zeigen? Fürchten Willem Alexander und Maxima die Strahlkraft der jungen, schönen Amalia? Meiden König Philippe von Belgien und seine Mathilde die Thronfolgerin Elisabeth? Suchen König Carl Gustav und Königin Silvia das Weite, wenn Kronprinzessin Victoria bei einem Event auftaucht?
Nicht, dass ich wüsste.
Nur in England ist das scheinbar so.
HARMONIE sieht in meinen Augen anders aus. Und da kommt die Doku ins Spiel … Wie viel Harmonie gibt es denn im Privatleben des Königs? Wo ist da seine Vision?
Seit Jahrzehnten beobachten wir bei keiner Familie (außer vielleicht bei den Geissens) so viel Disharmonie wie bei den englischen Royals. Wenn man „Dysfunktional“ googelt, dürfte inzwischen ein Fotos der Windsors auftauchen.
Es ging schon mit dem Verhältnis zwischen Queen Elizabeth/ Prince Philip und (dem damals noch) Prince Charles los. Wieder und wieder hörten wir von Sticheleien und offenen Affronts, vor allem von Philip in Charles Richtung, denn er hielt seinen Sohn für ein ausgemachtes Weichei. Die Königin schien – wenn nicht zwischen den Männern – so im Normalfall auf der Seite ihres Mannes zu stehen. Weiter zur berüchtigten Ehe mit Diana, bei der sich bald niemand mehr wirklich Mühe gab, die offensichtlichen Risse zu kitten, oder zumindest zu übertünchen. Wir erinnern uns alle des Kriegszustandes, in den die Ehe spätestens Ende der 80er Jahre überging. Mit William und Harry entstand auch keine wirklich Harmonie. William lud seine Eltern demonstrativ von einem Schulfest aus und warf seiner Mutter ein „I hate you“ („Ich hasse dich!“) an den Kopf, nachdem sie ihm (von Paparazzi beobachtet) in der Schule ihr Panorama- Interview angekündigt hatte. Als dann die heimlich mitgeschnittenen Gespräche zwischen Charles und Camilla, sowie zwischen Diana und James Gilby bekannt wurden, war der Ofen völlig aus. Was wir nun alle wussten, nur nicht in allen schmuddeligen Details – wurde schlussendlich durch Prince Harrys Memoiren bestätigt. Rangeleien, Querelen, Petitessen, Zickigkeiten, Eitelkeiten … All das lief brühwarm aus der Druckerpresse. Und diesmal nicht durch einen Externen, sondern breitgetreten von einem Mann im Herzen der Ereignisse.
Seitdem scheint sich Charles absolut amateurhaft um die Wiederherstellung der niemals vorhandenen Harmonie. Und wenn er sie zu Hause schon nicht schafft, dann doch bitte draußen in der ganzen Welt. Nach dem Motto: Ich kann zwar nicht Radfahren, aber ich bringe es euch bei… Ist das nicht irgendwie so als würde jemand Bundestrainer, der nicht mal weiß, was eine Mannschaftsaufstellung ist?
Es mag Zeiten gegeben haben, wo man sich bemüht hat, Einheit zu demonstrieren. Ja – es gab Zeiten wo Charles und William sogar gemeinsame Termine hatten. (Von den obligatorischen Uniform- Events mal abgesehen…) Die gibt es auch heute noch. (Einen im letzten Jahr). Aber sieht man da irgendeine Interaktion zwischen Vater und Sohn? Sie kommen gemeinsam an, winken, fertig. Das war’s. Zuletzt sehr gut beim Staatsbesuch der Steinmeiers in London zu sehen. Die beiden Paare schauten sich kaum an. Schienen sich bestenfalls gegenseitig im Weg zu stehen. Miteinander plaudern, scherzen, ein humorvoller Austausch – Fehlanzeige.
Und jetzt? Aber vielleicht habe ich auch einfach den Titel der Doku nicht richtig gelesen… FINDING Harmony, heißt er. Nicht etwa „HAVING Harmony“. Harmonie FINDEN – nicht Harmonie HABEN… Vielleicht will Charles uns damit ja vor Augen führen, dass man aktiv zur Harmonie beitragen muss…. Vielleicht will er eine Botschaft an seinen Ältesten senden, dass er ihn gerne im Harmonie- Boot hätte.
Wir wissen es nicht.
Aber nach dem, was wir aus dem Palast gehört haben, hat man beim Königspaar schon den Titel der Times „Arise, Queen Catherine!“ („Erhebe dich, Königin Catherine“) eher zickig aufgenommen. So richtig harmonisch sieht es also auf keiner Seite aus …
Vor kurzem hatte ich anlässlich von Prince Harrys ABC- Interview auf Instagram das Thema behandelt, was mit seinen Titeln würde, wenn er amerikanischer Staatsbürger würde. Da ich inzwischen auch schon mehrmals nach den Titeln seiner Kinder gefragt wurde, dachte ich: schreib mal was Ausführlicheres dazu, denn die Sache ist komplexer als man denkt …
What about Harry?
Was Prince Harry angeht, so stehen die Dinge relativ klar: Derzeit ist er britischer Staatsangehöriger und trägt all seine Titel zurecht. Durch seine Frau hat er ein aufenthaltsrecht in den USA. Sollte er aber bei seinem Visa-Antrag gelogen haben, könnte das weitreichende Konsequenzen, bis hin zur Ausweisung, nach sich ziehen. Mit einem US-Bürger verheiratet zu sein, schützt einen nämlich im Fall von Straffälligkeit nicht vor der Ausweisung.
Würde er allerdings US-Bürger werden, so müsste er nach amerikanischem Recht alle Titel zurückgeben, denn es ist US-Bürgern nicht erlaubt, Titel zu tragen. Dann allerdings könnte er auch im Fall von Straffälligkeit in den USA bleiben.
Könnte Harry eine doppelte Staatsbürgerschaft beantragen? Das wäre tatsächlich nicht möglich. Er muss sich sozusagen für eine Seite entscheiden und das mit allen Konsequenzen.
Der Fall Archie und Lilibet
Im Fall seiner Kinder liegen die Dinge anders: Sie haben qua Geburt zwei Staatsbürgerschaften: die amerikanische durch ihre Mutter und die englische durch ihren Vater.
Deswegen können sie auch die Prinzen/ Prinzessinnen-Titel in Amerika tragen. Das tun sie dann nämlich sozusagen als die Kinder ihres Vaters.
Meghan Markle hat ihre amerikanische Staatsbürgerschaft nie abgelegt, wie es eigentlich bei einer royalen Braut üblich gewesen wäre.
Blut oder Boden?
Es gibt bei Staatsbürgerschaften im Prinzip zwei Varianten: 1. „Blut“ (= „Ius Sanguinis“): Hierbei bekommt das Baby die Staatsbürgerschaft entsprechend jener (im Normalfall) der Mutter. Es ist also die Abstammung ausschlaggebend. 2. „Boden“ (= „Ius Soli“): In manchen Ländern erhält das Kind die Staatsbürgerschaft je nachdem ob es im betreffenden Land geboren wurde. Woher die Eltern stammen spielt dabei keine Rolle. So ist zum Beispiel ein Kind, das nach dem 1. Januar 2000 in Deutschland geboren wurde, automatisch deutscher Staatsbürger. Allerdings müssen noch weitere Voraussetzungen erfüllt werden. So muss sich ein Elternteil mindestens acht Jahre gewöhnlich und rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben. Es gilt das „Geburtsortsprinzip“ . Welche Staatsangehörigkeit die Eltern haben, spielt keine Rolle.
Für die USA ergab sich aus diesem Prinzip das Problem, dass tausende von hochschwangeren Frauen aus China, Taiwan, Russland etc in die USA einreisten, um dort ihre Kinder zu gebären, die dann automatisch US-Staatsbürger wurden. Gegen Reiseagenturen, die das organisierten wurde zwischenzeitlich Klage erhoben.
Zurück zu den Sussexes …
Archie: Er wurde in England geboren, hat aber durch seine Eltern zwei Staatsbürgerschaften Lilibet: Sie wurde in den USA geboren und hat durch ihre Eltern beide Staatsbürgerschaften
Schauen wir ein wenig in die Zukunft:
Was passiert möglicherweise wenn die beiden älter sind? Das National Constitution Center schreibt dazu, dass bislang US-Bürger, die in königliche Familien geheiratet haben (zum Beispiel die in Washington D.C. geborene Königin Noor al Hussein, geborene Lisa Najeeb Halaby), oder die den Thron eines Landes eingenommen haben (Prinz Albert von Monaco), üblicherweise mit diesem Schritt, oder der Volljährigkeit, die US-Staatsbürgerschaft abgelegt haben. Fürst Albert von Monaco hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft durch seine Mutter, Grace Kelly.
Dadurch vermeidet man Konflikte mit dem royalen Satus.
Im Fall der beiden Sussex- Kinder stünde dies potentiell ebenfalls im Raum. Wobei dabei auch ausschlaggebend sein könnte, wo die beiden ihren Lebensmittelpunkt sehen und ob sie ihr Leben so gestaltet haben, dass sie keinen königlichen Titel brauchen, um erfolgreich zu sein. Für ihre Eltern gilt ja nach wie vor, dass der königliche Titel ihr Geschäftsmodell ist und sie insofern auf diesen auch gar nicht verzichten können.
Was aber, wenn Archie und Lilibet eines Tages Kinder bekommen? Die englische Regierung schreibt dazu: Diese Kinder, sollten sie auerhalb von Großbritannien geboren werden, müssten eines Tages die britische Staatsbürgerschaft ganz normal beantragen.
Haben Royals Pässe?
Ja. alles außer dem König. Da alle Pässe in seinem Namen ausgestellt werden, braucht er selbst keinen. Alle anderen Familienmitglieder brauchen hingegen einen, um ins Ausland reisen zu können.
Bücher über die Queen gibt es es wie Sand am Meer. Aber eines wie es der Gerstenberg Verlag jetzt veröffentlicht hat, findet man kein zweites Mal. Was ist das Besondere: Die Faksimile- Einlagen!
Credit: Gerstenberg Verlag
Es gibt alles über die Queen: Bildbände, Monografien, Biografien und Zeitschriften.
Ihre einmalig lange Regierungszeit hat dazu geführt, dass man sich mit allen Facetten ihres Lebens befasst hat, zumal sie bis zum Ende ein Rätsel geblieben ist, da sie sich im Gegensatz zu ihrer Familie nie in Interviews geäußert hat oder irgendeine Form von Memoiren verfasst hätte. Diese Lücke haben hunderte, wenn nicht tausende von Büchern zu füllen versucht.
Ich muss gestehen, dass ich einige von denen gelesen habe, um mir ein Bild von dieser „Frau ohne Eigenschaften“ zu machen. Denn was wissen wir denn tatsächlich von ihr? Das sie fleissig war. Sich stets um Sichtbarkeit bemüht hat. Diszipliniert war und – wäre sie nicht Königin geworden – eine sehr gute Pferdezüchterin abgegeben hätte.
Was aber mochte sie? Über was konnte sie lachen? Welche Bücher hat sie gelesen? Welche Komponisten geliebt? Gab es Dinge, für die sie kämpfen musste? Was waren ihre ganz persönlich empfundenen größten Niederlagen?
Alles Fragen, auf die sie nie eine Antwort gegeben hat.
Wenn wir diese Fragen zumindest annähernd beantworten wollen, sind wir darauf angewiesen, auch weiterhin Bücher über sie zu lesen. Von Menschen, die sie möglichst gut persönlich kannten, oder zumindest einen besonders guten Zugang zu ihrem persönlichen Umfeld hatten.
Letzteres dürfte immer schwieriger werden, da ihre Wegbegleiter langsam aber sicher aussterben. Und dann heißt es irgendwann nur noch „Mein Großvater, Lord XY, erzählte immer, dass die Queen …“
Im deutschsprachigen Raum ist aber auch das schon ein Problem, denn nur die allerwenigsten Bücher über die diversen Königshäuser werden ins Deutsche übersetzt und wir bekommen solche Ausgaben eigentlich nur dann, wenn ein besonderes Ereignis stattfindet, oder ein Jubiläum.
Umso mehr freue ich mich, dass der Gerstenberg Verlag einen neuen großformatigen Band über die Queen vorgelegt hat, der nicht nur die Etappen ihres Lebens vorstellt, sondern auch bestimmte Aspekte besonders beleuchtet.
So mochte ich besonders das Kapitel, das sich mit ihrem Hochzeitskleid befasst oder mit ihrer Zeit als junge Ehefrau eines Marineoffiziers auf Malta, das die Queen bis zum Schluss als eine der glücklichsten Zeiten ihres Lebens bezeichnet hat.
Zum ersten Mal habe ich auch eine Grafik gesehen, die in einer Zeitleiste die wichtigsten Persönlichkeiten auf der Weltbühne während der Regentschaft der Queen vorstellt. Von Winston Churchill bis Papst Franziskus. Eine weitere informative Grafik stellt ihren „aktuellen“ Familienstammbaum dar mit Kindern, Enkelkindern, deren Ehepartnern etc. Ein weiterer (mit Fotos bestückter) Stammbaum stellt uns wiederum das Haus Windsor vor.
Die Hochs und Tiefs der Queen finden ebenso Platz wie eine Betrachtung ihres Erbes für ihren Nachfolger und das Land.
Wie zu erwarten war, finden sich keine historischen Fehler und die Recherche ist auf den Punkt. Die Fotos sind von hervorragender Qualität und machen das wiederholte durchblättern zu einem wirklichen Genuss.
Doch etwas hebt dieses Buch über alle anderen – speziell Bildbände – zur Queen heraus: Die Faksimile- Beilagen.
In fünf großformatigen Taschen finden sich Faksimile- Drucke von Briefen, Fotografien und anderen Dokumenten, die mit der Queen in Zusammenhang stehen. Auf dem Foto oben seht ihr einen handgeschriebenen Brief der Queen an Präsident Eisenhower vom Januar 1960 mit ihrem persönlichen Rezept für Drop Scones. Die hatten es dem Präsidenten offensichtlich angetan und so wurde er von der Queen mit dem Rezept versorgt. (Nicht viel anders als bei Lieschen Müller, wenn Tante Herta der Käsekuchen so gut geschmeckt hat, dass sie ihn nachbacken will …)
FAZIT:
Das vorliegende Buch ist im allerbesten Sinne ein Coffee-Table-Book. Interessante Artikel treffen auf gut gemachte und informative Grafiken und wunderbare Fotos. Aber getoppt wird alles von den unglaublichen Faksimiles, die dem Buch beigelegt sind und die einem eine ganz persönliche Anbindung an die Queen ermöglichen. Man hat plötzlich das Gefühl, ein wirkliches Stück Geschichte in Händen zu halten. „Queen Elizabeth II – Eine Hommage in Bildern“ ist ein Buch, das man nicht nur eingefleischten Royalistas schenken kann, sondern auch sich selbst.
FAKTEN:
Joel Levy, Marnie Fogg: Queen Elizabeth II.: Eine Hommage in Bildern Mit zahlreichen Faksimiles. Gerstenberg Verlag, Januar 2024, 176 Seiten, 36€
Mehr Infos über den Verlag: https://www.gerstenberg-verlag.de
GEWINNSPIEL
Da der Gerstenberg Verlag so nett war, mir dieses wunderbare Buch für diese Buchvorstellung zu überlassen, möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen und einen Band unter euch zu verlosen.
Was müsst ihr tun, um in den Lostopf zu hüpfen?
Kommentiert einfach unter diesem Artikel, welcher Moment euch besonders für die Königin eingenommen hat. War es die Art, wie sie stoisch nach den Schüssen auf sich mit Burmese weitergeritten ist? Waren es ihre Worte aus dem Buckingham Palast nach dem Tod von Prinzessin Diana? War es, wie sie in Regenmantel und mit Regenhaube durch das ausgebrannte Schloss von Windsor gelaufen ist? Oder ihre Tränen, als sie sich von der Britannia verabschieden musste?
Was war euer ganz persönlicher Moment mit der Queen?
Die USA befinden sich mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Auf Seiten der Republikaner gibt es noch zwei Kandidaten im Rennen: Donald Trump und Nikki Haley. Wobei Trump bislang weit vor seiner Konkurrentin liegt. Nun hat er sich auch zu Prince Harry geäußert. Das könnte für Harry und Meghan ein spannendes Jahr werden, denn wer hat schon gerne den US-Präsidenten gegen sich?
Im November wählen die Amerikaner den 60. Präsidenten. Was die Republikaner angeht, liegt Donald weit vor seiner Konkurrentin Nikki Haley. Auch gegen Joe Biden, dem das Alter offensichtlich große Probleme bereitet, scheint Trump gut im Rennen zu liegen.
Nun hat sich Trump zum ersten Mal zum Thema Prince Harry geäußert und das lässt für unseren König von Montecito nichts Gutes erwarten.
“I wouldn’t protect him. He betrayed the Queen. That’s unforgivable. He would be on his own if it was down to me.”
(= „Ich würde ihn nicht beschützen. Er hat die Queen verraten. Das ist unverzeihlich. Wenn es nach mir ginge, wäre er auf sich selbst gestellt.“)
Das Ganze kommt für Harry zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, kämpft doch der konservative Thinktank „Heritage Foundation“ vor Gericht für eine Offenlegung seines Visa-Antrags. Dort wird ausdrücklich nach Drogenkonsum gefragt und nun wollen alle wissen, was Harry da geschrieben hat.
Tatsächlich kann Harry nur noch verlieren.
Urteilt das Gericht, dass sein Antrag offengelegt werden muss, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder er hat die US-Behörden angelogen oder die Leser seiner Memoiren. Sprich: Entweder hat er wirklich heftigen Drogenmissbrauch betrieben, oder er hat ihn nur vorgegeben, um mehr Bücher zu verkaufen.
Beide Ergebnisse dürften für ihn nicht erfreulich werden.
Urteilt das Gericht, dass der Antrag unter Verschluss bleiben kann, hat er dennoch einen Pyrrhus-Sieg eingefahren, denn dann werden die Mutmaßungen weitergehen. Dass er sich selbst bislang nicht geäußert hat und auch niemand aus seinem Umfeld, zeigt deutlich, wie bewusst Harry das Problem ist.
Würde Trump dann im November gewinnen, käme es sicherlich ganz dick für ihn, denn Trump hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er die „woken Sussexes“ nicht ausstehen kann.
Tatsächlich ist Trump seit seinem ersten Zusammentreffen mit der Queen ihr Bewunderer gewesen. Nach dem Urteil von Leuten, die bei dem Zusammentreffen dabei waren, entstand zwischen den beiden Staatsoberhäuptern tatsächlich ein angenehmes Verhältnis und Trump war der Queen gegenüber absolut handzahm.
Später ließ er keine Gelegenheit aus, sich warmherzig und respektvoll über sie zu äußern.
Insofern denke ich, kann man ihm seine Empörung über Harry gegenüber durchaus abnehmen.
Allerdings bedeutet dies auch, dass er sich als Rächer für die verstorbene Queen sehen könnte, der dem verräterischen Enkel heimleuchtet.
Die Ursachen der Feindschaft
Das Ganze dürfte auf das Jahr 2016 zurückgehen, wo Meghan Markle in einer Podiumsdiskussion von Comedy Central zum Thema Trump sagte, dass, wenn dieser Präsident würde, sie nach Kanada auswandern würde. Sie nannte ihn einen zerstörerischen Frauenhasser.
2019 dann wurde Trump anlässlich seines Staatsbesuches in England gefragt, ob er wisse, wie Meghan sich über ihn geäußert habe. Er sagte, er habe keine Ahnung gehabt, dass sie sich so hässlich über ihn ausgelassen habe.
Mit einigem Hin und Her brachte es der Palast fertig, dass die beiden sich nicht vorgestellt wurden und so eine problematische diplomatische Situation vermieden wurde.
2022 dann setzte Trump eins drauf, indem er im Interview mit Piers Morgan zur Sussexschen Ehe erklärte: “It’ll end, and it’ll end bad…I want to know what’s going to happen when Harry decides he’s had enough of being bossed around…Or maybe when she decides that she likes some other guy better. I want to know what’s going to happen when it ends, OK?” (= „Es wird enden, und zwar schlimm… Ich will wissen, was passiert, wenn Harry beschließt, dass er genug davon hat, herumkommandiert zu werden… Oder vielleicht, wenn sie beschließt, dass sie einen anderen Typen lieber mag. Ich will wissen, was passiert, wenn es zu Ende ist, okay?“)
Von daher dürfte die Marschrichtung für beide Seiten klar sein: Wenn Trump abermals Präsident wird, lässt er sich mit absoluter Sicherheit die Gelegenheit nicht durch die Finger schlüpfen, an H&M ein Exempel zu statuieren. Es wäre ein wunderbares Bonbon, das er seinen Followern zuwerfen könnte um zu zeigen, dass Amerika sich nicht von royalen „Grifters“ vorschreiben lässt, wie man zu leben habe.
Donald Trump würde nicht so weit gehen? Von wegen. Er hat sich da schon ganz andere Themen vorgenommen. Und zu verlieren hat er definitiv nichts.
Insofern könnte also ein Umzug der Sussexes nach Kanada schneller kommen als erwartet. Für sie wäre es tatsächlich eine Win-Win- Situation, denn sie könnten ihren Umzug als politisch motiviert begründen, sobald ihnen jemand vorhalten sollte, dass sie nur nach Kanada gehen, um sich in die Royal Family zurück zu schmusen. Damit hätten sie sich als politisch zu allem bereits Liberale positioniert, die zu allem bereit sind im Kampf um ihre politischen Ziele. Gleichzeitig hätte Trump bei seinen Anhängern einen sicheren Punkt gemacht.
Die Bücher, die über die verstorbene Prinzessin von Wales mittlerweile geschrieben wurden, füllen ganze Bibliotheken. Jeder Aspekt ihres kurzen, wenig glücklichen Lebens wurde auf tausenden von Seiten vorgestellt und analysiert. Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass man sich da kaum noch zurechtfindet. Ein Grund mehr für mich, zu den Wurzeln zurückzukehren und ihre eigenen Worte dazu zu lesen.
Credit: Lifestyle Busse Seewald Verlag
Wenn man sich in all den hunderten und aberhunderten von Titeln zurechtfinden will, die in den vergangenen Jahrzehnten über Prinzessin Diana geschrieben worden sind, ist das ein fast unmögliches Unterfangen. Ob ihre Mode, ihre Beziehung zu ihren Kindern, oder ganz allgemein ihr Lebensweg – es blieb kaum ein Aspekt unbeachtet.
So habe ich mich umso mehr gefreut, dass ich die Gedächtnis- Ausgabe des Buches von Andrew Morton bekommen habe und diese nun vorstellen darf.
Nach dem Vorwort finden wir zunächst Dianas eigene Anmerkungen zu bestimmten Schlagworten. Knapp dreissig Seiten lang lesen wir, was sie unter anderem zu ihrem Mann, ihren Söhnen, ihrer Kindheit und der Königsfamilie zu sagen hatte. Mehr oder minder kurz hingeworfene Gedankenschnipsel, die Morton nicht kommentiert und nicht relativiert.
Der Großteil des Buches dann wird von der offiziellen Version seiner Biografie eingenommen, in der er praktisch nur Dianas eigene Aussagen umformuliert hat. Jener Biografie, die er mit Hilfe von Dianas besprochenen Tonbändern geschrieben hat und das jahrelang als ausschließlich aus seiner Feder stammend ausgegeben wurde.
Bereits im Vorwort fällt die absolute Distanzlosigkeit auf, die Morton an den Tag legt, wenn er Dianas Situation in ihrer Ehe schildert.
Verschleiern für Fortgeschrittene
Wie sind Diana und Morton nun vorgegangen?
Tatsächlich hatten sie vereinbart, dass sie sich nicht persönlich treffen durften, damit Diana glaubwürdig behaupten konnte, nicht mit Morton unter einer Decke zu stecken. (Lustige Haarspalterei …)
Sie brauchten also einen Mittelsmann. Dianas Wahl fiel auf ihren Freund James Colthurst.
Colthurst und Morton wurden also im Folgenden zu Dianas Mitverschwörern. Morton schickte die Fragen und Diana antwortete auf Tonbändern, die wiederum Colthurst an Morton überbrachte. Das Ganze glich einem Manöver aus der Welt der internationalen Spionage.
Man muss dabei bedenken, dass als Diana die Bänder besprochen hat, sie noch mit Charles, dem damaligen Prince of Wales, verheiratet war und auch mit ihm zusammenlebte. Dennoch folgen in ihren eigenen Worten wenige Seiten später Überlegungen zur Scheidung und wen sie danach wohl heiraten würde. (Was nicht nach einer Frau klingt, die erst mal genug vom Thema Ehe hat …)
Aus zahlreichen Stellen im Vorwort merkt man, wie trunken Morton von seiner eigenen Bedeutung zu dieser Zeit war und dies erklärt sicherlich auch die Kritiklosigkeit, mit der er – sicherlich wider besseres Wissen – jede von Dianas Behauptungen als Faktum übernommen hat. Dass sie ihn sogar um Rat bat, als sie sich von ihrem alten Friseur trennen wollte und nicht wusste, wie sie das zustande bringen sollte, ohne, dass dieser seine Story im Zorn an Zeitungen verkaufte, hat Morton ohne jeden Zweifel enorm geschmeichelt.
Zeigt sich hier Dianas manipulativen Seite? Ihre Fähigkeit aus Außenstehenden klaglose Bewunderer zu machen? Ich denke ja. Denn was Morton für diesen Coup riskierte, war nicht weniger als seine Glaubwürdigkeit, sein Ansehen, ja seine Zukunft. (Wir wissen von Omid Scobie, wie es jemandem ergeht, der sein Schicksal an einen fallenden Stern kettet …)
Dianas Interesse an diesem Buch ging übrigens so weit, dass sie ihren Vater schriftlich bat, Morton Fotos aus seiner Sammlung zu überlassen, was der alte Earl auch tat. Dies vor dem Hintergrund, dass sie sicherstellen wollte, dass sich das Buch von allen anderen Titeln seiner Art abheben sollte.
Insofern muss man sich auch schon beim Lesen des Vorwortes fragen, ob Diana je geglaubt – beziehungsweise gewollt hat, dass das Buch nicht als mit ihrem Beitrag zustandegekommen ausgegeben werden könnte.
Sie war sogar so von diesem Buch und der eigenen Rechtfertigung besessen, dass sie ihren Schwager Robert Fellowes, den Privatsekretär der Queen, auf dessen direkte Nachfrage angelogen hat. Die Queen hatte ihn um Aufklärung gebeten, weil schnell klar war, dass die Informationen im Buch eigentlich nur von Diana persönlich mitgeteilt, bzw. autorisiert worden sein konnten. Fellowes sprach daraufhin Diana an und überbrachte direkt die Frage der Queen. Diana antwortete, sie habe null und nichts mit dem Buch zu tun.
Als herauskam, dass Diana ihn angelogen hatte, ging er sofort zur Queen und bot seinen Rücktritt an, was diese ablehnte.
Am 7. Juni 1992 veröffentlichte die Sunday Times einen ersten Bericht über das Buch und machte hierbei mit Dianas zahlreichen Selbstmordversuchen auf. Die Welt erstarrte.
Wie wenig Morton selbst die Reaktionen verstand, zeigt sich in meinen Augen alleine schon an dieser Stelle:
„Es ist eine der Ironien in dieser Geschichte, dass eine Biografie, die mit umfassender und enthusiastischer Unterstützung der Betroffenen geschrieben und produziert wurde, fromm boykottiert werden sollte aufgrund des Verdachts, es handele sich um eine falsche Darstellung von Dianas Leben.“
Tatsächlich ist die Biografie wirklich insofern „falsch“, als sie komplett und kritiklos auf den Aussagen der Heldin beruht. Wo es doch eigentlich üblich ist, dass ein Autor solche Selbstzeugnisse zwar heranzieht, sie aber überprüft, hinterfragt und widersprüchliche Funde vorstellt.
Insofern ist es interessant, wenn Morton folgende Anekdote berichtet: „Der Autor und Fernsehstar Clive James erinnerte sich gern daran, wie er sie (Diana) beim Lunch fragte, ob sie selbst hinter dem Buch stecke. Er schrieb: „Mindestens einmal hat sie mich jedoch regelrecht belogen. ‚Ich habe mit dem Buch von Andrew Morton wirklich nichts zu tun gehabt‘, sagte sie mir. ‚Doch nachdem meine Freunde ihm gegenüber ausgepackt hatten, konnte ich sie natürlich nicht im Regen stehen lassen.‘ Und während sie das sagte, sah sie mir direkt in die Augen. So bekam ich also mit, wie plausibel sie aussehen konnte, wenn sie eine faustdicke Lüge auftischte.“
Bevor nun das Buch mit ihren eigenen Worten losgeht, macht der Verlag die Anmerkung, dass auch diese Zitate ausgewählt und editiert wurden. Sprich: wir lesen abermals das, was andere aus Dianas Worten gemacht haben. In diesem Zusammenhang hätte ich mich gefreut, wenn man diese Editierung kenntlich gemacht hätte. So wissen wir nicht, inwieweit man Veränderungen vorgenommen hat.
Natürlich lesen wir Biografien unter anderem deshalb, weil wir eine bestimmte Person verstehen, beziehungsweise mehr über sie erfahren wollen. Nicht zuletzt, wenn es darum ging, die Prinzessin von Wales als erwachsene Frau einzuschätzen. Insofern war selbst dieses unübertroffen einseitige Buch erhellend für mich.
Dianas Hass
Dass man den Erinnerungen an die Kinderzeit nicht zwingend trauen darf, liegt auf der Hand. Wenn die erwachsene Person aber von Dingen berichtet, die sich nur wenige Jahre zuvor zugetragen haben, darf man sicherlich davon ausgehen, dass sie belastbar sind.
Vor diesem Hintergrund war es besonders schockierend für mich zu lesen, mit welchem Hass sie ihre Stiefmutter Lady Raine Spencer verfolgte.
„Ich weiß noch wie ich ihr richtig an die Gurgel fuhr – ich war so wütend. Ich sagte: ‚Ich hasse dich so sehr, wenn du doch nur gewusst hättest, wie sehr wir alle dich für das, was du getan hast, gehasst haben, du hast das Haus ruiniert, du hast Daddys Geld ausgegeben – und wofür?“ Nun muss man dazu sagen, dass Diana bei diesem „Gespräch“ bereits erwachsen, Mutter und Prinzessin von Wales war. Was war geschehen? Raine hatte, um die immensen Schulden abzuzahlen, die sich über dem schwerkranken Earl seit Jahren türmten, Kunstgegenstände aus dem Schloss verkauft. Nur so konnte sie das Anwesen überhaupt retten. Ein Faktum, das von allen anerkannt wurde und wird. Auch ist unumstritten, dass es Raine war, die durch ihre unermüdliche Pflege den Earl am Leben erhielt. Die Stiefkinder waren die einzigen, die das nicht sahen, sondern sie auch weiterhin mit ihrem unstillbaren Hass aus Jugendtagen verfolgten.
Diese von Diana selbst geschilderte Szene lässt eines vermissen (von der viel beschworenen Caritas abgesehen): Selbstreflexion. Diana ist auch mit größerer Distanz zum Ereignis unfähig, die Rolle der Stiefmutter neu zu bewerten und über Punkte nachzudenken, die zu deren Entlastung ins Feld geführt werden könnten. Sie scheint noch immer vom Hass zerfressen auf jene Frau, die nichts anderes getan hat, als den Vater zu heiraten und das Erbe der Spencers zu retten, das seit Jahrzehnten im Niedergang begriffen war. Übrigens hat dann Jahre später Dianas Bruder Charles von der Vorarbeit der „bösen Stiefmutter“ profitiert, da er das Erbe praktisch grundsaniert antreten konnte.
Und es ist nicht nur Raine Spencer, die ihr Fett abbekommt. Selbst die eigene Mutter wird nicht verschont …
„Meine Mutter hat mich furchtbar im Stich gelassen bei der Hochzeit. Sie weinte pausenlos und gab sich so tapfer und sagte, sie sei an der Grenze der Belastbarkeit. Ich dachte irgendwie, dass ich diejenige wäre, die unter Druck stand, denn ich war die Braut. Darum habe ich danach drei oder vier Jahre nicht mehr mit ihr gesprochen.“
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!
Und es sei an dieser Stelle nochmals betont, dass wir es nicht mit den Äußerungen eines Teenagers zu tun haben, sondern mit jenen einer erwachsenen Frau. Einer Frau, die selbst mit einem Abstand von mehreren Jahren nicht in der Lage ist zu sagen: Das habe ich falsch gemacht. Das weiß ich heute und es tut mir leid.
Umso überraschender, da sie nicht müde wurde, als Advokatin der Belange anderer aufzutreten und die Fehler am Verhalten anderer aufzuzeigen. Insofern hätte ich ihr zumindest mehr Bewusstsein für die Problematik ihrer Haltung erwartet.
In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, ob Dianas Hass auf Camilla aus dem gleichen Brunnen gespeist wurde. Unreflektiert. Egomanisch. (Selbst)Zerstörerisch. Und da muss man dann ganz klar sagen, dass Diana ihre Medienmacht genutzt hat, nicht nur um den Ruf von Raine Spencer beinahe unwiderruflich zu schädigen, sondern auch, um Camilla zu vernichten.
Kann ich den Tiger wieder einfangen?
Das ist bekanntermaßen ein schwieriges Unterfangen …
Prince William versucht es seit Jahren mit dem desaströsen Panorama- Interview, das Diana seinerzeit gegeben hatte und das ebenfalls dem Wunsch entsprang, sich zu rechtfertigen und die öffentliche Meinung auf die eigene Seite zu ziehen.
Er war dabei in gewissem Maße erfolgreich, denn die BBC hat den Film zwischenzeitlich in den Giftschrank gepackt, nicht zuletzt wegen der Methoden, mit denen Journalist Martin Bashir Diana dazu gekriegt hatte, bei dem Interview mitzumachen. Selbst auf YouTube sind heute nur noch Schnipsel der Sendung zu finden.
Ich persönlich bin der Meinung, dass auch dieses Interview zugänglich sein sollte, denn es ist eh in den Köpfen der Menschen präsent. Die Zitate („Wir waren zu dritt in dieser Ehe und da wurde es ein bisschen eng.“) sind inzwischen Allgemeingut geworden und mindestens genauso schädlich, als würde man das Interview selbst sehen.
Das Panorama- Interview, wie auch Mortons Buch, sind Zeitzeugnisse. Sie müssen allgemein zugänglich bleiben, denn sie erklären viel von Diana und auch viel von ihrem Phänomen, ihrer Faszination.
Will man verstehen, was sich seit ein paar Jahren im Königshaus zuträgt, sind diese Quellen ebenfalls unverzichtbar, denn man lernt durch sie die Frau kennen, die ihre Söhne William und Harry nachhaltig geprägt hat.
Versteht man Diana -> versteht man ihre Faszination bei den Massen -> versteht man ihren Einfluss u.a. auf die Medien -> versteht man, warum das Königshaus so reagiert hat wie es reagiert hat (in der Diana-Krise und danach) -> Versteht man die Reaktion des Königshauses -> versteht man Charles und die Söhne.
Und dies ist das große Verdienst dieses Buches: Wir lernen Diana in all ihren Untiefen kennen. In eben jenem Moment ihres Lebens, als für sie alles auf dem Spiel stand, weil sie alles auf eine Farbe gesetzt hatte. Dadurch, dass kein Autor, kein PR-Berater, kein Mitarbeiter des königlichen Stabes ihre Aussagen durchgesehen und bearbeitet hat, sehen wir tatsächlich einige der Facetten der wirklichen Diana.
Und da darf man sich am Ende der Lektüre durchaus fragen, ob man gerne mit ihr privat zu tun gehabt hätte.
Nicht nur Harry Potter benötigt seinen Nimbus
Wenn wir Dianas Äußerungen betrachten, erkennen wir sehr schnell, dass sie wenig Selbstbewusstsein hatte. Was es davon gab, bezog sie vom Publikum. Sie sagt selbst in Morton Buch, dass sie am besten mit Kindern und Bedürftigen klarkomme und, dass sie in der Arbeit mit diesen Gruppen ihre Zukunft sieht.
Natürlich klingt das auf den ersten Blick nett und „volksnah“, doch auf den zweiten Blick, verbunden mit ihren übrigen Äußerungen, stimmt es doch nachdenklich. Hat sich Diana damit nicht ausgerechnet jene Menschen ausgesucht, von denen sie am wenigstens Widerspruch zu erwarten hatte?
Von Hellsehern und Wunderheilern
Ein weiterer Punkt stimmt einen mehr als nachdenklich: Ihre im Buch nachzulesende Hingabe an Wahrsager und Wunderheiler. Plus, Dianas Überzeugung, dass sie selbst über die Gabe, in die Zukunft sehen zu können, verfüge.
Wir finden ihre geglaubten hellseherischen Fähigkeiten auch bei Harry wieder, der das Buch offensichtlich förmlich inhaliert haben muss.
Wie komme ich darauf?
Diana schildert Morton an mehreren Stellen, wie sie zukünftige Ereignisse vorhergesehen habe. So sei Prince Charles Pferd an ihr und einem Begleiter vorbeigelaufen und sie habe vorhergesehen (und es dem Begleiter auch gesagt), dass das Pferd an einem Hitzschlag eingehen werde und so sei es auch gekommen. (Das bedarf eigentlich keines Kommentars mehr …) Wir alle kennen außerdem ihre immer wieder zitierte „Vorhersage“, die Königsfamilie werde einen Unfall inszenieren, bei dem sie getötet werden würde.
Es ist nicht zynisch, wenn ich sage, dass alles, was dann zu ihrem tatsächlichen Tod geführt hat, ein ungenutzter Sicherheitsgurt war. Den hatte die Prinzessin in jener verhängnisvollen Nacht in Paris nämlich einfach nicht angelegt.
Dass sie eine Wahrsagerin als ihre Freundin bezeichnet, mag noch nachvollziehbar sein, doch, dass sie als derart genau beobachtete und verfolgte öffentliche Person sich die Zukunft vorhersagen lässt, bzw. Hinweise geben lässt, wie sie sich verhalten sollte, stimmt zumindest nachdenklich. Diana hat sich nämlich offensichtlich keinerlei Gedanken gemacht, was passieren würde, wenn sie mit diesen Sachen erpresst würde, denn sie hat sicherlich diesen Freunden -gutgläubig – sehr viel Intimes berichtet.
Selbst dann nicht, als sie auf die harte Tour lernen musste, dass ihre Handys abgehört werden und die Mitschnitte in der Öffentlichkeit landen.
FAZIT:
Es ist erfreulich, dass dieses Buch, das seinerzeit international derart hohe Wellen geschlagen hat, jetzt vom Lifestyle Busse Seewald Verlag in einer erweiterten und bearbeiteten Version auf Deutsch vorgelegt wurde. Es ist ein unbedingtes Zeitzeugnis und enorm hilfreich beim Verständnis jener Frau, die die Menschen wie kaum eine zweite in der Gegenwart bewegt hat. Wenn man sich für das englische Königshaus und die englische Zeitgeschichte interessiert, ist die Lektüre ein Muss. Vielleicht kann es auch dazu dienen, ein wahrhaftigeres Bild der Prinzessin, jenseits aller Heiligenverehrung, zu schaffen.
Insgesamt muss ich gestehen, fand ich speziell die Äußerungen zu den Schlagworten, also die Diana-Zitate, auf Dauer schwer erträglich. Es handelt sich bei diesen Worten Dianas um eine einzige Aneinanderreihung von Beschwerden. Nach wenigen Seiten bekommt man das Gefühl, selbst in einem sowjetischen Gulag sei es angenehmer gewesen als im Königshaus. Mir wäre praktisch keine Stelle aufgefallen, wo sie sich freundlich oder dankbar geäußert hätte. Alles und alle waren mies. (Sie fand nur süß, dass ihr Vater bereits in St. Martin in the Fields hatte aus der Hochzeitskutsche aussteigen wollen, weil er dachte, sie seien schon in St. Paul’s.)
Insgesamt lernen wir eine unzufriedene, ständig sich beklagende junge Frau kennen, deren Welt nur um sich selbst und ihre Bedürfnisse kreist, und die bereit ist, selbst ihr sehr nahestehende Menschen aufgrund von Nichtigkeiten zum Teil für Jahre zu ghosten. (Was zum Beispiel die Herzogin von York bestätigt hat.)
Man kann nur hoffen, dass – hätte sie länger gelebt – Diana den Groll und die Verletzungen hätte hinter sich lassen können. So aber hat sie (nicht nur) ihren Söhnen ein schweres Erbe hinterlassen.
Wer sich für weitere Titel des Verlages interessiert, dem sei die Homepage der Frech Verlagsgruppe empfohlen: https://www.topp-kreativ.de
Ich danke dem Verlag dafür, dass sie mir ein Exemplar zur Besprechung überlassen haben.
FAKTEN:
Andrew Morton: Diana. Ihre wahre Geschichte in ihren eigenen Worten. Memorial Edition: Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe zum 25. Todestag: Biographie von … mit Material aus seinen Original-Interviews, Busse Seewald Verlag 2022, 496 Seiten, 30€
Diesmal spreche ich aber nicht von den Red Boxes mit den Regierungsunterlagen, sondern vielmehr von den berühmten britischen Briefkästen. Mit denen hat es nämlich eine besondere Bewandtnis. Vor allem in Schottland…
Wir alle kenne die roten Briefkästen, die über die Generationen eines der vielen Erkennungszeichen Großbritanniens geworden sind.
Heute möchte ich euch von einer Besonderheit dieser Briefkästen berichten: ihr erkennt nämlich auf jedem dieser Briefkästen, in der Regierungszeit welches Monarchen der Briefkasten aufgestellt wurde.
Hier oben sehr ihr noch einen hübsch verschnörkelten aus der Regierungszeit Königin Victorias. Hingegen die modernen, unter König Charles III aufgestellten, kommen da schon wesentlich nüchterner daher:
Der Briefkasten als Politikum
Nun sind nicht alle Teile des Vereinigten Königreichs mit diesen Aufschriften glücklich.
Als mit Beginn der Regentschaft von Queen Elizabeth II in Schottland Briefkästen mit ihrem Kürzel aufgestellt werden sollten, entbrannte der Volkszorn der Schotten. Denn: Wie kann es in Schottland eine Elizabeth II geben, wenn es nie eine I gab?
Die Erklärung war, dass die Queen und ihre Berater einfach ihren Vorgängern nachgeeifert hatten und die hatten ja auch ihr englisches Kürzel auf schottischen Briefkästen anbringen lassen. Doch damit waren die Schotten nicht einverstanden. Vielleicht war es auch einfach, dass man die Frau herausforderte, wo man es mit den Männern vor ihr nicht gewagt hätte.
Winston Churchill wusste Rat:
Die schottischen Briefkasten sollten auf das Kürzel EIIR (= Elizabeth II Regina / Königin) verzichten und einfach nur die schottische Krone als Emblem tragen. Des Weiteren legte er fest, dass künftige Monarchen zu ihrem Namen jene Ziffer der schottischen oder englischen Könige nehmen sollten, die die höhere wäre.
Klingt kompliziert?
Ääääääh – ja.
Deswegen ein Beispiel:
Bekommt der heutige kleine George eines Tages als König George einen Sohn, den er und seine Frau „James“ nennen, wird dieser als James VIII im gesamten Königreich auftreten.
Grund: Es gab den König James, Sohn von Mary Queen of Scots, der seinerzeit als King James I von England Queen Elizabeth I auf dem englischen Thron ablöste, nachdem er bereits König James VI von Schottland gewesen war. Daher wird er in den Geschichtsbüchern als James VI I geführt.
Daher müsste Georges Sohn eigentlich James III von England sein.
Darf es noch ein bisschen komplizierter werden?
Aber gerne noch:
Es gab in Schottland noch einen James VIII, da der aber erfolglos versuchte, als James III in England und James VIII in Schottland auf den Thron zu gelangen, fiel er bei der Nummerierung raus.
Da dies nicht gelang, wäre der in der Zukunft lebende James dann nach der Vorgabe von Winston Churchill nicht mehr doppelt nummeriert, sondern würde die höhere Nummerierung, sprich die schottische, tragen.
Insofern wäre Elizabeth II und Schottland Elizabeth I … Irritierend, oder? Da aber Churchills Vorgabe galt, wurde und wird sie sowohl in England als auch in Schottland als Elizabeth II geführt.
Und somit ist es vielleicht besser, dass die Schotten nur die Krone auf ihren Briefkästen haben …
Wir alle kennen die Red Boxes der Königin. Haben über sie gelesen und Fotos gesehen, wo die Königin Unterlagen aus diesen Koffern (denn darum handelt es sich tatsächlich) durcharbeitet.
Was hat es aber mit diesen tatsächlich auf sich? Was ist drin? Und was sagen die Boxen über den jeweiligen Monarchen aus?
Die Form Sie haben die Größe eines kleinen Reisekoffers und sind in den Jahren der Regentschaft der Queen Symbole für ihren Fleiß geworden. Die Red Boxes.
Aber was befindet sich überhaupt in diesen Koffern? Nun – Papier. Sehr viel Papier. Es sind Memos der Regierung, aber auch Vorschläge für Erhebungen in den Adelsstand. Dazu kommen noch Informationen zu aktuellen Angelegenheiten. Plant der Monarch eine Reise im Auftrag der Regierung, finden sich die wichtigen Vorab-Infos ebenfalls in der Box. Unterlagen aus dem diplomatischen Corps befinden sich dort ebenso wie Parlaments-Memos.
Dazu kommen noch jene Papiere, die der Monarch unterschreiben muss, damit sie Rechtskraft erlangen.
Eine dieser größeren Boxen („Standard-Box“) erhielt die Queen an jedem Wochenende. Für die Wochentage, wo sie dann ja auch noch offizielle Termine hatte, bekam sie nur eine Box in der Größe eines Schuhkartons mit Unterlagen. Die so genannte „Reading Box“. Die Königin arbeitete sodann diese Papiere durch, die dann an die Absender zurückgeschickt wurden. Damit hatte die Königin ihren Auftrag, zu „warnen“ und zu „ermuntern“ erfüllt.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass diese Arbeit eher symbolisch ist, denn ein Monarch kann noch so energisch warnen oder ermuntern – wenn die Regierung oder das Parlament nicht will, passiert es nicht.
Umso wichtiger ist der Ruf, der einem Monarchen vorauseilt. Die Queen hatte also alleine schon aufgrund ihrer Erfahrung großen Einfluss. Will sagen: Wenn sie in einer Sache warnte, nahm man ihre Argumente durchaus ernst und bezog sie in die Entscheidungen ein. Schließlich kannte sie mehr Staatschefs und Monarchen, aber auch Päpste, als irgendein anderes Staatsoberhaupt der Neuzeit. Bedingt durch ihre ruhige und besonnene Art wurde sie von vielen Politikern, besonders in Konfliktsituationen, in Vorgänge mit einbezogen. Man wollte ihre Meinung hören. Und nicht wenige englische Regierungen setzten die Königin mit ihrer „Tanz-Diplomatie“ ein.
Einen solchen Nimbus muss ein Monarch erst erwerben. Der wird ihm nicht verliehen. Insofern war es gut, dass Königs Charles so viele Jahre Zeit hatte, sich selbst einen Namen zu machen, um so seinem Wort international Gewicht zu verleihen.
Dies sei auch all jenen ins Stammbuch geschrieben, die sich für eine baldige Regentschaft eines King William einsetzen. Bislang konnte William noch kein wirklich nachhaltiges Profil entwickeln. Zumindest nichts als Staatsmann. Da sollte man ihm noch ein paar Jahre Zeit gönnen.
Und wie sieht das bei König Charles aus?
Der König hat auch hier Paperwork auf ein neues Level gehoben. Er bekommt im Normalfall keine der kleineren „Reading Boxen“ mehr, sondern auch unter der Woche täglich die großen „Standard Boxes“. Wie ein Mitarbeiter sagte, einfach weil er mehr Informationen zu diversen Themen verlangt und diese natürlich auch bekommt. Wieder einmal beweist Charles, dass er ein ungemein interessierter König ist und einen wirklich guten Job macht.
Es liegt nämlich am jeweiligen Monarchen, wie intensiv er sich mit den Unterlagen befassen will.
Charles war schon immer ein Mann, der es gewohnt war, Unmengen zu lesen. Wohingegen die Königin eine Frau war, die es liebte, zum einen, in der Natur zu sein und zum anderen, Menschen zu treffen.
Übrigens haben auch die Regierungsmitglieder solche „Red Boxen“ … Sie sind jeweils mit den Initialen des regierenden Monarchen versehen.
Wie ihr an dem Foto sehen könnt, wurden solche Boxen auch schon versteigert. Im Falle von jener, die Margaret Thatcher benutzte, kamen 242.500 Pfund zusammen. Die von Winston Churchill erbrachte hingegen nur 158.500 Pfund. Dennoch ein stolzes Ergebnis, wenn man betrachtet, dass die Anschaffungskosten einer Box heutzutage nur bei rund 1000 Pfund liegen.
Es sind auch immer wieder Minister und Regierungschefs zu sehen, die fotowirksam eine wichtige Red Box in die Kameras halten.
Wir sehen also – König Charles geht in vielen Bereichen neue Wege. Es mögen jetzt keine spektakulären Neuerungen sein, die er einführt, aber doch viele kleinere Schritte in die richtige Richtung. Und die führen ja bekanntlich auch zum Ziel …