Hexen – Hexen – Hexen III

Wir waten immer noch durch Nebel?

Nein – nicht wirklich.
Fassen wir mal zusammen, was wir bis jetzt festgestellt haben:
– Die Menschen des 16./ 17./ 18. Jahrhunderts waren in Glauben, Aberglauben und Religion verwurzelt
– Es gab nur wenig formale Bildung in unserem heutigen Sinne
– Nicht nur andere glaubten an HexenkrĂ€fte, auch die Hexen selbst taten es oftmals
– „Hexe“ waren MĂ€nner und Frauen
– Es gab fĂŒr den Durchschnittsmenschen keine Unterscheidung zwischen Fact und Fiction
– Wenn ein UnglĂŒck geschah, blickte man auf das Ungewöhnliche. Hexen nun traute man alles zu. Im Guten wie im Bösen
– Hexen waren die Ärzte der Normalsterblichen. FĂŒr all jene Leute, die keinen Zugriff auf einen Arzt hatten
– Normale Kenntnisse zu KrĂ€utern und TrĂ€nken hatten fast alle, Hexen aber noch ein wenig mehr
– Offizielle Religion und Aberglauben vermischten sich, was von der katholischen Kirche zumindest geduldet wurde, solange nichts Schwerwiegendes aus dem Ruder lief. Erst dann wurde eingegriffen. Kirchliche Gerichte konnten keine Todesurteile verhĂ€ngen. Ein Angeklagter musste dazu an ein weltliches Gericht ĂŒberstellt werden
– Das Hexenwesen wurde erst dann problematisch, als der Teufelsbund mit ins Spiel kam
– Die katholische Kirche war vor allem eins: pragmatisch
– Man muss – will man das PhĂ€nomen in seiner Tiefe ergrĂŒnden – jeweils den Einzelfall betrachten. Es gibt gravierende Unterschiede je nach Zeit und Region
– Es gibt kaum belastbare Zahlen zu den tatsĂ€chlichen Opfern der Verfolgungen
– Es gab fĂŒr einzelne Wellen der Hexenverfolgung sehr oft sozioökonomische Ursachen.
– Man muss zwischen Wellen der Verfolgung und Einzelereignissen unterscheiden
– Es ging um die Ewigkeit!

Davon war sicherlich so mancher FĂŒrst ĂŒberzeugt.
Und das sollte man zunÀchst auch keinem absprechen.
Nehmen wir uns an dieser Stelle in Acht vor den von Hollywood erfundenen Bösewichtern aus der Geschichte. Oftmals zeichnet die quellenbasierte Forschung ein ganz anderes Bild der jeweiligen Person.

Erinnern wir uns:
Ein FĂŒrst und seine Untertanen sind durch ein engmaschiges Netzt von Pflichten und Verpflichtungen verbunden. Allen gemeinsam ist, dass sie Gott Rechenschaft schuldig sind. Auch die FĂŒrsten.
Das ist nun keine Kleinigkeit.
VernachlĂ€ssigt die ĂŒbergeordnete Stelle ihre FĂŒrsorge, – und Schutzpflicht dem Anvertrauten gegenĂŒber, so versĂŒndigt er sich direkt gegen Gott und die von ihm eingesetzte Ordnung. Vergeht er sich gegen Gottes Willen, mag er auf Erden damit durchkommen. Stirbt er aber, hat er ein Problem …

Im Idealfall entsteht so ein tragfĂ€higes GebĂ€ude, aus dem auch in schwierigen Zeiten niemand stĂŒrzt.

WICHTIG!
Heutzutage sind wir Reglementierungen, Gesetze und Vorschriften gewöhnt. Wenn wir geboren werden, trĂ€gt man sogar die Uhrzeit offiziell in die Archive ein. Von Tag zu Tag – auch Dank Internet und erhöhter Rechnerleistungen – werden wir durchsichtiger. Jeder unserer Schritte wird nachverfolgbar.
Und was nicht im Personenstandsregister und den Polizeiakten steht, posten wir for all the world to see.
Es gibt so gut wie keinen weißen Fleck mehr auf der menschlichen Landkarte des Lebens.
Gleichzeitig aber ziehen wir uns immer mehr in unsere eigenen vier WĂ€nde zurĂŒck. Pochen wuchtig auf unsere PrivatsphĂ€re- Einstellungen.
Mischt sich jemand (ungefragt) in unsere Belange ein, kriegt er Saures.

Was nun die frĂŒheren Jahrhunderte angeht, so sprechen wir von vollkommen anderen Lebenswelten.
Es gab bestenfalls noch Tratsch und der zog sich kaum mehrere Straßen weit. Seinen Wohnort verließ man nur ungern. Kam kaum ein paar wenige Kilometer im Umkreis herum. Dort aber kannte jeder jeden und keiner machte einem etwas vor. Der Ruf eines Menschen begrĂŒndete sich nicht zuletzt in seinen Vorfahren. („Ja … der MĂŒller- Karl … Die MĂŒllers waren schon immer Halunken …“ Es kommt nicht von UngefĂ€hr, dass bis heute in manchen Landstrichen der Nachnamen einer Person zuerst genannt wird.)
In den Wald ging man nicht zum VergnĂŒgen. Der war ein Ort der Gefahren, den man nur betrat, wenn man unbedingt musste. Weil man Holz oder Wild brauchte. (Darum wohnen Hexen im den Geschichten auch immer im Wald!)

Kurz – das Blickfeld blieb ein beengtes.

Ich darf an dieser Stelle nochmals daran erinnern, dass das fĂŒr die Menschen frĂŒherer Zeiten im Normfall nicht als bedrĂŒckend wahrgenommen wurde. Den gewohnten Kreis zu verlassen – aus reiner Abenteuerlust, wĂ€re wohl den wenigsten eingefallen. Es konnte einen die Existenz kosten.

Und wo bleiben Gott und die Hexen?
Ja stimmt!
Wir waren also bei der Verantwortung, die ein FĂŒrst vor Gott und dem ihm ĂŒbergeordneten FĂŒrsten fĂŒr seine Untertanen trug.
Idealerweise fußte jede gesellschaftliche Schichte auf den Leistungen der unter ihr befindlichen und ĂŒber allem war Gott. KĂŒmmerte ein FĂŒrst sich nun nicht um das Seelenheil der Menschen in seinem FĂŒrstentum, hatte er (nicht nur) vor Gott ein ErklĂ€rungsproblem.
Das ging so weit, dass er sein eigenes Seelenheil aufs Spiel setzte, wenn er die Seelen der Seinen nicht ausreichend schĂŒtzte. (Hölle, Satan, Fegefeuer. Man erinnert sich …)
Nochmals: FĂŒr die Menschen damals waren das REALITÄTEN!!!!
Ob wir das heute noch genauso sehen oder nicht, spielt fĂŒr unseren Erkenntnisgewinn keinerlei Rolle.

Ging nun eine Hexe einen Bund mit dem Satan ein, um ihre Macht auszuweiten, oder ĂŒberhaupt erstmal zu erlangen, so wurde sie zu einem schleichenden Gift fĂŒr die Gemeinschaft.
Man musste nĂ€mlich davon ausgehen, dass sie andere, schwache GemĂŒter, mit in den Abgrund lockte.
Was musste ein guter FĂŒrst also tun? Genau! Sich mutig zwischen den Satan und sein mögliches kĂŒnftiges Opfer werfen.
Der erste Schritt in diesem Kampf wiederum bestand darin, die Hexe dingfest zu machen.

Da man nun also sowohl Satan als auch dessen JĂŒnger, die Hexen, als Tatsache wahrnahm, musste es auch Wege geben, sie zu erkennen und aus dem Verkehr zu ziehen.

Denken wir nun mal kurz modern …
Wir haben einen gewaltsamen Todesfall. Das Opfer wurde vergiftet.

Wir untersuchen den Tatort, verifizieren das Umfeld des Opfers, sprechen mit den Leuten, die ihn kannten. Forensiker und Pathologen untersuchen die Leiche. Profiler erstellen ein TÀterprofil. Dann setzt man sich dem möglichen TÀter auf die Fersen.
So weit so bekannt aus Film, Funk und Fernsehen.
Nun machen wir einen Gedankensprung in die Zukunft: Sagen wir … ins Jahr 2090.
Da sitzen dann auch Leute vor einem Mordopfer. Sie haben die frĂŒheren Vorgehensweisen studiert und … sie schĂŒtteln die Köpfe.
„Kannst du dir vorstellen … Die haben damals gedacht, mit DNA könnten sie irgendwas nachweisen …“ „Ja, putzig, gell? Und haben so lange auf einen VerdĂ€chtigen eingeredet bis der was gestanden hat.“ Schallendes GelĂ€chter.

Nein?
Doch! Denn genauso wie wir heute ĂŒber die Methoden des 17. Jahrhunderts lachen, wird man in absehbarer Zeit ĂŒber unsere lachen. DNA ist unwiderlegbar? Sicher? Genauso sicher war man auch, wenn man die Leberflecke bei einer Hexe suchte, oder darauf hoffte, dass jemand, der mit dem Teufel im Bunde sei, kein Vaterunser sprechen könne.
In unseren Augen hilflose, sinnlose Versuche.
Und genauso wird man eines Tages unsere heute ach so zuverlÀssigen Methoden abqualifizieren.

ZurĂŒck in die Vergangenheit …
Der Mensch sucht stets nach dem VerlĂ€sslichen. Nach dem endgĂŒltigen Beweis fĂŒr was auch immer.
Man versuchte sogar, Gott wissenschaftlich zu beweisen.
Es war ein Schritt auf dem Weg in die Wissenschaftlichkeit. Auf der Suche nach dem festen Boden, auf dem wir sicher wĂŒrden stehen können.
Niemand wollte einer Hexe zum Opfer fallen und in der Hölle schmoren. Man wollte sich damals gegen das Böse ebenso wappnen wie wir Heutigen, wenn wir unsere TĂŒren abschließen und Pfefferspray in unsere Handtaschen werfen.
Machen wir uns nichts vor – sooooooo sehr haben wir uns seit damals gar nicht verĂ€ndert.
Zumindest nicht so sehr, dass unser moderner Hochmut gerechtfertigt wÀre.
Wenn etwas geschah, fĂŒr das wir keine ErklĂ€rung hatten, begannen wir, die ErklĂ€rung zu suchen.
Wir irrten dabei und es gab Opfer.

Aber das Wichtige war und ist, dass wir uns ĂŒberhaupt in Bewegung setzten (und setzen)!

Schauen wir uns im nĂ€chsten Teil deswegen mal König James, den VI von Schottland und I von England an. Ein Paradebeispiel fĂŒr einen Menschen seiner Zeit. Und zwar einen, der ganz vorne mit dabei war! Neugierig, gebildet, gottesfĂŒrchtig.
Ein Mann der Poesie und der BibelĂŒbersetzung („King James- Bible“ – die noch heute in jedem angloamerikanischen Hotelzimmer ausliegt …)
Und der Autor der Daemonologie!

Wellcome Collection gallery (2018-03-30): https://wellcomecollection.org/works/vz9mfer6 CC-BY-4.0








HEXEN – HEXEN – HEXEN I

Wo soll ich beginnen, wenn es um ein Thema geht, das beinahe so alt sein dĂŒrfte wie die Menschheit an sich … Das sich um den gesamten Globus erstreckt und noch heute Todesopfer fordert …

Die meisten Menschen denken, dass sich das Thema „Hexenverfolgung“, „Hexenprozesse“ lĂ€ngst erledigt habe und nur noch als Metapher ein sehr lebendiges Dasein fristet. TatsĂ€chlich aber finden noch heute speziell in Indien und Afrika Hexenjagden und -Prozesse mit tödlichem Aufgang statt.

Also alles weit weg?
Weit gefehlt!
Nach einer Untersuchung geben ein Viertel aller Befragten in Deutschland an, dass Magie funktioniert. Wenn man da vielleicht auch differenzieren muss, so können die Zahlen einen doch zumindest nachdenklich stimmen.

In diesem Block soll es allerdings um Hexen und Magie lange vergangener Zeiten gehen.
Mit „Afra – Die Geliebte des HexenjĂ€gers“ begeben wir uns ins Nord- England des frĂŒhen 17. Jahrhunderts.
In das England von William Shakespeare, König James VI (von Schottland) / I (von England). In das England eines Walter Raleigh.
KĂŒnstler wie Vermeer, Rubens, Rembrandt und Bernini gaben ihrer Zeit ein Gesicht.
In der Wissenschaft treffen wir Kepler, Tycho Brahe, Galileo und Descartes, die diese Welt in ihren Grundfesten erschĂŒttern werden, nach denen nichts mehr so sein wird, wie es war.

Und wir sehen das hier … Eine Hexenverbrennung!

Und schon kommen wir zum nÀchsten Vorurteil, das es aus dem Weg zu rÀumen gilt:
Nicht alle Hexen wurden verbrannt. Die meisten wurden erhĂ€ngt. Wer jetzt sagt: Hilft einer Verurteilten auch nicht weiter – der irrt!
Es macht einen großen Unterschied, ob du vergleichsweise schnell stirbst, indem man dich stranguliert oder dein Genick bricht (beide Möglichkeiten gibt es), oder ob man dich langsam verbrennt.
Eine winzige, winzige Idee davon hat jeder, der sich mal am Herd oder einer Kerze verbrannt hat.
Es ist eine verdammt beschissene Art zu sterben.
Deswegen gab es auch oft die Gnade, dass man stranguliert wurde, bevor das Feuer entzĂŒndet wurde. Oder – man konnte den Henker bestechen und der packte dann SĂ€ckchen mit Schießpulver in das Holz. So wurdest du praktisch in die Luft gejagt.

Ein weiteres Vorurteil besagt, dass nur Frauen als Hexen verfolgt und hingerichtet wurden. TatsÀchlich geht man bei vorsichtigen SchÀtzungen davon aus, dass rund 35% der Getöteten tatsÀchlich MÀnner waren.
Woher das MissverstĂ€ndnis kommt? Nun – vielerorts wurde sprachlich nicht zwischen Hexen und Hexern unterschieden. „Hexe“ bezeichnete sowohl eine Frau als auch einen Mann.

Eilen wir zum nĂ€chsten Vorurteil weiter und das betrifft die Kirche…
ZunĂ€chst finden wir in der Bibel die berĂŒchtigte Stelle, dass man keine Hexe am Leben lassen dĂŒrfe. Das gab natĂŒrlich der Kirche einen ganz direkten Auftrag, wenn sie sich um ihre GlĂ€ubigen sorgte.
Allerdings distanzierte man sich recht zĂŒgig zum Beispiel von Machwerken wie dem „Hexenhammer“, ja exkommunizierte sogar dessen Autor.

Das „Malleus Maleficarum“, zu Deutsch „Der Hexenhammer“, wurde zum ersten Mal 1486 in Speyer gedruckt. (Kurzinfo: https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer).
Dieses Buch sollte helfen, Hexen zu erkennen und zur Strecke zu bringen. Gegen das Werk stellte sich bald der Jesuit Spee mit seiner „Cautio Criminalis“.
Übrigens hatte die Kirche schon mit dem „Canon Episcopi“ fĂŒnfhundert Jahre zuvor festgeschrieben, dass der Glauben an Hexen, Besenritte, sowie heidnische Götter etc. Aberglauben sei.
Wobei der Hexenhammer trotz kirchlichen Widerstands auch weiterhin Anwendung fand. So z.B. bei den Hexenprozessen in Salem.

Wenn wir jetzt so schön im Fluss sind – Wollen wir direkt mal ein bisschen ins Eingemachte gehen?

LASST UNS VORURTEILE HÖREN!!! GEBT MIR MEHR VORURTEILE!!!!

=========== H E X E N B A U S A T Z =============

Ich baue mir eine Hexe … Was brauche ich?
Eine so genannte „weise Frau“. Cool wĂ€re eine Hebamme. (Die den Ärzten das GeschĂ€ft kaputtmachen). Sie kennt sich super in KrĂ€utern aus. Kein Ehemann. Keine Kinder. Höchstens vielleicht eine Tochter, an die sie ihr magisches Wissen weitergeben kann und mit der sie fernab des Dorfes in einer selbstgebastelten HĂŒtte wohnt. (Hier kommt auch der Hexenkessel ins Bild …)
Bitte, jetzt nach oben schauen, meine Herrschaften!
Jaaaaa – da hĂ€ngen die getrockneten KrĂ€uterbĂŒndel neben Tierknochen. Ah – und Amulette aus Ästchen zusammengeknebelt.
Die Szenerie ist ĂŒbrigens in den Rauch des offenen Feuers getaucht.
Wer die Frau aufsucht, tut es natĂŒrlich selten weil er mit ihr plaudern will, sondern vielmehr, weil er mit einer Krankheit zu kĂ€mpfen hat oder mit Herzeleid. Gelegentlich gilt es auch, jemanden loszuwerden.
Im Normalfall erwischt es unsere selbstgebastelte Hexe natĂŒrlich nicht ganz sooooo zu Unrecht, denn sie hat eben mit KrĂ€utern hantiert, mit denen man besser nicht hantieren sollte.

Oh, sie ist ĂŒbrigens entweder besonders oll und krĂ€tzig, oder jung und extreeeeem sexy. Beides ruft natĂŒrlich den Abscheu der anstĂ€ndigen Dorfbewohnerinnen hervor.
Wem verdanken wir eigentlich die Erkenntnis, dass Hexen hĂ€sslich sind? Dem berĂŒhmtesten Glatzkopf von Stratford-on-Avon! Er hat in Macbeth die Hexen auf immer als abstoßende Warzennasen festgeschrieben.

Nun kommt die zweite Gattung Hexe. (Das KrĂ€uterweiblein muss jetzt einen Moment Pause machen an ihrem Kessel …)
Diese sieht gut aus, kommt aus wohlhabendem Hause und steht irgendwem entweder im Weg, oder nicht zur VerfĂŒgung.

Bei dieser Gattung fÀllt einem wohl zuerst Katharina Henoth ein, die Postmeisterin von Köln. Sie wurde durch eine angeblich besessene Nonne der Hexerei bezichtigt, verhaftet, gefoltert und schlussendlich stranguliert. Zur damaligen Zeit eigentlich ein juristischer Skandal, denn Henoth hatte selbst unter der Folter abgestritten, eine Hexe zu sein. Was nach damaligem Recht bedeutet hÀtte, dass man sie gehen lassen muss.
In den folgenden Jahrhunderten wurde natĂŒrlich geforscht und gegrĂŒbelt, warum eine vermögende und angesehene GeschĂ€ftsfrau wie Henoth unter solch einen Verdacht geraten konnte. (Aaaah – Mist. Habe gerade im VorĂŒbergehen ein weiteres Vorurteil zertrampelt… JAAAA! Es gab GeschĂ€ftsfrauen! Nicht als blosses AnhĂ€ngsel ihrer handwerkenden und handeltreibenden Gatten, sondern selbstĂ€ndige Businesswomen!)

Es musste sich um wirtschaftliche GrĂŒnde handeln, wenn eine solche Frau in die MĂŒhlen der Justiz geriet.
Schnell war das Haus Thurn und Taxis in diesem Fall als Schuldige ausgemacht. Leider gibt es hierfĂŒr keinerlei Beweise. Vielmehr geht die Forschung inzwischen davon aus, dass der Prozess um Henoth in einem weiteren Kontext mit den religiösen Auseinandersetzungen der Zeit und den aufkommenden Hexenprozessen zu sehen ist.
Nicht wirklich griffig, diese These, und man kann kein Foto davon posten … Mist!

Damit wĂ€ren wir also beim Eingemachten …
Jetzt sagen wir mal alle fein „Adieu!“ zu den oben gelisteten Vorurteilen und schauen uns die Dinge mit Weitwinkel und Lupe an …


Fasten your seatbelts – It’s going to be a bumpy ride!!!!

Was hat es nun wirklich mit den Hexen auf sich?
ZunĂ€chst stellen wir einmal etwas fest: bis zu den Zeiten unserer UrgroßmĂŒtter, bzw. GroßmĂŒtter, hatten die meisten Frauen (und auch viele MĂ€nner) noch Ahnung von KrĂ€utern. Wie man sie als WĂŒrze einsetzte, als Heilmittel, und manchmal auch als Erbschaftspulver.
Bleiben wir aber im 17. Jahrhundert …
Von grĂ¶ĂŸeren Orten abgesehen, gehörte damals zu jedem Haus ein Garten. (Oftmals hatten die Menschen auch noch einen grĂ¶ĂŸeren Wirtschaftsgarten vor den Toren der Stadt.) Hier wurde alles gezogen, was die Familie zum Eigenerhalt (und wenn es mehr denn das war – auch zum Verkauf) brauchte.
Jede Frau, die etwas auf sich hielt, hatte Ahnung von HeilkrÀutern, denn einen Arzt konnte und wollte sich kaum jemand leisten.

KRAWUMMMMMMMMMM!!!!!!
Das war der Knall vom geplatzten Vorurteil mit den Ärzten, die den weisen Frauen den Gar ausmachen wollten …

Also – wir halten fest – Ahnung von diesem und jenem hatten alle. Mal mehr, mal weniger. Und nun kommen die Weisen Frauen ins Spiel. Sie hatten mehr Ahnung. Und zwar richtig viel mehr Ahnung. Und sie verdienten ihren Lebensunterhalt damit.
Wer also mit ein bisschen Salbei gegen das Halsweh oder Johanniskraut bei Monatsbeschwerden nicht mehr weiterkam, ging zu einer solchen Frau (oder Mann. HALLOOOOO?! Gleichberechtigung!!!) und deckte sich ein.

E-I-N-S-C-H-U-B ——-

Aus Forschung und Wissenschaft:
Das sind wir so gewohnt: wir messen, berechnen, vergleichen. Wir lernen schon in der Schule, dass es Versuche gibt. Dass man die Welt in Zahlen fassen kann und, dass Versuche wiederholbar zum gleichen Ergebnis fĂŒhren. Wir lernen, Prognosen anzustellen und Gattungen zu beschriften. Wenn wir weinen, wissen wir, welcher Teil des Gehirns dafĂŒr zustĂ€ndig ist. Wenn uns nicht entenwollende Trauer packt, kennen wir den Botenstoff, der nicht so richtig vorankommt.
Wir lernen von Kindesbeinen zu unterscheiden: Es gibt FAKT – Es gibt FIKTION!
Wem verdanken wir das? Den Philosophen und Forschern des 17. Jahrhunderts. Der AUFKLÄRUNG!
Sie haben die Nebel aus unseren Hirnen gepustet und festgestellt, dass man fest-stellen kann. Ja – MUSS!
Seitdem unterscheiden wir.
Denn uns wurde etwas gegeben, was keine Götter zuvor vermochten:

RATIO RATIO ratio Ratio RATIO

Die Menschen, unter denen die Hexen lebten, war diese Unterscheidung unbekannt.

FORTSETZUNG folgt …

HEXEN – HEXEN – HEXEN II

Naturwissenschaftler gegen den Rest der Welt – HEAR! HEAR!
Im spĂ€ten Mittelalter und in der frĂŒhen Neuzeit bewegte sich die Naturforschung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Empirie. Die Forscher standen vor der Frage, inwieweit sie das ĂŒberlieferte, tradierte Wissen ĂŒbernehmen sollten, und inwieweit eigene empirische Untersuchungen und darauf gegrĂŒndete Theorien aussichtsreich waren. Die Tradition wurde oft an den antiken AutoritĂ€ten Aristoteles oder PtolemĂ€us festgemacht, aber auch an Aussagen der Bibel. Mit der zunehmenden WertschĂ€tzung neuer, ĂŒberprĂŒfbarer empirischer Ergebnisse verband sich manchmal die Polemik, andersdenkenden Forschern ĂŒbertriebenes Festhalten an der Tradition (als Grund fĂŒr deren von der eigenen Position abweichende Meinungen) zu unterstellen.[21] Die von Johannes Gutenberg entwickelte Technik des maschinellen Buchdrucks spielte ab der zweiten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts eine SchlĂŒsselrolle fĂŒr die Verbreitung neuer Erkenntnisse und die kritische Auseinandersetzung mit ihnen. (Quelle: wikipedia)


Damit wÀre die Crux des Hexenwesens und der Abgrund definiert, der sich spÀtestens ab dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa und spÀter auch in den USA auftat, und der bis zum heutigen Tage nicht geschlossen wurde. Aberglaube gegen AufklÀrung.

Ah- ha! Und wer definiert nun, was Aberglauben ist?
Das ist der ureigenste Job der Kirche. Wie bereits erwÀhnt, hatte die katholische Kirche bereits hunderte Jahre zuvor festgelegt, dass der Hexenglaube ein Aberglaube und damit nicht akzeptabel sei.
Eine ziemlich fortschrittliche Ansicht.
Der Glaube an Hexen und Zauberei gehörte also erklÀrterweise in den Bereich des Heidentums.

Okay … Und wieso hat die Kirche sich dann an den Hexenprozessen/ Hexenjagden beteiligt?
Sehr gute Frage! Setzen! Eins!
Wie kann man etwas jagen, von dem man selbst sagt, dass es gar nicht existiert???
Und das ist genau der Punkt, den ich auch viele Jahre lang nicht verstanden habe, bis ich die folgende ErklÀrung fand:

Hexen existieren nicht, wohl aber Leute, die an sie glauben, sowie Leute, die sich selbst fĂŒr Hexen halten. (MĂ€nner wie Frauen!). Sie mischen Rituale, Magie und KrĂ€uterkunde und bieten dies teilweise als Dienstleistung an.
So weit so unproblematisch. Auch fĂŒr die Kirche. Das mit der Magie war nicht cool, aber man hat es hingenommen. In der Messe hat man die GlĂ€ubigen ermahnt, in der Beichte getadelt, aber dabei blieb es dann. Denn die katholische Kirche ist viel und vor allem PRAGMATISCH.

Und dann war plötzlich Schluss mit lustig. Leute wurden verhaftet, angeklagt, weltlichen Gerichten ĂŒberstellt und abgeurteilt.
WHY?
Weil der Teufel im Detail steckt. (Betonung auf „Teufel“)
Noch einmal – fĂŒr ein klareres Bild – sei Folgendes gesagt:
KrÀutermedizin& Co. waren kein Problem. Auch Magie wurde straflos angewendet, um bei Leiden im weitesten Sinne zu helfen. (Magische Rituale enthielten nicht selten Bibelzitate und Gebete)
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.
Viele Hexen begannen nĂ€mlich, ein One- Stop- Shop zu werden. Das heißt, es wurden nicht nur TrĂ€nke und Mysterien zur Heilung verkauft, sondern den Kunden auch der eine oder andere vom Hals geschafft.

Rufen wir uns also nochmals das Bild vor Augen, das die Menschen von Hexen hatten:
Eine Hexe ist eine Person, die sich mit Magie und Substanzen auskennt, ĂŒber die die normalen MitbĂŒrger praktisch nichts wissen.
Sie (oder er) kann Gutes damit tun, aber auch schaden.
Geschieht nun im Dorf etwas, fĂŒr das die Leute keine ErklĂ€rung finden, liegt es auf der Hand, dass sie dahin schauen, wo die Person sitzt, die ĂŒber ErklĂ€rungen verfĂŒgt – zur Hexe!

Jetzt wĂ€re also der Beelzebub mit im Boot und ab da wird alles schwierig, denn wenn der Verdacht geĂ€ußert ist, die Hexen könnten sich mit dem Teufel eingelassen haben, kann weder Kirche noch Obrigkeit dabeistehen und mit den Schultern zucken, denn jetzt geht es um die unsterbliche Seele.
Hier ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass der Teufel fĂŒr die Kirche bis heute eine RealitĂ€t ist. Das böse Gegenprinzip zu Gott.

Jetzt kommt schon wieder ein MERKE WICHTIG!
Wenn man die Menschen damals verstehen will, kommt man um das Thema Kirche und Religion nicht herum.
Im Deutschland des Jahres 2022 haben wir uns an den Atheismus gewöhnt. Wir holen aus dem Hier und Jetzt heraus, was wir kriegen können und scheren uns nur am Rande um das Danach …
Hölle und Fegefeuer sind keine GrĂ¶ĂŸen mehr in unserem Denken, und die Kirche betreten die meisten nur noch aus kunstgeschichtlichen GrĂŒnden, oder weil niemand eine Hochzeit so toll bringt wie die katholische Kirche. (Alleine die Orgelmusik und der Gang zum Altar … seufz …)

Es gab aber auch andere Zeiten – und um die kĂŒmmern WIR uns.
Inzwischen sollte auch der Letzte die Zeitreise gemacht haben und zum besseren VerstĂ€ndnis sein modernes Bewusstsein abschalten. (Ist auch eine Überlebensfrage … Sage im frĂŒhen 17. Jahrhundert in einem Dorf „Gott ist tot“ und schon wirst du entweder totgeschlagen, oder in ein Loch geworfen. Also behalte diese Weisheit besser fĂŒr dich …)
Wir steigen in einer Zeit aus, die Atheismus nicht mal denken kann.
Kirchenkritik ist natĂŒrlich möglich (siehe dazu auch Martin Luther), kann aber gefĂ€hrlich werden.

Also:
1. „Gott ist tot“ ist tot
2. Es gibt eine Hölle (Schon mal Finger verbrannt? – HÖLLE ist SCHLIMMER. Und hört blöderweise auch nicht mehr auf)
3. Hexen können hexen
4. Deine Kuh ist krank geworden und du hast nichts falsch gemacht? Denk mal nach!
5. Es gibt eine Obrigkeit im Himmel und auf Erden und wenn du gegen die vorgehen willst, z.B. mit juristischen Mitteln – viel Spaß dabei!!! (Wir sehen uns bei Punkt 2 wieder …)

Was ich hier jetzt so launig beschreibe, ist REALITÄT fĂŒr die Menschen der damaligen Zeit. Sie leben in einem Obrigkeitssystem, in der absolut JEDER jemanden hat, der ĂŒber ihm steht, und ihm das Leben wirklich schwer machen kann. Es handelt sich um ein engmaschiges Netz aus Verbindungen und Verbindlichkeiten.
Wenn man auch kein Leibeigener ist, so hat man sich doch an unabÀnderbare Regeln zu halten.
Das wiederum hat aber auch einen Vorteil: Dieses Netz trÀgt.
Die Kirche bildet z.B. ein Sozialsystem, das all jenen hilft, die in Not geraten sind. Ist man z.B. auf dem Weg von A nach B, bekommt man in jedem Kloster Unterkunft und Verpflegung.
(Exkurs: als sich Heinrich VIII von England von der katholischen Kirche gelöst hat, die KirchengĂŒter eingezogen und die Klöster aufgelöst, hat er auch gleichzeitig seinen Untertanen den sozialen RĂŒckhalt genommen, denn er hat leider vergessen (…), das Vermögen zumindest teilweise zu teilen … Daher kam es zu AufstĂ€nden („Pilgrimage of Grace“). Es gab keine Hilfe in Not mehr und die Seele war auch noch der Verdammnis ĂŒberantwortet. Ein hoher Preis, nur um eine Frau ins Bett zu kriegen und eine andere loszuwerden …)

Weiterhin ist wichtig zu bedenken, dass noch immer galt, dass das was dem Landesherrn widerfuhr auch die Bevölkerung traf. Wurde also der FĂŒrst exkommuniziert, wurden alle Kirchen geschlossen. Es gab keine Taufen, Hochzeiten oder Beisetzungen mit dem Segen Gottes mehr.
Was das fĂŒr die Menschen bedeutete, kann man sich mit unserem heutigen Denken sicherlich kaum noch vorstellen.

Bell, book and candle …
Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen!
Kirchenbann oder Exkommunikation wurden durchgefĂŒhrt, indem eine Glocke gelĂ€utet wurde (soll an die Totenglocke erinnern), die Bibel zugeschlagen und eine Kerze gelöscht wird.
Sodann wird vom betreffenden Bischof ein Brief an die den Ausgestoßenen umgebenden Diözesen geschrieben, damit der Ausgestoßene sich nicht unerlaubt Zutritt zu den dortigen Riten verschaffen kann.

Wir haben nun also schon ein wenig von jenem engmaschigen Netz kennengelernt, das die Menschen zusammen, – und manchmal auch festgehalten hat.
Dieses Netz war es, was einem im Zweifelsfall das Überleben sicherte, indem man in einer Gemeinschaft eben alles teilte.

Das Schlimmste in solch einer Gemeinschaft war – folgerichtig – ausgestoßen zu werden.
Vogelfrei zu sein war im Normalfall ein Todesurteil.
Nicht nur, dass dich jeder der wollte, ungestraft töten durfte – im Zweifelsfall hat dir keiner auch nur mit einem Brocken Brot geholfen.

Ja – vieles damals bedeutete Leben oder Tod.

Umso schwerer wog nun – um zu unserem Thema zurĂŒckzukehren – wenn sich jemand außerhalb dieser Gesellschaft stellte, sie in Frage stellte.
Oder ihr sogar Schaden zufĂŒgte.

ERINNERUNG!!!!
Wir befinden uns in einer Zeit, unter Menschen, denen Wissenschaft ein Fremdwort ist. In ihrem Horizont finden sich aber stattdessen – Erfahrungswerte!
Denkt dran: Die Menschen zu dieser Zeit unterscheiden nicht zwischen Wissen und Glauben.

Glauben IST Wissen

Und nun komme ich zu einem Punkt, der vielleicht fĂŒr den einen oder anderen schwer zu verdauen ist …
Viele Hexen hielten sich selbst fĂŒr Hexen.

PROUD TO BE A WITCH!

Eine Hexe war – unter UmstĂ€nden sogar zurecht – stolz auf ihre FĂ€higkeiten, die sie besonders machten.
Zudem konnte sie anderen helfen und damit Geld verdienen.
Also – warum nicht!?
Und nun wird es unschön ———————————–
Es gab nĂ€mlich einige Hexen, die die Macht, die sie ĂŒber die Gemeinschaft auszuĂŒben vermochten, sehr genossen. Ja, man sah in der Hexe nicht nur einen netten Menschen, der einem half, sondern jemanden komplett ambivalenten. Die Hexe konnte einem helfen, im Zweifelsfall aber auch schrecklichen Schaden zufĂŒgen.
Ja, mehr noch: einige Hexen nutzten die Furcht vor ihren FĂ€higkeiten, um sich ĂŒber Wasser zu halten. Es sind speziell aus England FĂ€lle bekannt, wo Hexen ihre Dörfer derart in Atem hielten, dass Weiler sich auflösten und förmlich vor der Hexe flĂŒchteten.
Wenn man die Gefahren in Betracht zieht, die den Menschen in so einem Fall drohten, bis hin zum Verlust der Existenz, so kann man verstehen, dass sich die Obrigkeit des Öfteren zum Einschreiten gezwungen sah.

Was lernt uns das? Es lernt uns, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die glauben. Sie glauben an die FĂ€higkeiten der Hexen und unterwerfen sich ihr.
Wenn alles gut lÀuft, gibt es keine Probleme.
Aber in dieser Welt lief es selten gut. Und die Probleme kamen schneller, und brutaler, als wir es uns vorstellen können.

Ich will ein Beispiel nehmen …
Die Hexen von Pendle…

Am 21. MĂ€rz 1612 ist Alizon Device unterwegs zum Trawten Forest, wo sie auf den Hausierer John Law trifft.
Nachdem dieser sich geweigert hat, dem MÀdchen Stecknadeln zu verkaufen (er ist sich sicher, dass sie diese nicht bezahlen könnte), verflucht sie ihn.
Kurz darauf bricht Law zusammen. Wahrscheinlich mit einem leichten Schlaganfall, den er ĂŒberlebt. (Diese historisch belegte Szene bildet ĂŒbrigens den Auftakt zu meinem Roman „Afra – Die Geliebte des HexenjĂ€gers“)
Ein paar Tage spÀter besucht Alizon Law und gesteht ihm, ihn verflucht zu haben und bittet ihn um Vergebung. Ende MÀrz nun werden Alizon und ihre Mutter Elizabeth wegen Hexerei verhaftet und verhört.
Unter der Folter gesteht Alizon, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein.
Es kommt zu mehreren Verhaftungen und Vernehmungen. Nicht alle gestehen.
Nachdem James Device ein Schaf gestohlen hatte, um GĂ€ste seiner Frau zu versorgen, kam der Stein endgĂŒltig ins Rollen.
Es gibt weitere Anklagen.
Schlussendlich kommt es zu einem großen Aufwasch. Man hat den Eindruck, dass alle ungeklĂ€rten TodesfĂ€lle der vergangenen Jahre untersucht und den diversen Hexen zugeschrieben wurden. Alt oder jung, Mann oder Frau – es traf jeden.
Tragischer Höhepunkt der Geschehnisse war die Zeugenaussage der neunjÀhrigen Jennet Device.
Und nun wurden die normalen Regeln der Rechtsfindung außer Kraft gesetzt.
König James VI/ I persönlich hatte nÀmlich festgelegt, dass bei der Wahrheitsfindung in Hexenprozessen auch Kinder aussagen können. Das war normalerweise nicht möglich.

Und so stellte man die kleine Jennet bei ihrer Aussage gegen die eigene Mutter, den Bruder und die Schwester, auf einen Tisch, damit sie gut sichtbar war.
Bis heute wird gerĂ€tselt, wieso das kleine MĂ€dchen so frei von der Leber aussagte. Selbst von ihrer wutentbrannt schreienden, sie verfluchenden Mutter ließ sie sich nicht irritieren.
Sie erklÀrte, dass ihre Mutter seit 3 oder 4 Jahren eine Hexe sei und einen Schutzgeist in Form eines braunen Hundes namens Ball habe.
Jennet bezeugte, dass sie mehrere Unterhaltungen zwischen ihrer Mutter und dem Hund belauscht habe, in denen es um die spÀter begangenen Morde ging.
Auch ihr Bruder James sagte in diesem Sinne aus. Er wusste allerdings noch zu berichten, dass die Mutter Tonfiguren ihrer Opfer angefertigt habe.
Da James sich selbst betreffend ebenfalls bereits GestĂ€ndnisse gemacht hatte und Jennet ausgesagt hatte, ihr Bruder habe ebenfalls mit dem Hund ĂŒber die Morde gesprochen, wurde er – genau wie der Großteil seiner Familie – zum Tode verurteilt.

Und so wurden im August 1612 zehn Menschen gehÀngt. Unter anderem Jennets Bruder James und die Mutter Elizabeth.

Insgesamt – so schĂ€tzt man heute – kamen bei den englischen Hexenjagden ca. 500 Menschen ums Leben.

Man fragt sich nun, was wohl aus der kleinen Jennet geworden sein mag …
TatsÀchlich verliert sich ihre Spur in den Nebeln der Zeit.
Vielleicht aber auch nicht so ganz, denn es fand sich inzwischen eine Urkunde vom 24. MĂ€rz 1634, in dem der Name Jennet Device auf einer Liste mit 20 Namen auftaucht, die in Lancaster als Hexen angeklagt worden waren. Es ging hierbei um den Mord an Isabel Nutter.
Hauptzeuge in diesem Prozess war ein ZehnjÀhriger namens Edmund Robinson.
Doch diesmal ging alles nicht so glatt. Die Zeugenaussage wurde nicht akzeptiert und man brachte den Jungen vor König James, wo er seine Aussage wiederholen sollte.
Jetzt gab er zu, sich alles ausgedacht zu haben.
Gut fĂŒr die Angeklagten, wird man nun denken. Doch – weit gefehlt!
Keiner der Angeklagten wurde freigelassen. Am 22. August 1636 wurde Jennet noch als inhaftiert gelistet.
Die Inhaftierten starben im GefÀngnis.
Welch bittere Ironie.

Ach ja – wieso hat man die nun als unschuldig erkannten Leute nicht entlassen?
Das hing ebenfalls mit dem Justizsystem zusammen.
Ob schuldig oder nicht – jeder Inhaftierte musste selbst fĂŒr seinen Unterhalt im GefĂ€ngnis bezahlen. Konnte man dies nicht, konnte man auch das GefĂ€ngnis nicht verlassen.
So war es wohl schlussendlich Jennet zum VerhĂ€ngnis geworden, dass dank ihrer Aussagen Jahre zuvor ihre Familie praktisch ausgerottet worden war. Nun gab es niemanden mehr, der sie hĂ€tte auslösen können …

Fortsetzung folgt …


ErzÀhlperspektiven

Bevor man auch nur das erste Wort eines Romans schreibt, muss man sich ĂŒber die ErzĂ€hlperspektive klar werden.

Habt Ihr euch da vergriffen, kann es passieren, dass mitten im Text die Story in sich zusammenklappt und es nicht mehr weitergeht. (Was allerdings nicht zwingend sein muss, wie Ihr am Ende dieses Beitrags sehen werdet
)

Deswegen schauen wir uns zunÀchst die möglichen Perspektiven an:

Auktorialer ErzÀhler

Oooooh jaaaaa
 An den erinnern wir uns noch aus der Schule. Fiese Sache. Alleine bei dem Begriff bÀumt sich der innere Fluchtreflex auf


·      Der AE gehört nicht als handelnde Figur zur Geschichte

·      Er steht ĂŒber dem Geschehen

·      WĂ€re er ein Spotscheinwerfer ĂŒber eurer Story, könnte er mit seinem Licht jederzeit ĂŒberall hin wechseln, und beleuchten was er mag.

·      Er ist sozusagen der Liebe Gott unter den ErzĂ€hlern.

·      Er kann in den Kopf jeder Figur schlĂŒpfen

·      Er kennt Vergangenheit und Zukunft

·      Was er sagt, ist fĂŒr die LeserInnen wahr, glaubhaft und nachvollziehbar

·      Er kann aber auch so tun, als wisse er nicht mehr als die LeserInnen

·      Es kommt zu einer gewissen Distanz zwischen der Geschichte und den LeserInnen

·      Der AE kommt meistens in den klassischen Romanen vor

Beispiel:

„Der Mai war schön, der Juni noch schöner, und Effi, nachdem ein erstes schmerzliches GefĂŒhl, das Rollos Eintreffen in ihr geweckt hatte, glĂŒcklich ĂŒberwunden war, war voller Freude, das treue Tier wieder um sich zu haben. Roswithe wurde belobt, und der alte Briest erging sich, seiner Frau gegenĂŒber, in Worten der Anerkennung fĂŒr Instetten, der ein Kavalier sei, nicht kleinlich, und immer das Herz auf dem rechten Fleck gehabt habe. ”Schade, dass die dumme Geschichte dazwischenfahren musste. Eigentlich war es doch ein Musterpaar.”“ Theodor Fontane: „Effi Briest“

Personaler ErzÀhler

Der PE taucht eigentlich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. (Von einigen Ausnahmen unter den Klassikern abgesehen)

·      Es wird in der dritten Person erzĂ€hlt (Er/ Sie)

·      Ein wirklicher ErzĂ€hler ist den LeserInnen nicht bewusst

·      Die AutorInnen entscheiden sich zu Beginn, aus wessen Blick sie erzĂ€hlen wollen

·      Vorsicht! Dieser Blickwinkel darf nicht wild gewechselt werden! Zumindest innerhalb eines Kapitels/ grĂ¶ĂŸeren Sinnabschnitts sollte man bei einer Perspektive bleiben; So kann aber durchaus ein Kapitel aus dem Blickwinkel einer Person erzĂ€hlt werden, und im nĂ€chsten Kapitel dann aus der Sicht einer anderen Figur

·      Durch diese sehr persönliche Perspektive gelingt den LeserInnen keine neutrale Haltung mehr; Sie mĂŒssen die Perspektive des ErzĂ€hlers einnehmen und entsprechend Position beziehen

·      Das Geschehen wird wesentlich intensiver von den LeserInnen empfunden

·      Es ist hier so, als wĂŒrde man mit seinem Spotscheinwerfer auf einer bestimmten Figur bleiben und nur sie begleiten

Beispiel:

„ZunĂ€chst wollte er ruhig und ungestört aufstehen, sich anziehen und vor allem frĂŒhstĂŒcken, und dann erst das Weitere ĂŒberlegen, denn, das merkte er wohl, im Bett wĂŒrde er mit dem Nachdenken zu keinem vernĂŒnftigen Ende kommen. Er erinnerte sich, schon öfters im Bett irgendeinen vielleicht durch ungeschicktes Liegen erzeugten, leichten Schmerz empfunden zu haben, der sich dann beim Aufstehen als reine Einbildung herausstellte, und er war gespannt, wie sich seine heutigen Vorstellungen allmĂ€hlich auflösen wĂŒrden.“

Franz Kafka: Die Verwandlung. 1915

Ich- ErzÀhler

·      ErzĂ€hler und handelnde Figur sind identisch

·      Das erzĂ€hlende Ich ist aber oftmals erfahrener als das handelnde/ erzĂ€hlte Ich

·      Das erzĂ€hlende Ich kann so z.B. seine eigenen Handlungen werten und in einen Kontext stellen

·      Es ergibt sich allerdings eine EinschrĂ€nkung an dem, was dargestellt und kommentiert werden kann, da ja eben nur aus der Sicht einer Figur erzĂ€hlt wird

Beispiel:

„Vergangene Nacht trĂ€umte ich, ich wĂ€re wieder in Manderley. Mir war, als stĂŒnde ich vor dem eisernen Tor, das zur Auffahrt fĂŒhrte, und eine Weile konnte ich nicht eintreten, denn der Weg war versperrt. Am Tor hing eine Kette mit einem VorhĂ€ngeschloss. Im Traum rief ich nach dem Pförtner, erhielt aber keine Antwort, und als ich durch das die rostigen GitterstĂ€be spĂ€hte, sah ich, dass das Pförtnerhaus unbewohnt war. (
) Ich habe nichts mehr gemein mit der jungen Frau, die damals zum ersten Mal voller Hoffnung und Eifer nach Manderley fuhr
“ Daphne du Maurier: Rebecca

FĂŒr welche Perspektive sollte man sich als AutorIn entscheiden?

Keine Ahnung.

Es kommt auf Deine Story an. Auf die Geschichte, die du erzÀhlen willst. Willst du Identifikation zulassen? Erzwingen? Verhindern?

Sollen die LeserInnen in ein bestimmtes Paar Schuhe schlĂŒpfen dĂŒrfen, vielleicht sogar die Schuhe das eine oder andere Mal wechseln?

Bleiben wir bei Rebecca


Sie heiratet ĂŒberraschend den wesentlich Ă€lteren, verwitweten Maxim de Winter, der sie nach Manderley, sein Landhaus am Meer, mitnimmt.

Dort trifft sie mit der ebenso geheimnisvollen wie – offensichtlich – besessenen HaushĂ€lterin Mrs. Danvers zusammen, die noch immer in abgöttischer Zuneigung an der tödlich verunglĂŒckten ersten Mrs. De Winter hĂ€ngt.

NatĂŒrlich hĂ€tte Du Maurier die Geschichte der jungen Protagonistin in auktorialer ErzĂ€hlweise berichten können.

Dann wĂ€re die Spannung sicherlich erhalten geblieben. Alle GefĂŒhle hĂ€tten in der gleichen Bandbreite geschildert werden können.

Zudem hÀtte sie die Geschehnisse aus der Sicht von Maxim oder Mrs. Danvers schildern können, was dem Ganzen unter UmstÀnden sogar noch mehr Tiefe gegeben hÀtte.

Warum also hat sie sich fĂŒr die Ich- Perspektive entschieden?

NatĂŒrlich bin ich nicht Daphne Du Maurier, aber ich kann mir denken, wieso sie es getan hat.

Die Geschichte wird deswegen so geheimnisvoll, weil wir LeserInnen in die gleiche, hilflose Situation geworfen werden wie die Heldin.

Je auswegloser ihre Situation wird, desto auswegloser wird sie auch fĂŒr uns.

Hier wird eine nicht zu toppende NĂ€he zur Heldin geschaffen.

Wobei wir natĂŒrlich bereits zu Beginn des Romans erfahren, dass sie alles ĂŒberstanden hat und auch die Ehe mit Maxim nicht gescheitert ist.

Das heißt: Du Maurier zwingt uns zur Konzentration auf die Handlung an sich, wenn sie sich dadurch natĂŒrlich auch einen Gutteil der möglich gewesenen Spannung nimmt.

Was ist nun das Fazit?

Ihr mĂŒsst die Entscheidung selbst treffen.

Wollt Ihr Eure Geschichte wie eine Art schreibender Gott erzĂ€hlen, oder – auf dem anderen Ende des Spektrums – unausweichlich und direkt als Ich- ErzĂ€hlerIn?

Übrigens muss das nicht zwingend eine Sackgasse sein.

Ich denke hier an den Film „Legend“ ĂŒber die Kray- BrĂŒder, gespielt von Tom Hardy. Deren Geschichte wird aus dem Off von Reggies Frau Frances (Emily Browning) erzĂ€hlt und kommentiert.

Der Knackpunkt kommt, als Frances sich das Leben nimmt.

Und
 weiter kommentiert, eben auch ihren eigenen Tod, sowie den Untergang ihres Witwers und dessen Zwillingsbruders.

Ihr seht – Ihr habt alle Möglichkeiten auch mit den Techniken zu spielen. Wichtig ist nur – Jonglieren muss gekonnt sein, wenn es gut aussehen soll, und man nicht am Ende hinter seinen BĂ€llen herrennen will


Hey Buch – ErklĂ€r‘ mir das!

Was macht einen guten historischen Roman aus?

Das ist eine Frage, die ich mir oft gestellt habe und erst beantworten konnte, nachdem ich ein paar Titel von Philippa Gregory und Hilary Mantel gelesen hatte.

ZunĂ€chst darf es keine historischen Schnitzer geben. Also wenn Anne Boleyn gehĂ€ngt wird, solltest du das Buch getrost wegwerfen. Außer es ist eine Story Ă  la „Abraham Lincoln – VampirjĂ€ger“ (Seth Grahame- Smith), dann passt es schon wieder.

Aber um diese Titel kĂŒmmern wir uns heute nicht, sondern um ernsthaft historische Romane.

Denkvoraussetzung:

  1. Es handelt sich um einen Roman
  2. Niemand hat die Kerze gehalten
  3. Die Geschehnisse liegen mehr oder minder lange zurĂŒck
  4. Es handelt sich um einen Roman

Warum taucht 1. zweimal auf? – Damit du es nicht vergisst!

Ein historischer Roman leitet gerne in die Irre, denn er gibt vor, etwas zu sein, was er nicht ist, nÀmlich eine Ansammlung von Tatsachen.

Im Vergleich zum komplett erfundenen Roman fĂŒhrt uns der historische Roman ab Seite 1 in die Irre, denn wir kennen zumindest einen Teil der handelnden Figuren als (einst) real existierende Menschen.

Wir haben ĂŒber sie gelesen, Dokumentationen gesehen usw.

Wir wissen, dass sie wirklich gelebt haben.

Und damit beginnt die Schwierigkeit, abzugrenzen was wahr ist und was erfunden.

Zumal gute Autoren es durchaus schaffen, in ihrem Schreiben RealitÀt vorzutÀuschen.

Nicht nur, weil die Figuren an sich glaubwĂŒrdig sind, sondern weil eine Autorin wie zum Beispiel Hilary Mantel auch noch im PrĂ€sens schreibt und ganz aus der Sicht ihres Helden. Da gibt es dann nur noch ein Paar Schuhe, in das die LeserInnen steigen können – in dem Fall das von Thomas Cromwell. („Tudor“- Trilogie)

Wer solch subjektive Äußerungen liest, kann eigentlich schon fast nicht mehr anders, als davon ausgehen: „So war es wirklich.“

Das dĂŒrfte u.a. den ungeheuren Erfolg von Mantel ausmachen. Von ihrem profunden historischen Wissen mal abgesehen


Eine Ă€hnliche Technik findet sich ĂŒbrigens schon in der mittelalterlichen Literatur selbst, wenn der Dichter den Wahrheitsgehalt seiner Aventiuren damit unterstreicht, dass er diese von einem „Augenzeugen“ hat, oder sie einem alten Manuskript entnommen hat, das natĂŒrlich von einer absolut unantastbaren Quelle stammt.

Umberto Eco verbeugt sich ĂŒbrigens zu Beginn des Romans „Im Namen der Rose“ vor seinen VorgĂ€ngern, indem er ebenfalls einen solchen „Beleg“ vorausschickt. (Der ErzĂ€hler der Rahmenhandlung berichtet, auf welchen Wegen ihm die Handschrift zukam, welche die Lebenserinnerungen des Mönchs Adson von Melk beinhaltet, die er nun dem Publikum zugĂ€nglich macht, und die den Hauptteil von Ecos Roman ausmacht.)

Nun haben wir gesehen, welche Kunstgriffe AutorInnen seit jeher anwenden, um die GlaubwĂŒrdigkeit ihrer Texte zu belegen.

(Wobei die meisten modernen AutorInnen sich damit begnĂŒgen, in ihrem Vorwort auf ihr Quellenstudium zu verweisen.)

Komm wieder auf den Punkt, meine Liebe!

Was macht aber nun wirklich einen guten historischen Roman aus?

Eine tolle Story natĂŒrlich!

Die Figuren mĂŒssen zudem nachvollziehbar sein. Oder wir mĂŒssen uns dies wenigstens einbilden dĂŒrfen.

Oder was denkt Ihr, wieso so wenige Romane bei den Neandertalern spielen?

Exakt.

Doch auch hier mĂŒssen wir uns ins GedĂ€chtnis rufen, dass es sich dabei um eine Vorspiegelung falscher Tatsachen handelt.

AutorInnen, zumal die guten, schaffen es, menschliches Handeln nachvollziehbar zu machen, ohne dabei unsere moderne Brille zu tragen.

Wenn wir ĂŒber die Verfolgung von (wahlweise) Katholiken, Protestanten und Abweichlern im Tudor- England lesen, empören wir uns gerne ob der herrschenden Intoleranz.

Sparen dabei aber aus, dass ein Herrscher in der Vergangenheit sich wahrhaftig als Vater seines/ Mutter ihres Volkes empfunden hat.

Und wenn jemand drohte, sein Seelenheil aufs Spiel zu setzen, weil er mit einer anderen Religion liebĂ€ugelte, war der Landesvater/ die Landesmutter praktisch gezwungen, durchzugreifen. Zum einen, um diese Person zu retten, und zum andern, um jene zu schĂŒtzen, die ebenfalls „vergiftet“ werden könnten.

Denn es stand nicht weniger auf dem Spiel als die ewige Verdamnis. Und auch der Herrscher/ die Herrscherin konnte sicher sein, dass er/ sie bei Nicht- Durchgreifen selbst in ErklÀrungsnot vor Gott kÀme.

Ein guter Autor/ eine gute Autorin stellen mir diesen Umstand vor Augen.

Und dies fĂŒhrt mich nun zu jenem Punkt, der fĂŒr mich persönlich bei einem historischen Roman am wichtigsten ist:

Er muss mir Dinge glaubhaft machen, erklÀren, die ich vorher nicht verstanden habe.

Hier mein Beispiel:

Als Anne Boleyn hingerichtet wurde, ließ König Henry VIII extra einen Scharfrichter aus Frankreich kommen, um ihr einen schmerzlosen Tod mit dem Schwert zu verschaffen.

Nach der Exekution aber wurde ihr Körper – in Ermangelung eines Sarges – von ihren Damen in einen Kasten gelegt, der eigentlich zur Aufbewahrung von Pfeilen gedient hatte.

Es gab keinen Sarg!

Ich habe diesen Punkt nie verstanden.

Warum schafft man es, einen Scharfrichter den weiten Weg aus Frankreich kommen zu lassen, der noch dazu sehr kostspielig ist, und hat dann noch nicht mal einen Sarg? Ignoranz? HerabwĂŒrdigung der Toten?

Ich wusste es nicht.

Bis Hilary Mantel es mir erklĂ€rt hat. (Oder besser gesagt – Thomas Cromwell es mir erzĂ€hlte
)

Man hatte es schlicht und einfach vergessen. Schlechte Vorbereitung. Und dazu die Überlegung, dass die Hinrichtungen gar nicht wirklich stattfinden werde.

War es wirklich? Ich weiß es nicht. Hilary Mantel weiß es nicht. Aber – Es ist eine verdammt gute ErklĂ€rung fĂŒr einen historischen Fakt.

Ich selbst habe diesen Ansatz bei meinem Jack the Ripper- Roman „Jack the Ripper – Symphonie des Grauens“ (unter dem Pseudonym Elizabeth Bellamy) verwendet.

Am 30. September 1888 wurde zunĂ€chst Elizabeth Stride ermordet. Dies scheinbar in großer Eile, denn es gab so gut wie keine VerstĂŒmmelungen.

Eine knappe dreiviertel Stunde spĂ€ter entdeckte man dann die Leiche von Catherine Eddowes. Bei ihr wurden nun diverse VerstĂŒmmelungen festgestellt.

Dieser Doppel- Mord gibt seit ĂŒber 130 Jahren RĂ€tsel auf.

Ich kenne die ErklÀrung nicht, aber in meinem Roman liefere ich folgende mögliche Lösung: Stride wurde vom Ripper aus dem Weg gerÀumt, weil sie herumposaunt hatte, dass sie wisse, wer der Ripper sei. Wirklich in sein Schema passte aber das zweite Opfer jener Nacht. Catherine Eddowes wollte er aus Lust töten.

Da er durch den ersten Mord nicht die ausreichende Befriedigung erfahren hatte, musste Eddowes auch noch sterben.

Eine – wie ich meine – gute ErklĂ€rung.

Wir sehen also historische Ereignisse Dank des Romans in einem neuen Licht. Wir beginnen Dinge zu verstehen, die uns zuvor so zumindest nicht bewusst waren.

Wirklich gute historische Romane transportieren uns in eine (weit) zurĂŒckliegende Vergangenheit und schaffen es dennoch, dass wir beim Lesen das GefĂŒhl haben, diese Welt wahrhaftig zu erfahren.

Und um wie vieles lieber kehren wir dann in unsere Gegenwart zurĂŒck


Sollten wir diese Gegenwart nun allerdings nicht so sehr genießen, wie angemessen wĂ€re, können wir jeder Zeit wieder unsere Zeitmaschine besteigen


Englische Aussprache – wie einfach ist das denn! Oder doch nicht?

Wer sich mit englischer Geschichte auskennt, weiß, dass 1066 ein echtes Schicksalsjahr war, das die englische Geschichte fĂŒr immer verĂ€nderte.

Die Schlacht bei Hastings brachte Wilhelm den Eroberer/ William the Conqueror/ Guillaume le Conquerant auf den Thron und machte aus den Angelsachsen Untertanen und Teile eines Feudalsystems.

Dass ich Williams Namen in drei Sprachen schreibe, hat seine GrĂŒnde- Wilhelm war Franzose. Normanne, genauer gesagt. Er brachte Französisch als Sprache der MĂ€chtigen mit sich nach England, genau wie Forts, die man binnen Stunden zusammenbauen konnte und Burgen aus Stein.

Von nun an sprachen Generationen englischer Herrscher Französisch.

Noch heute heißt das Wappen- Motto des englischen Königs „Dieu et mon Droit“ (= „Gott und mein Recht“). Das Motto des Hosenbandordens lautet: „Honi soit qui mal y pense!“

(= „Schande ĂŒber den, der Übles dabei denkt!“)

Wohingegen Prince Charles‘ Motto als Prince of Wales lautet „Ich dien“ (= „Ich diene“) und damit sehr deutsch daherkommt. (Was bei den Windsors auch keine große Überraschung ist)

Offiziell geendet hat das lustige Französisieren erst mit Henry IV (1399–1413). Er war der erste König, der seinen Krönungseid auf Englisch ablegte.

Und im Prinzip geht es noch immer weiter, denn diverse Begriffe im englischen Parlament leiten sich aus dem Französischen ab. („Soit baille aux Communes“= Steht auf Gesetzesinitiativen die vom House of Lords an das House of Commons weitergegeben werden; „Le Roy/La Reyne le veult“= „Der König/ die Königin will es“ = Vom Herrscher akzeptierte Gesetzgebung)

Hey – wirklich spannend, wenn die Könige es plötzlich auf Französisch machen
 Aber was hat das mit Aussprache zu tun?

Na, nun rate mal


ZunĂ€chst haben wir angelsĂ€chsische Namen und Wörter, die sich erhalten haben. Diese werden nun französisch ausgesprochen und – teilweise auch geschrieben.

Hinein mischen sich jetzt auch Schotten, Iren und Waliser, die ihre Sprache mitbringen.

Und dann haben sich die EnglĂ€nder ihre Sprache zurĂŒckgeholt.

So fahren wir heute in London durch die Rotten Row und gehen davon aus, dass das mal eine ganz ĂŒble Ecke gewesen sein muss.

Keineswegs. Es war sogar dereinst die „Route du Roi“ (= „Straße des Königs“)

So und damit nun niemand sich mehr blamieren muss, wenn es um die englische Aussprache geht, habe ich mal das Netz ausgeworfen und ein paar Beispiele eingefangen


Featherstonehaugh (Familienname) = „Fennscho“ (s.a. „Fanshaw“)

Cholmondeley (Familienname) = „Tschammli“

Leicester (Geografischer Name u. Adelstitel) = „Lester“

Ralph (Vorname) = „Reif“ oder auch „Raaaf“

Alnwick (Schloss) = „Änick“

Windsor (Schloss; Familienname) = „Winnsa“

Worcester (Geograph. Name; WĂŒrzsauce) = „Wussta“

Alresford (Geograph. Name) = „Ailsfod“

Barnoldswick (Geograph. Name) = „Barlick“

Ruthven (Familienname) = „Riwen“

Beaulieu (Geograph. Name; Schloss) = „Bjuli“

Bicester (Geograph. Name) = „Bister“

Wriothesley (Familienname) = „Riiisli“

Salisbury (Geograph. Name) = „Soolsböri“

MacLeod (Familien/ Clansname) = „MĂ€klaut“

Crichton (Familienname) = „Kreitn“

Dalziel (Familienname) = „Di-el“

Beauchamp (Familienname) = „Biiitschem“

Wer sich in dem Bereich noch weiter umtun möchte, dem seien als Ausgangspunkt die entsprechenden Seiten auf Wikipedia empfohlen. Hier finden sich auch noch diverse Literaturhinweise.

Die Fotos danke ich, wenn nicht selbst fotografiert, wikipedia, shutterstock oder adobestock …

Wenn die Königin von England ein Duke ist

Nicht nur die Leserinnen von Rosamunde Pilcher- Romanen befassen sich zwangslÀufig mit dem Thema Adelstitel. Es trifft im Prinzip alle LeserInnen und AutorInnen, wenn in deren Buch ein (englischer) Adliger auftaucht.

Beginnen wir mit einer KuriositĂ€t …

Ein junger Mann begegnet mir, etwa Mitte dreißig, in Jeans und Poloshirt. Er reicht mir die Hand und stellt sich vor: „Hallo. Hugh Grosvenor. Nennen Sie mich Hugh
“

Überrascht stelle ich fest, dass ich die Einzige zu sein scheine, die ihn lediglich fĂŒr einen netten jungen Mann hĂ€lt. Man starrt ihn an. Handys werden gezĂŒckt.

Kurz darauf begreife ich, was passiert ist. Der nette junge Mann ist kein anderer als der 7. Duke of Westminster. Ihm gehört ungefÀhr die HÀlfte der exklusivsten Stadtteile Londons. Sein Familienvermögen wurde 2016 auf rund 9,4 Milliarden Pfund geschÀtzt.

Toll. Und was hat das mit dem Duke of Lancaster zu tun?

Ganz einfach! Es geht doch um englische Adelstitel. Ohne die kommt nÀmlich so gut wie kein Autor/ Autorin historischer Romane/ englischer Krimis/ Liebesromane/ Erotikromane etc. aus und die haben so ihre Fallstricke.

Wie schon an dem kleinen Beispiel oben gesehen, muss man da schwer auf der Hut sein.

ZunÀchst folgende Feststellung:

Englische Adelstitel funktionieren anders als die in Deutschland. 

In Deutschland hast du eine Adelsfamilie, z.B. die Familie von WeizsĂ€cker. Jedes Kind, das einem Herrn oder einer Frau von WeizsĂ€cker geboren wird, heißt mit Nachnamen „von WeizsĂ€cker“. (Wobei seit dem WKI das Von Bestandteil des Nachnamens und nicht mehr Titel ist, die gibt es seitdem offiziell nĂ€mlich nicht mehr
)

In England hingegen hĂ€lt nur jeweils der Ă€lteste Sohn den Titel. (s.a.“Primogenitur“)

Deswegen haben englische Adlige immer noch einen (bĂŒrgerlichen) Familiennamen. Darum ist eben der nette Duke of Westminster im „wirklichen Leben“ Hugh Grosvenor.

Stirbt ein TiteltrÀger ohne einen Sohn zu hinterlassen, machen sich die Genealogen auf die Suche nach dem Àltesten lebenden Sohn des vorherigen TiteltrÀgers.

Sollte der nette Master Grosvenor also ohne mĂ€nnlichen Erben sterben (Achtung Ladies: er ist derzeit – Stand. 2022 – nicht mal verheiratet!!!), wird der nĂ€chste Duke der 1934 geborene Francis Grosvenor und derzeitige 8. Earl of Wilton. (Wobei ich seine Chancen – rein statistisch gesehen – als recht gering einschĂ€tze).

Nun also zu den Titeln. Weil das Ganze echt komplex ist, habe ich es in eine Tabelle gegossen, wobei ich zwischendurch noch kleine Zusatzinfos eingefĂŒgt habe, denen man aber vielleicht entnehmen kann, dass dieses Titel- Ding komplex wie ein Schachspiel ist. 

Ich kann also jeden verstehen, der am Ende des Blogs einen tiefen inneren Drang zum Kommunismus verspĂŒrt


Titel Anrede Bezeichnung ErklÀrung Briefe/ Mails
King/ Queen Your Majesty H.M. (His oder Her Majesty) Handelt es sich um einen mĂ€nnlichen Herrscher, wird seine Ehefrau Queen genannt. Handelt es sich um eine Herrscherin (aus eigenem Recht, wie die Queen), dann kann der Ehemann den Ehrentitel „Prince Consort“ verliehen bekommen. (Siehe Albert, den Ehemann von Queen Victoria). Muss aber nicht. (Siehe Prince Philipp, den Ehemann von Queen Elizabeth, dem wohl seine AffĂ€ren krummgenommen wurden. Aber das ist fĂŒr einen anderen Tag
) Hypothetische Freizeile, denn du schreibst natĂŒrlich nicht an die Königin, höchstens an ihren PrivatsekretĂ€r.
Prince/ Queen Consort Ehrentitel fĂŒr den Ehepartner des Herrschers (s.o.) Zum Besipiel Queen Elizabeth The Queen Mother.
Prince/ Princess HRH (His/ Her Royal Highness) „Your Royal Highness“, im weiteren GesprĂ€ch „Ma‘ am“ oder „Sir“; In Brief oder GesprĂ€ch nie nur „You“, sondern stets: „Your Royal Highness“ Sohn/ Tochter/ Ehepartner/ direkte Familie des Monarchen; Der Ă€lteste Sohn des Monarchen wird traditionell „Prince of Wales“, weil er dort ursprĂŒnglich das Regieren erlernen sollte.
Duke/ Duchess His Grace the Duke of 
 „Her Grace
 The Most High, Noble and Potent Prince His Grace (Vorname), Duke of
“ „Your Grace“ (formelle Anrede sowie Angestellte/ Untergebene); „Duke“ im gesellschaftlichen Umgang Ihm/ ihr untersteht eine Duchy oder ein Dukedom (z.B. „Duchy of Cornwall“ beim Prince of Wales aka Prince Charles); Meist Prinzen/ Prinzessinnen königlichen GeblĂŒts; Der Ehemann einer Duchess aus eigenem Recht* erhĂ€lt keinen Titel; Formelle Anschreiben: „My Lord Duke“; Umschlag: „His Grace The Duke of XY“ „Madam“; Umschlag: „Her Grace The Duchess of XY“ Weniger formell: „My Lord Duke“; Umschlag: „The Duke of XY“ „Madam“; Umschlag: „The Duchess of XY“ Private Anschreiben: „Dear Duke of XY“ oder „Dear Duke“; Umschlag: „The Duke of XY“; „Dear Duchess of XY“ oder „Dear Duchess“; Umschlag: „The Duchess of XY“
Marquess/ Marchioness „The Most Honourable The Marquess of
 My Lord XY My Lady XY Lord/ Lady; Ehrentitel der Söhne: „the Lord (Vorname)(Nachname)“ Der Töchter: „The Lady (Vorname)(Nachname)“; Ist „Marquess“ der Ehrentitel (bei dem Erben einer Duchy/ Dukedoms muss es stets ein Titel sein, der eine Stufe unter dem des Titelhalters steht), so ist er lediglich Marquess of XY und nicht „Most Honourable“; Er/ sie ist der Earl einer wichtigen County in Grenzlanden, auch bekannt als „Marches“; Von ihnen gibt es derzeit 34; Der Titelhalter unterschreibt nur mit dem Namen des Titels (Der Marquess of Salisbury unterschreibt als Salisbury) Formelle Anschreiben: „My Lord Marquess“ oder „My Lord“; Umschlag: „The Most Hon. The Marquess of XY“ „Madam“; Umschlag: „The Most Hon. The Marchioness of XY“
Earl/ Countess Lord/ Lady XY „Lord XY“/ „Lady XY“ Kopf eines County; („Graf“ in Deutschland); Wortherkunft: „Eorl“ oder „Yarl“; Formelle Anschreiben: „My Lord“; Umschlag: „The Right Hon. The Earl of XY“ „Madam“; Umschlag: „The Right Hon. The Countess of XY“ Weniger formell: „My Lord“; Umschlag: „The Earl of XY“ „Madam“; Umschlag: „The Countess of XY“ Private Anschreiben: „Dear Lord XY“ oder „Dear XY“; Umschlag: „The Earl of XY“ „Dear Lady XY“; Umschlag: „The Countess of XY“
Viscount/ Viscountess Lord XY/ Lady XY Your Lordship/ Your Ladyship Steht direkt unter dem Earl; UrsprĂŒngl. Richter und Verwaltungschefs einer bestimmten Region in einem County. „My Lord“/ „Madam“ Formelle Schreiben/ Briefumschlag: „The Right Hon. The Viscount of XY“ „The Right Hon. The Viscountess of XY“ Weniger formelle Schreiben: „The Viscount of
“/ „The Viscountess of
“ Briefanrede: „Dear Lord XY“ oder „Dear XY“/ „Dear Lady XY“
Baron/ Baroness Lord XY/ Lady XY (The Right Hon) The Lord XY (The Right Hon.) The Lady XY/ The Baroness XY Sir/ Dame; Mitglied des Adels ohne Titel aber mit Landbesitz: „Esquire“/ „Gentleman“; My Lord; My Lady Formelle Anschreiben: „My Lord“ – Umschlag: „The Right Hon. Lord XY“ „Madam“- Umschlag: The Right Hon. Lady XY“ Weniger formelle Anschreiben: „My Lord“; Umschlag: „The Lord XY“ „Madam“; Umschlag: „The Lady XY“ Weniger formelle Anschreiben: „Dear Lord XY“ oder „Dear XY“; Umschlag: „The Lord XY“ „Dear Lady XY“; Umschlag: „The Lady XY“
Courtesy Title/ Ehrentitel Wird einem bĂŒrgerlichen Ehepartner eines Mitglieds der königlichen Familie verliehen; Nicht zwingend erblich; Auch bei Angehörigen eines Adligen, die keinen Titel tragen; Da solche Titel keine juristische Bedeutung haben, wird in Schreiben „John Smith Esq.“ angeschrieben und nicht „Lord John Smith“.
Baronet My Lord My Lady Gehört nicht zu den Adelstiteln, obwohl der Titel vererbt werden kann;
Knight Steht noch unter dem Baronet und ist eher ein Ehrentitel

* Titel aus eigenem Recht/ In Her Own Right: Titel können auch auf Ă€lteste Töchter ĂŒbergehen; Diese halten dann den Titel aus eigenem Recht, sprich: nicht weil sie den Titel ĂŒber ihren Ehemann „erheiratet“ haben;

Soooo
 Das war wohl heftiger Tobak.

Wer sich weiter in das Thema vertiefen möchte, dem empfehle ich folgende Seiten:

Wikipedia: Courtesy Titles in the United Kingdom

www.thenenglishmanner.com

Wikipedia: Forms of address in the United Kingdom

Wikipedia: British nobility

www.infoplease.com/ Noble Titles and Ranks in a Monarchy

www.debretts.com 

www.historic-uk.com 


Wenn gar nichts mehr hilft, könnte Ihr auch (wie ich es schon gemacht habe) an das englische Oberhaus schreiben und dort um Hilfe bitten. Mir hat man damals schnell, freundlich und kompetent geholfen.


Und immer schön dran denken- wenn Ihr dem netten jungen Mr. Grosvenor* begegnet
 Benehmt euch!


* Vielleicht sollte ich mal einen Blog ĂŒber die Aussprache im Englischen machen. („Grooooovenohr“); Da könnte ich dann auch auf Worcester eingehen, Leicester, Wriothesley oder Ruthven
 Damit Ihr euch NIE mehr blamiert!


Hey Hey Hey
 nicht so schnell, meine Dame!!!

Und wie ist das denn nun mit der Königin und dem Duke of Lancaster?

Ja. Stimmt. Sorry. Ganz vergessen.

Die VorgĂ€ngerin der Queen im Amt, Queen Victoria, trug den Titel auch. Und sie war der Meinung, dass „Duchess“ die Bezeichnung nur fĂŒr die Ehefrau des TiteltrĂ€gers sei. Liege nun der Titel aber bei einer Frau in her own right – dann mĂŒsse dies dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass sie „Duke of – in dem Fall – Lancaster“ genannt wird.

(Diese Sache wĂŒrde ich zu gerne in die Gendering- Diskussion einbringen
 Aber das ist fĂŒr einen anderen Tag
)