Nebenstraßen: True Crime

Ungefähr genauso lange wie mit Royalty befasse ich mich mit einem komplett anderen Thema: True Crime.
Begonnen hat alles mit dem Mord an den Prinzen im Tower. Dann kam Jack the Ripper und anschließend ging es über den großen Teich.

Besonders ein Fall hat es mir von Anfang an angetan: Die Lizzie Borden- Morde in Fall River. Ich habe alles gelesen, was ich über den Fall finden konnte, hätte aber nie zu hoffen gewagt, dass ich einmal wirklich in jenem berüchtigten Haus stehen würde, das heute ein Museum beherbergt, so wie ein Bed and Breakfast.

Im Hintergrund das gelbe Haus – es gehörte Andrew Nordens Bruder und war ebenfalls Schauplatz eines furchtbaren Mordes
Credit: Petra von Straks, September 2023

Der Lizzie Borden- Fall

Die Beteiligten:

Andrew Jackson Borden – Vater

Abby Borden – Stiefmutter

Emma Leonora Borden – Schwester

Bridget Sullivan – Dienstmädchen

John Vinnicum Morse – Onkel mütterlicherseits

Sarah Anthony Borden (geborene Morse) – leibliche Mutter

Der Fall:

Jeder Mord hat eine Vorgeschichte.
Und mit dieser will ich auch beginnen:
Emma und Lizzie Borden entstammten der ersten Ehe des Vaters mit Sarah Anthony Morse. Die leibliche Mutter starb im März 1863 als Lizzie knapp drei Jahre alt war und Emma übernahm die Erziehung der kleinen Schwester.
Emma, die noch lebhafte Erinnerungen an die Mutter hatte, nahm es daher nicht gut auf, als der Vater bereits 1865 wieder heiratete. Abby war die Tochter eines Hausierers und mit knapp vierzig eigentlich für die damalige Zeit als Ehefrau nicht mehr vermittelbar. Umso größer wohl das Glück der eher unscheinbaren, vierschrötigen Frau, den wohlhabenden Andrew Borden als Ehemann zu bekommen.

Dass dies viel Arbeit und feindlich gesinnte Stieftöchter einschloss, nahm sie wohl als normale Härte hin.

Allerdings gab es nicht nur zwischen der Stiefmutter und den Töchtern steigende Spannungen – die ganze Familie war betroffen.

Andrew Borden – tödlicher Geiz?

Andrew Borden hängt bis heute der Ruf eines Knausers an. Obwohl er Dank Immobiliengeschäften und geschickter Geldanlage ein ordentliches Vermögen angesammelt hatte (er war zum Zeitpunkt seines Todes mehrere Millionen Dollar in heutigem Wert reich), weigerte er sich, dem Wunsch der Töchter zu folgen und ein Haus im Viertel The Hills zu kaufen, sondern blieb lieber im bescheidenen Haus in der Nähe seiner Arbeitsstätten.

War er aber wirklich ein Knauser? Er war sicherlich sparsam, aber er finanzierte Lizzie eine Europareise und Emma ein Jahr auf dem College. Im Haus selbst ließ er eine noch funktionierende Zentralheizung einbauen. Außerdem setzte er beiden Töchtern Aussteuern aus und gab ihnen Taschengeld.
Zu einem heftigen Streit kam es zwischen den Töchtern und dem Vater, als Andrew Borden der Schwester seiner Frau, die in finanzielle Schieflache geraten war, deren Haus abkaufte, es seiner Frau Abby überschrieb und diese das Haus wiederum ihrer Schwester mietfrei zur Verfügung stellte.
Emma und Lizzie verlangten daraufhin einen Ausgleich vom Vater. Borden verkaufte ihnen daraufhin ein anderes Haus zu einem symbolischen Dollar. Von diesem Haus hätten sie die Mieteinnahmen behalten können. Da sie aber nicht sonderlich erfolgreich als Vermieterinnen waren, verkauften sie dem Vater das Haus kurz darauf für 5000 Dollar (heute 163.000 Dollar) zurück.

Trautes Heim – Glück allein … oder doch nicht ganz?

Eine weitere Auseinandersetzung führte wenige Wochen vor den Morden zu einem verlängerten Aufenthalt der Schwestern in Bedford. Nachdem sie nach Fall River zurückgekehrt waren, beschloss Lizzie allerdings, nicht gleich wieder in das elterliche Haus zurückzukehren, sondern zog für ein paar Tage in eine Mietunterkunft am Ort.
Vier Tage vor den Morden kehrte sie zurück.

Die Spannungen zeigten sich auch für Außenstehende darin, dass Gäste der Schwestern nicht im Salon der Familie empfangen wurden, sondern in einem der Zimmer im oberen Stockwerk.
Auch nahmen sie nur selten die Mahlzeiten gemeinsam mit den Eltern ein.

Im Mai 1892 war es im Übrigen zu einem schwerwiegenden Zwischenfall gekommen: Lizzie hatte für ein paar Tauben einen Taubenschlag anfertigen lassen. Der Vater – überzeugt, dass die Tauben Nachbarskinder zur Jagd auf seinem Grund und Boden animieren würden – schlachtete die Vögel.
Lizzie war – verständlicherweise – außer sich.

Auftritt Onkel Morse: Der Bruder der Mutter war am Vortag der Morde in Fall River eingetroffen, um Geschäftliches mit seinem ehemaligen Schwager zu besprechen. Anders als geplant, blieb Morse über Nacht und das, obwohl es am Vorabend zu einem lautstarken Streit zwischen den Männern gekommen war.
Worum es bei dem Streit ging, ist bis heute unbekannt.

Die Sache mit dem Hammel
Wenige Tage vor den Morden, und kurz nach der Rückkehr Lizzies ins Haus, kam es zu einem merkwürdigen Zwischenfall: die ganze Familie erkrankte schwer. Erbrechen und andere Zeichen einer Vergiftung suchten die Bordens heim.
Da Andrew kein beliebter Mann war in Fall River, mutmaßte Abby, es müsse sich um einen Vergiftungsversuch gehandelt haben. Borden informierte die Polizei, zog seine Anzeige aber kurz danach zurück, da er wohl davon ausging, dass man den Täter sowieso nicht fangen würde.
Wahrscheinlich ist sowieso wohl eher, dass es sich um eine Lebensmittelvergiftung gehandelt hat, da der Hammel zu lange und unsachgemäß aufbewahrt worden war.

Die Situation eskaliert

Die häusliche Situation war also an jenem 4. August 1892 auf dem Siedepunkt.

Wenn der Tag auch ganz normal begann …

Andrew Borden begab sich am frühen Morgen an seinen Arbeitsplatz, nachdem alle zusammen (außer Emma, die in Fairhaven bei einer Freundin war) mit Onkel Morse gefrühstückt hatten, Danach hatten die Männer noch eine Stunde lang gesprochen, bis Morse um 8:48 Uhr das Haus verließ, um seine Nichte im Ort zu besuchen.

Während Abby das Dienstmädchen Bridget (von den Schwestern „Maggie“ genannt), dazu vergatterte, alle Fenster innen und außen zu putzen, variieren Lizzies Angaben zu dem, was sie in der Zeit gemacht haben will. Mal war sie in der Scheune, dann wieder will sie Taschentücher gebügelt haben.
Abby hingegen ging zwischen 9:00 Uhr und 10:30 Uhr nach oben und machte wie jeden Tag Onkel Morse Gästezimmer im ersten Stock.
Wie die forensische Untersuchung ergab, wurde sie nicht hinterrücks getötet, sondern sah ihrem Mörder ins Gesicht. Der erste Schlag mit dem Beil traf sie an der Schläfe. Dadurch drehte sie sich und fiel flach auf den Bauch. Weitere 17 Schläge auf den Hinterkopf erfolgten.

Wer könnte das nun getan haben?
Bridget das Dienstmädchen? – Sie hatte ein Alibi, denn sie stand während des Fensterputzens draußen und schwatzte zeitweise mit einer Nachbarin zur fraglichen Zeit.
Lizzie? Wohl schon eher, denn niemand sah sie zur fraglichen Zeit …

Um 10:30 Uhr kehrte Andrew Borden vorzeitig von der Arbeit zurück. Wie Bridget fühlte auch er sich immer noch nicht gut. Verwundert stellte er fest, dass sein Schlüssel die Haustüre nicht öffnete und klopfte. Darauf erschien Bridget und musste einige Kraft aufwenden, bevor sie fluchend die blockierte Tür zu öffnen vermochte. Sie sagte später aus, dass sie in dem Moment Lizzie habe lachen gehört. Das Lachen sei von der Treppe im ersten Stock her gekommen.
Ein wichtiger Punkt, denn wie ihr auf dem Foto sehen könnt, konnte man von der Treppe ins Gästezimmer schauen und hätte so die tote Abby sehen müssen…

Blick von der Treppe zu jener Stelle, an der Abby lag
Credit: Petra von Straks, September 2023
Weiter entfernter Standort
Credit: Petra von Straks, September 2023

Nachdem Borden die mitgebrachte Post im Salon durchgegangen war, begab er sich ins Wohnzimmer, um einen kurzen Schlaf zu halten. Er fragte Lizzie, wo Abby sei, woraufhin diese antwortete, ein Bote sei gekommen und habe eine Nachricht gebracht, Abby solle zu einer kranken Freundin kommen. (Unnötig zu sagen, dass es weder einen Boten, noch eine kranke Freundin gab … Wie sehr man im Nachgang auch suchte, es fand sich niemand)

Ahnungslos über das, was direkt einen Stock über ihm war, legte er sich auf seine Couch.

Sullivan behauptete nachher, sie habe ihm aus den Stiefeln geholfen und seine Hausschuhe angezogen, was von den Tatortfotos widerlegt wird, denn dort trägt er eindeutig seine Stiefel. (Man kann hier vielleicht auch argumentieren, dass sie ihre Aussage in einer absoluten Ausnahmesituation machte und sich einfach geirrt hatte.)

Danach begab sich Sullivan nach oben in den obersten Stock, wo sie ihr Zimmer unter dem Dach hatte.

Bridget Sullivan Schlafzimmer in seinem heutigen Zustand. An der Wand Fotos aus ihren letzten Jahren, die ihre Familie dem Museum überlassen hat.
Credit: Petra von Straks, September 2023

Sie war noch immer von der Vergiftung geschwächt und wollte sich nach dem Fensterputzen in der Augusthitze erholen. Um 11:10 Uhr hörte sie Lizzie von unten rufen. „Maggie, komm schnell runter. Vater ist tot. Jemand ist reingekommen und hat ihn umgebracht.“

Bridget rannte nach unten und fand den toten Andrew Borden, der zehn oder elf Mal mit einem Beil auf den Kopf geschlagen worden war. Die Attacke konnte nur wenige Minuten zurückliegen, denn die Wunden bluteten noch.

Dr. Bowen, der herbeigerufene Hausarzt, konnte nur noch den Tod feststellen.

Was aber stellte Lizzie Borden derart unter Verdacht, dass man sie festnahm und zehn Monate inhaftierte, während sie auf ihren Prozess wartete?
Nun, zuerst hatte sie behauptet,
– draußen gewesen zu sein und ein Stöhnen oder einen Aufschrei gehört zu haben.
– Dann wieder sagte sie, gar nichts gehört zu haben. Auch der Polizei gegenüber kam sie mit der Geschichte, dass
– Abby zu einer kranken Freundin gerufen worden sei, was sich umgehend als Lüge entpuppte. Dann wieder sagte sie,
– Abby sei zwischenzeitlich zurückgekommen.
Die Nachbarin Mrs Churchill und Bridget, die nach Abby gesucht hatten, schickte Lizzie mit der letzteren Geschichte nach oben, wo sie die Tote bereits von der Treppe aus sehen konnten.

Man befragte im Folgenden Lizzie, durchsuchte auch oberflächlich ihr Zimmer, doch sie selbst wurde nicht nach Blutspuren untersucht. Einen Bottich mit blutiger Kleidung ließen die Polizisten unangetastet, da Lizzie angab, es sei durch Menstruationsblut verschmutzt.
Im Keller fand man zwei Beile. Eines davon mit zerbrochenem Griff. Offensichtlich hatte jemand versucht, es mit weißer Asche zu reinigen.
Aufgrund der Vergiftungserscheinungen bei der Familie, führte man eine Autopsie durch, da man davon ausging, dass auch Gift mit im Spiel sein könnte. Es fand sich jedoch keines.

Alice Russell, eine Freundin der Schwestern, blieb über Nacht mit ihnen im Haus und Onkel Morse bezog eines der Gästezimmer unter dem Dach. Emma, die in Fairhaven eine Freundin besuchte, wurde durch ein Telegramm nach Fall River zurückgerufen.
Ein wachhabender Polizist beobachtete Lizzie, die sich in der Nacht an der Spüle zu schaffen machte, allerdings konnte er nicht genau sehen, was sie da tat.

Am 5. August versuchte Onkel Morse, das Haus zu verlassen, wurde aber sofort von einem Mob bedrängt und musste von der Polizei ins Haus zurückbegleitet werden.
Am nächsten Morgen sah Russell, dass Lizzie ein Kleid auseinanderriss und es zu verbrennen versuchte. Sie habe es mit brauner Farbe verschmiert und könne es nun nicht mehr tragen, erklärte sie.

Am 8. August machte Lizzie ihre erste Zeugenaussage. Dies entsprechend dem Gesetz ohne Anwalt. Allerdings unter dem Einfluss von Morphium, was sie beeinträchtigt haben dürfte.

Ihre widersprüchlichen und auch lückenhaften Aussagen führten zu ihrer Inhaftierung.

Der Prozess begann am 5. Juni 1893.

Einer ihrer größten Fehler war wohl die Aussage, dass – nachdem Sullivan sie mit ihrem Vater alleine gelassen habe – sie in die Scheune gegangen sei. Eine Überprüfung ergab, dass die Scheune staubig war, aber nur die Abdrücke der Schuhe der Polizisten zu finden waren.

Die Schädel der Opfer wurden bei dem Prozess vorgeführt. So konnte demonstriert werden, dass es sich bei dem Tatwerkzeug um ein Beil handeln müsse.

Das Gericht war eindeutig auf Lizzie Seite. Der vorsitzende Richter war vom ehemaligen Gouverneur bestellt worden. Eben jenem ehemaligen Gouverneur, der jetzt Lizzies Anwalt war. Nach Ende des Prozesses erhielt Lizzie ein Foto der Geschworenen mit deren Unterschriften und Glückwünschen.
Schon recht ungewöhnlich, könnte man sagen …

Welch Wunder – Lizzie wurde zwar freigesprochen, doch in den Augen der Bürger von Fall River blieb sie nicht nur die Hauptverdächtige, sondern die Mörderin.

Als sie zum ersten Mal nach dem Prozess in die Kirche ging, musste sie feststellen, dass alle Plätze um sie herum freiblieben. Es war das letzte Mal, dass sie in ihre gewohnte Pfarrkirche ging.

Kurz nach dem Prozess kaufte Lizzie mit ihrem Erbe ein Haus in der von ihr schon immer begehrten Wohngegend „The Hill“ in Fall River und benannte es in „Maplecroft“ um. Sie wohnte dort eine zeitlang mit ihrer Schwester.
Da sie in der Gesellschaft nicht mehr willkommen war, umgab sie sich dort mit Schauspielern, die seinerzeit einen kaum besseren Ruf als Prostituierte hatten.
Auch weiterhin kam keine Ruhe in ihr Leben, denn 1897 wurde sie in Providence beim Ladendiebstahl erwischt. (Es heißt, sie habe schon vorher gestohlen. Andrew Borden habe aber immer stillschweigend bezahlt.)

Im Jahr 1905 kam es zum endgültigen Bruch zwischen den Schwestern nach einer Party, die Lizzie für die Schauspielerin Nance O’Neill gegeben hatte.
Emma und Lizzie sahen sich danach nie mehr.

Emma starb am 1. Juni 1927 an den Folgen einer Gallenblasenoperation. Sie war nur 66 Jahre alt geworden. Genau neun Tage später starb ihre Schwester in einem Pflegeheim in Newmarket/ New Hampshire. Sie war aus gesundheitlichen Gründen dorthin gezogen, aber auch, weil sie nach der Veröffentlichung eines weiteren Buches über die Morde der Aufmerksamkeit zu entkommen hoffte.

Beide Schwestern wurden Seite an Seite im Familiengrab auf dem Oak Grove Cemetery beigesetzt.

Grab der Familie
Credit: Petra von Straks, September 2023
Lizzie hatte kurz nach dem Prozess aus unbekannten Gründen ihren Vornamen in „Lizbeth“ geändert.
Credit: Petra von Straks, September 2023

Bei ihrem Tod hinterließ Lizzie Borden ein Vermögen von rund 6 Millionen Dollar (nach heutigem Wert). Sie setzte einen Teil des Geldes für die anhaltende Pflege des Grabes ihres Vaters ein und hinterließ dem Tierschutz in Fall River eine große Summe. des Weiteren wurden mehrere entfernte Familienmitglieder bedacht.

Weder Emma noch Lizzie haben je geheiratet. Es gab Gerüchte, Lizzie sei von ihrem Vater missbraucht worden, und habe ihn deswegen getötet. Dafür gibt es allerdings keine Beweise und es kam auch nie zur Sprache.

Interessanterweise gab es einen weiteren Mordfall und zwar im Nachbarhaus der Bordens …

Der Ludwig Borden Mordfall

Hier wohnte Andrew Borden Onkel mit seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern
Credit: Petra von Straks, September 2023

Andrew Bordens Onkel Ludwig wohnte mit seiner Familie im direkten Nachbarhaus. Insgesamt war er vier Mal verheiratet.
Seine zweite Ehefrau, Eliza Darling Borden, litt nach der Geburt des dritten Kindes unter schweren Depressionen, die dazu führten, dass sie 1848 versuchte, die drei Kinder in der Zisterne im Keller des Hauses zu ertränken. Eines der Kinder konnte allerdings entkommen. Im Anschluss schnitt sie sich selbst die Kehle durch.

Deswegen heißt es im Borden Haus, dass dort noch immer die ermordeten Kinder spukten …

Aber auch ohne Spukerscheinungen sind diese Geschichten bis heute mehr als nur interessant.




Ist der Ruf erst ruiniert …

… lebt es sich ganz ungeniert, wie jeder weiß.

Dies gilt allerdings nicht für Harry und Meghan.

Wie heißt es schön: „Die Einen sagen so, die anderen sagen so …“ – Zumindest was eine anstehende Trennung der Sussexes angeht, gilt: Nix Genaues weiß man nicht. *

*Okay – genug der Sprichwörter …

Was wohl aber wirklich feststeht, ist, dass die beiden beruflich getrennte Wege gehen.
Beide arbeiten derzeit hart daran, ihre Marke zu reparieren. Das ist auch SEHR nötig, nach all den Skandalen, die die beiden unnötig vom Zaun gebrochen haben. Von den unsäglichen Memoiren bis zur angeblichen Verfolgungsjagd.

Sie haben sich ihren Status als Kassengift wirklich hart erarbeitet. Nun reist Harry durch die Welt und bietet sich als Botschafter für seelische Gesundheit und Veteranen-Sport an, während seine Frau demonstrativ Stress-Aufkleber am Handgelenk promotet.
Fachleute behaupten, dass, wenn Meghan es schafft, sich vom Opfer-Image zu lösen, sie mehrere Millionen pro Projekt verdienen könne.

Dazu muss sie sich aber erst mal aus dem düsteren Schatten ihres Gatten lösen. Insider betonen, dass Meghan ein fröhlicher, optimistischer Mensch sei und, dass dies in den zurückliegenden Produktionen wie der Netflix- Serie und ihrem Podcast gar nicht zum Tragen gekommen sei.
Da darf man natürlich auch einwerfen, dass sie selbst fleißig an diesem Bild mitgebastelt hat.

Um dieses neue Ziel zu erreichen, haben die beiden den für Ethik-Projekte bekannten Unternehmer Adam Lilling als Berater gewonnen. (Er arbeitet übrigens auch für Ellen DeGeneres, Meghans Freundin.)

Es war Lilling, der Harry bei BetterUp untergebracht hat. Jener Firma, die Unternehmen bei ihrem sozialen Fußabdruck berät.
Jener Firma, die Harry jetzt jährlich 14 Millionen bezahlt dafür, dass er … ja – wofür eigentlich?
Das kann bei BetterUp derzeit niemand so genau sagen. Ich würde behaupten: er ist ein teures Aushängeschild, das zunächst einmal dafür gesorgt hat, dass 10% der Mitarbeiter von BetterUp gehen mussten. (Vielleicht kann Harry sie jetzt beraten, wie man auch ohne zu arbeiten klarkommt. Da hat er ja nun wirklich Ahnung …)

Wie ich irgendwie generell das Gefühl nicht loswerde, dass in allen Firmen, bei denen die beiden anheuern, die Mitarbeiter nervös werden sollten, denn bei Spotify wurden ja nach dem Meghan- Flop auch erst mal Stühle vor die Tür geschoben …

Als interessierte Partei schaue ich natürlich auch immer mit einem Auge zu den anderen Deals der beiden.
Wir wissen ja, dass Netflix mehrere Projekte-Pitches der beiden nach ihrem Smash-Hit „Harry und Meghan“ abgelehnt hat. Sie erschienen den Entscheidern als zu wenig erfolgversprechend.
Alleine die Doku zu den Invictus Games konnte bestehen. Vielleicht einfach, damit man halt irgendetwas von den beiden vorzuzeigen hatte.

Allerdings blieben die Zuschauerzahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Die Doku schaffte es nicht unter die Top 10 der neueingestiegenen Reihen und gilt damit als Flop.
Warum – können wir uns wohl alle denken.
Die Zuschauer wollen keine Kriegsversehrten sehen. Wir alle wissen, dass Krieg scheiße ist und Leben zerstört.
In Großbritannien wird das Ganze nochmals kritischer gesehen, weil man dort die zurückliegenden Kriege als eine ungeheuere Steuergeldervernichtungsmaschine ansieht, die von der Bevölkerung nie mitgetragen wurden.
Nun auch noch eine Doku zu den Folgen – das wollen die Wenigsten sehen.

Man kann also sagen, dass Harry es mit seinem Thema sicher gut gemeint hat, aber nicht den Nerv der Zeit trifft.
Schlussendlich wird er lernen müssen, dass man dafür, dass man die Menschen belehrt, von diesen nicht immer bejubelt wird.
(Und am Ende des Tages daher auch kein Geld damit verdient …)
Was speziell Invictus angeht, so hat er ja auch bei seinem Deutschlandbesuch ins gleiche Horn gestoßen wie eh und je, indem er von seinen eigenen Traumata berichtet hat und auch abermals davon, dass er von seiner Familie keinen Rückhalt bekommen habe. (Was sich in alten Interviews vollkommen anders anhört. Aber damals hatte er ja auch noch nicht entdeckt, was für ignorante Schweine sein Vater und dessen Familie sind.)
Kurz: Harry kommt einmal mehr als Jammerlappen vom Dienst rüber, der dafür auch noch sehr viel Geld haben will.

Was die Menschen WIRKLICH von Harry wollen (oder wollten), ist ROYALTY. Und das kann er nicht mehr liefern, denn alles, was er da hat ausplaudern können, hat er längst zum besten gegeben.

Also – lassen wir uns überraschen, wie die getrennten Wege von Harry und Meghan aussehen … (Den Kalauer mit den beiden und „Invictus“ spare ich mir jetzt …)


26 Jahre …

Morgen vor 26 Jahren starb Prinzessin Diana im Alma-Tunnel in Paris.

Wäre sie nicht in jener verhängnisvollen Nacht gestorben (hätte sie sich angeschnallt, oder hätte man die berühmteste Frau der Welt nicht einem betrunkenen Chauffeur anvertraut) – was hätten wir dann noch alles von dieser bemerkenswerten Frau erwarten dürfen?!

Ich glaube, es war unsere damalige Englischlehrerin Frau Kerstjens, die Postkarten der Königsfamilie mitbrachte und diese in den Schaukasten unseres Klassenzimmers hängte. Fasziniert schielte ich wieder und wieder zu den Fotos, die die Queen und Prince Philip einträchtig auf einer Couch sitzend zeigten und Prince Charles beim Wandern im schottischen Hochland.
Da war noch nicht mal im Traum an eine Lady Diana Spencer gedacht, deren Bilder bald die Welt überfluten sollten.

Sobald Lady Diana Spencer die Bühne betrat, gab es bei mir kein Halten mehr. Ich verfolgte jeden ihrer Schritte. Sammelte Artikel über sie und klebte jedes Bild in kleine Vokabelheftchen ein. Als ich der Flut nicht mehr Herrin wurde, legte ich Leitzordner an.

Wenn es schon mir so ging – wie musste sich Diana erst fühlen?
Heute verstehe ich, dass der Ursprung der späteren menschlichen Katastrophen unter anderem darin begründet lag, dass es keine Blaupause für ein solches Phänomen gab.
Diana erwartete Hilfe der Königsfamilie. Doch wie kann man Hilfe bei etwas bieten, das ohne Beispiel ist? Dazu kommt noch, dass man zu Zeiten der Queen mit dem Thema Emotionen weitaus robuster umgegangen ist, als das heutzutage der Fall ist.
War es keine institutionalisierte Trauer wie bei Queen Victoria, so behielt man die eigene Gefühlslage für sich. Das galt übrigens nicht nur für Herrscherhäuser, das wurde in den meisten normalen Familien ebenso gehandhabt.

Wenn aber Diana etwas (außer Schönheit) im Überfluss hatte, dann waren es Emotionen. Das, was sie nun bei den normalen Menschen so gut ankommen ließ, war das, was sie von der Königsfamilie trennte. Denn niemand begibt sich gerne in eine Situation, die ihm fremd ist und so hätte man es sicherlich vorgezogen, wenn Diana nach außen gestrahlt hätte und nach innen den Ball flach gehalten.

Ein Gutteil dieser Emotionen bezog sich auf ihren Ehemann. Im Gegensatz zu Diana (oder zumindest nach dem, was so kolportiert wird), hatte er männliche und weibliche Freunde, wohingegen Diana nur Freundinnen hatte.
Ob Camilla und Charles nun wirklich durchgängig (bis die Ehe irreparabel zerstört war) lediglich Freunde waren, lässt sich wohl nicht mehr belegen. Das ist aber auch nicht mein Ziel.
Vielmehr geht es mir darum darzulegen, dass Diana in meinen Augen ein Ungleichgewicht verspürt hat. Eine Ungerechtigkeit. Die Ungerechtigkeit, dass sie von ihrem Mann nicht das zurückbekam, was sie ihrerseits in die Beziehung und in das Königshaus investierte.

Gegensatzpaare
Ein immer größeres Ungleichgewicht machte sich breit in ihrem Leben:

Liebe zu Charles – Unerwiderte Liebe durch Charles
Euphorie bei öffentlichen Terminen – Einsamkeit mit Tablett auf der Couch im Kensington Palace
Freiheitliches Leben der Menschen mit denen sie zusammenkam – Höfisches Protokoll
Große Gefühle für die Familie – Kalte, abweisende Haltung der Royal Family
Keine tiefere Bildung ihrerseits – Charles als Intellektueller
Diana mit gleichaltrigen Freundinnen/ Spaß – Charles mit wesentlich älteren Freunden (ebenfalls Intellektuelle)
Überwältigender Zuspruch durch die Öffentlichkeit – Kein Lob von Seiten der Royal Family
Charles vertraut sich ihr nicht an – Charles teilt alles mit Camilla

Dies sind nur ein paar der Gegensatzpaare, die mir spontan eingefallen sind und die zu jener Gefühlslage geführt haben dürften, die Diana schlussendlich eskalieren ließ. (Wohlgemerkt: aus ihrer Perspektive betrachtet. Andere mögen die Situationen anders eingeschätzt haben).
Für sie muss festgestanden haben, dass Camilla als Frau, mit der Charles alles teilte, auch die Frau sein müsse, mit der er das Bett teilte. Da sie von allen im Stich gelassen wurde, inklusive ihrer eigenen Familie (Bruder Charles manövrierte sie Mal um Mal aus, wenn sie um seinen Beistand bat. Zum Beispiel, indem sie bat, sich für eine gewisse Zeit nach Althorp zurückziehen zu dürfen, um zur Ruhe zu kommen. Er ließ sie nicht, da er das Eindringen der Presse in seine eigene Privatsphäre befürchtete), fand sie alleinigen Zuspruch bei der Presse.
Da im privaten Rahmen keine der maßgeblichen Persönlichkeiten ihr Gehör schenkte, suchte sie diese Aufmerksamkeit bei der Presse. (Übrigens war die Sache nicht nur kein Ruhmesblatt für ihren Bruder Charles, der sich am Ende als kühner Rächer an der Königsfamilie gerierte, auch ihre Schwestern dürfen von Kritik nicht ausgenommen werden, denn sie waren es, die durch die Nähe zum Thron (speziell der Ehemänner) eindeutige Nachteile fürchteten, sollten sie sich zu eng an Diana anschließen.

Alle mal herhören!
Und so kam es, wie es kommen musste: Diana, die immer mehr in ihrem eigenen Saft schmorte, sah die Front gegen sich immer mächtiger werden. So mächtig, bis sie ihr einziges Heil im Rundumschlag zu finden glaubte.

Das war die Geburtsstunde von Andrew Mortons Buch „Diana – Ihre wahre Geschichte“ und schlussendlich das berüchtigte Panorama-Interview mit Martin Bashir, in das sie Bekannterweise hineinmanipuliert worden war. Nicht zuletzt durch ihren eigenen Bruder, der die Unterlagen Bashirs nicht überprüfte, sondern seiner Schwester vorlegte, woraufhin diese einwilligte, das Interview zu geben.

Wie so viele Menschen, die Interviews geben, musste auch Diana im Nachgang erfahren, dass sie damit einen großen Fehler gemacht hatte. Dass das, was sie für sehr klug gehalten hatte, sich als schrecklicher Fehler entpuppt, weil sie keine Ahnung von den Konsequenzen hatte.
Im Fall Diana muss man wohl auch dazu sagen, dass sie zwar einen Medienberater bezahlte, diesen aber in beiden Fällen nicht informiert hatte. Wahrscheinlich hat sie geahnt, dass er versuchen würde, beide Stunts zu verhindern.

Was bleibt?

Wenn wir uns an die Zeit direkt nach Dianas Tod erinnern, erinnern wir uns vor allem der alles überwältigenden Trauer, die die Welt erfasst hatte.

Der Diana Princess of Wales Memorial Fund
Geldspenden brachen förmlich über den Kensington Palace herein, denn die Menschen wollten damit ihre Unterstützung für Dianas Anliegen zum Ausdruck bringen.Um diese Spenden an die richtigen Empfänger zu bringen, gründete man eine Stiftung („Diana Princess of Wales Memorial Fund„), bei der Dianas Schwestern im Stiftungsrat saßen.
Millionen von Pfund wurden an Organisationen gegeben, mit denen Diana zusammengearbeitet hatte.
Jährlich wurde überprüft, ob und wie man sich neu ausrichten solle. Man beschloss bald, nur noch zeitlich begrenzte Projekte zu unterstützen.
Im Jahr 2012 war dann endgültig Schluss. Die Stiftung schloss für immer ihre Tore. Was noch an Finanzmitteln da war, floss in die Royal Foundation, deren Schirmherren die Prinzen William und Harry waren/ sind.

Das ganze Konstrukt klingt nun erst mal ganz gut.
Doch dann überlegt man, warum die Stiftung aufgegeben wurde. Da landet man dann bei der US- Firma Franklin Mint, die bereits 1998 angefangen hatte, Diana-Memorabilia zu verkaufen. Die Stiftung verweigerte Franklin Mint die Lizenzen, was diese aber nicht davon abhielt, ohne Lizenzen weiter zu verkaufen.
Daraufhin verklagte die Stiftung Franklin Mint in Kalifornien. Das Urteil war schnell gefällt: da man in Kalifornien nur im Namen einer verstorbenen Person klagen kann, die Einwohner des Staates ist, wurde die Klage abgewiesen.
Franklin Mint seinerseits hatte die Stiftung wegen Rufschädigung verklagt und gewonnen. Man einigte sich schlussendlich außergerichtlich. Über die Details schweigen beide Seiten.
Die Konsequenz für die Stiftung: sie mussten ihre Zahlungen an wohltätige Organisationen und Projekte einstellen und schlussendlich ganz aufgeben. Was noch übrig war, nachdem man Franklin Mint abgefunden hatte – wie gesagt – floss in die Royal Foundation.

Ein trauriges Ende für etwas, das so hoffnungsvoll begonnen hatte.

Diana Princess of Wales Memorial Fountain + Princess Diana Memorial Garden
Eine ziemlich hässliche Statue im Garten von Kensington Palace und eine in Grenzen nützliche Fontäne in Hyde Park. Wobei sechs Wächter bei letzterer darauf aufpassen, dass niemand mehr durch den Brunnen läuft, das es mehrere Stürze gegeben hatte, wo die Verunfallten sogar ins Krankenhaus gebracht werden mussten.
Angeblich sei das Gras rund um die Fontäne stark in Mitleidenschaft gezogen und die ganze Anlage nicht wirklich gepflegt.

Das sind die Gedenkstätten für Diana.
Dazu kommt noch ein absolut geschmackloser „Tempel“ (respektive dessen Fassade) im Park von Althorp, wo man Blumen zum Gedenken ablegen kann (was sicherlich schon lange niemand mehr tut), da man Dianas Grab auf der kleinen Insel im ovalen Teich nicht besuchen darf. (Früher ruderten ihre Söhne an Jahrestagen dort hinüber).
Was man allerdings – zumindest anlässlich der runden Jahrestage – immer noch findet, sind Sonderhefte, und ab und zu noch Titelseiten auf Zeitschriften, die Dianas Antlitz ziert.

Die Diana Gedächtnis- Ausstellung in Althorp House

Wir erinnern uns alle an jene zornerfüllte Rede, die Charles Spencer, Dianas Bruder, in der Westminster Abbey anlässlich ihrer Beisetzung gehalten hat.
Die schockstarre Königsfamilie lauschte den Worten des Earls, der pathetisch schwor, stets für seine Neffen da zu sein. (Damit diese der grausamen Königsfamilie niemals zum Opfer fallen würden wie seine arme gejagte Schwester …)
Er ließ Althorp renovieren und eröffnete in den Ställen eine sehr schöne Gedächtnis- Ausstellung, bei der man u.a. die Hochzeit noch einmal nachverfolgen konnte und als Herzstück ihr Brautkleid bewundern.
Ich war damals in Althorp und durfte auch den Earl Spencer kennenlernen. Das Haus selbst ist wunderschön und die Ausstellung war ein Traum für jeden Fan.
Allerdings schloss die Ausstellung 2013 für immer ihre Tore. Wohingegen man Althorp noch immer im Sommer besichtigen kann.

Die Mode

Eine der intensivsten Erinnerungen an Diana ist mit Sicherheit ihre Mode. Noch heute erscheinen Bücher zu ihrem Stil und die Art und Weise wie sie nachgeahmt wurde, sucht sicherlich ihresgleichen.
Größtes Event seinerzeit: Die Auktion ihrer Kleider zu einem guten Zweck.
So konnten Fans zum Beispiel die entsprechende Ausstellung im Kensington Palace mit den erworbenen Stücken sehen, die sich zu einem sofortigen Kassenmagneten entwickelte.
Nach einer Weile wurden nur noch einzelne Kleider gezeigt und dann war komplett Schluss.

Was die privat ersteigerten Roben angeht, so sind sie teilweise bereits zum dritten und vierten Mal aus den unterschiedlichsten Gründen unter dem Hammer.
Jetzt im September gibt es wieder mehrere Auktionen, wo nicht nur Abendkleider erneut versteigert werden, sondern auch ein Exemplar ihres berühmten roten Schäfchen-Pullovers.
Diesen hatten die Besitzerinnen der Strickwarenladens auf dem Dachboden wiedergefunden. Diana hatte ihn seinerzeit zur Reparatur gegeben und niemand hatte den Pullover je wieder abgeholt.
So hat man jetzt also die (vielleicht nicht ganz) einmalige Chance, das inzwischen etwas mitgenommene Stück zu ersteigern.
Vorausgesetzt, man kann (und will) bei einem Startgebot von 50.000 Pfund mithalten …

Ihre Erben

Das sind natürlich in erster Linie ihre beiden Söhne. Dem Vernehmen nach hat Prince Harry seinerzeit 20 Millionen Pfund von seiner Mutter geerbt, die inzwischen den zentralen Grundstein seiner Existenz in den USA bilden.
Beide Söhne haben u.a. Schmuckstücke von Diana geerbt, die sie ihren jeweiligen Ehefrauen geschenkt haben. Wenn der berühmte diamantgerahmte Saphir, Dianas Verlobungsring, auch eigentlich die Hand von Harrys Frau hätte zieren sollen, hatte dieser das Stück seinerzeit William für seine Verlobung mit Kate überlassen.

Bis zu ihrem endgültigen Bruch hatten die beiden Söhne sich zumindest noch zu den Todestagen der Mutter zusammengefunden, aber auch dies gehört inzwischen dank Harrys Memoiren der Vergangenheit an.

Aus der Royal Foundation hat sich Harry zurückgezogen und es scheint fast so, als wage nicht mal er, den Namen der Mutter für seine geschäftlichen Ziele einzusetzen, nannte er seine Firma doch „Archewell“.

Der Fall Prince Harry

Manchmal scheint es, als wäre Prince Harry der einzige, der ostentativ das Gedächtnis an seine Mutter am Leben erhält. Er berichtet in seinen Memoiren von ihr.
Erzählt von seinen halsbrecherischen Fahrten in den Alma-Tunnel (was mich extrem verärgert hat, da ich die dortige Verkehrssituation mit den vielen Fußgängern kenne …)
Berichtet von seiner Jugend, die eine einzige Flucht vor der Verlassenheit nach ihrem Tod war. Wieder und wieder geht es um die Mutter, ohne deren Tod sein ganzes Leben natürlich vollkommen anders verlaufen wäre …
Da es am Ende des Tages um die eigene Marke und das Geldverdienen geht, macht auch Ehefrau Meghan mit und lässt sich mit dem Baby Lilibet Diana (!) vor einem Foto der Großmutter ablichten, wobei die Kleine die Oma neugierig anschaut.

Wobei ich es schon irritierend finde, dass bei den Sussexes an der Wand nicht etwa ein privater Schnappschuss der Mutter/ Schwiegermutter/ Großmutter hängt, sondern ein offizielles Fotografen-Bild.
So erinnert das Ganze eher an das Zimmer eines Fans, der sein Lieblings-Starfoto an der Wand hängen hat.

Wie sicherlich die meisten Leser wissen, beließ es Harry nicht bei den Schilderungen seines Verlustschmerzes. Er wird nicht müde, die Parallelen zwischen seiner ach so verfemten Ehefrau und seiner Mutter zu betonen. Das ging sogar soweit, dass in diesem Jahr eine hart durch New York von Harry und Meghan so aufgeplustert wurde, dass sie sogar von einer „Verfolgungsjagd mit beinahe tödlichem“Ausgang sprachen.
Sehr schnell zeigte sich allerdings, dass es sich um keine Verfolgungsjagd gehandelt hatte, wie der Bürgermeister von New York betonte. Mit einer gewissen Süffisanz fügte er hinzu, dass jeder, der den New Yorker Verkehr kenne, wisse, dass dies schlicht unmöglich sei.
Am Ende des Tages waren die beiden die Gelackmeierten über die sich die Welt den Mund zerriss und/ oder kaputtlachte.
Mit dieser grotesken Neuinszenierung war Harry endgültig zu weit gegangen.

Resumee

Ich vergleiche die Zeit bis gleich nach Dianas Tod mit dem, was heute, knapp 30 Jahre später noch von ihr geblieben ist.
Es ist verzweifelt wenig.
Von ihrem vielgerühmten sozialen Engagement bis zu ihrer Liebe zu ihren Söhnen …
William geht seinen eigenen Weg mit seiner Familie und was er empfindet, eröffnen nur kleine Blitze, die plötzlich eine Landschaft zu erhellen scheinen, so als er eine Teilnahme seines Vaters bei den Gedenkfeiern für die Mutter ablehnt.
Die Brüder wirkten vor Jahren an einer Doku zu Dianas Leben mit, aber das war es dann auch.
Alles in allem, muss man wohl feststellen, ist nicht viel geblieben.
Ob Diana Menschen zu aktivem sozialem Handeln inspiriert hat? Mit Sicherheit.
Ob sie noch immer Menschen inspiriert? Mit Sicherheit nicht in dem Maß, wie man es hätte erwarten können.
Vieles von dem Guten, das sie ohne Zweifel getan hat, wird überschattet von ihren Skandalen.

Insofern hätte ich mir – als ehemals weltgrößter Fan – gewünscht, sie hätte länger gelebt. Wäre ruhiger geworden. Hätte vielleicht Altersweisheit entwickeln können und mit einer gewissen Milde zum Buckingham Palace und nach Clarence House schauen können.

Auf dem Weg war sie wohl, als alles in jener Nacht im Alma Tunnel endete.






Richtig oder falsch

Wir alle mögen relativ wenig mit Königs gemeinsam haben.
Im Gegensatz zu ihnen wohnen wir normalerweise nicht in Schlössern. Wir haben auch keine Parks, in denen andere unsere Hunde ausführen, wenn uns das Wetter zu schlecht ist. Während Königs um die Welt reisen, bleiben wir auf Balkonien und was das Personal angeht – na ja, also ich habe keine Dienerschaft. (Putzen muss ich auch ungerechterweise selbst …)

Doch eine Sache gibt es – die haben die Royals (zumindest die Männer) mit so ziemlich jedem gewöhnlichen Herrn Jedermann gemein: den so genannten Alopecia Areata. Umgangssprachlich: Kreisrunder Haarausfall.

Fake News und Zeitungsenten

Wir leben in Zeiten, wo – gefühlt – noch nie so viel ge, -und verfälscht wurde wie heute. Das Internet bietet eine herrliche Spielfläche für all jene, die ihre eigene Agenda mittels frei erfundener Nachrichten, oder geschickt verfälschten Berichten, voranzubringen versuchen.
Deshalb erscheint es mir heute wichtiger denn je, authentisch zu sein.
Selten schien es wichtiger als heute, einem anderen vertrauen zu können.
Ja, man wird beinahe das Gefühl nicht los, als sei man wieder im Mittelalter, wo der Leumund eines Menschen über Leben und Tod entscheiden konnte.

Jetzt fragt ihr euch natürlich, was diese beiden Themen miteinander zu tun haben …

Das ist also die Wahrheit. So sehen wir Harry tagtäglich. Kein Problem. Höchstens für seine Eitelkeit.
Aber dann gibt es auch noch sowas …

Jetzt kann man natürlich sagen: Lasst ihn doch machen. Was kann Harry dafür, wenn sie sein Foto so bearbeiten?
Das stimmt natürlich. Allerdings gibt so ein Promi für Gewöhnlich die Fotos zu einem Artikel frei. Alles andere wäre amateurhaft.
Aber selbst wenn er dieses Foto nicht freigegeben hätte, oder es wäre ihm einfach nicht aufgefallen, dass man ihn so „verschönert“ hat (das Rot ist übrigens auch verschwunden …), dann bliebe noch jenes Foto, das ich gefunden habe, als ich die Firma „BetterUp“ recherchiert habe, bei der er als Chief Impact- Officer für mehrere Millionen pro Jahr engagiert ist und sich um die Auswirkungen des Handelns der Firma auf Umwelt und Gesellschaft kümmern soll.

Auch hier wurde eindeutig getürkt. Die Dichte und Farbe seines Haares wurde offensichtlich bearbeitet.

Ich könnte jetzt stundenlang darüber philosophieren, wieso ein Mann wie der Herzog von Sussex sich der öffentlichen Debatte seiner Eitelkeit aussetzt, während sein Bruder einfach sein Haar kurz schneidet und es gut sein läßt.
Ich tue es nicht, weil mich Harrys Eitelkeit schlicht und ergreifend null interessiert.

Was mich aber interessiert ist sein Zugang zum Thema Authentizität.

Haben wir uns auch hier zulande damit abzufinden, dass Körper mittels Software verändert werden? Dass wir eben nicht mehr den echten Menschen sehen, sondern das, was man uns als „echt“ verkaufen will? (Die BetterUp- Homepage gibt es auch auf Deutsch, weil man die Beratungsservices der Firma auch in Deutschland in Anspruch nehmen kann …)

Was ist von einer Firma zu halten, die derart ungehemmt die Bilder ihrer Mitarbeiter bearbeitet?
Es mag altbacken wirken, aber ich bin nicht gewillt, mir diese (optischen) Lügen auftischen zu lassen.

Ich feiere all diejenigen, die zu ihrem Aussehen stehen.
Wie Caroline von Hannover

Oder jetzt ganz frisch (anlässlich ihres 50. Geburtstages) Kronprinzessin Mette Marit

Oder die spanische Königin Letizia

Und natürlich muss ich auch noch ein Foto von Prince William einfügen …

All diese Royals stehen zu ihrem Aussehen. Sie zeigen sich, wie sie sind. Eitelkeit hin oder her.
Nur Harry – der Mann, der seit Jahren andere als Lügner und Vernebler diskreditiert, der lässt seine Fotos nach eigenem Gusto bearbeiten, bis er mit viel Fülle und wenig Rot glänzt.

Es liegt mir nun fern, Prince Harry durch den Dreck zu ziehen. Wie gesagt – jeder hat seine Eitelkeiten. Aber sieht er wirklich nicht, dass tausende von Fotos von ihm im Umlauf sind, auf denen man genau sieht, wie es um seine Haarpracht steht?

Es gehört einfach dazu, wenn man in der heutigen Zeit lebt und wieder und wieder die Medien (zu Recht) an ihre Pflicht zur Wahrheit und Authentizität erinnert, dass man selbst mit gutem Beispiel vorangeht.

A propos „vorangeht“ … Ich hätte da noch ein paar Bilder, die genau so veröffentlicht worden sind.
Falls sich jemand an ferngesteuerte Spielfilm- Aliens erinnert fühlt … Willkommen im Club!

Manchmal fehlen einem einfach die Worte.

Margaret, Mustique und Männer

Ein Mann steht still vor der im Boden eingelassenen Grabplatte der St. George’s Chapel in Windsor Castle. Schlank. Akkurat geschnittene graue Haare.
Doch seine Blicke gelten nicht jener Platte am Boden, sondern einem schmalen Stein, der wie an die Wand gelehnt wirkt.

Es ist der Grabstein von Prinzessin Margaret und der Mann ist Roderic Llewellyn. Er hat die Erlaubnis der Königin bekommen, an jenem zwanzigsten Todestag seiner ehemaligen Geliebten an deren Grab zu kommen und ihr seinen Respekt zu erweisen.

Gewiss wanderten seine Gedanken zurück zu jenen unbeschwerten Tagen an ihrer Seite, als die Luft vibrierte vor Liebe und Lebenslust.
Zu jenen Tagen auf Mustique, die sein Leben und auch das von Margaret für immer verändern sollten …

Margaret sagte immer gerne, „Les Jolies Eaux“ sei das einzige Haus, das sie nicht der Krone zu verdanken habe.
Aber stimmt das wirklich? Tatsächlich war der Boden, auf dem es gebaut wurde, ein Hochzeitsgeschenk von Colin Tennant. Der äußerst wohlhabende Tennant wiederum war mit Margarets Freundin Lady Anne Glenconner verheiratet und gehörte somit auch zu Margarets Set.
Es waren die Glenconners, die Margaret nicht nur mit Mustique bekannt machten …

Lady Glenconner hat übrigens als Autorin Furore gemacht. Ihre Autobiografie „Lady in Waiting“ sowie ihre Krimis, die teilweise auch auf deutsch erschienen sind, sind ebenso unterhaltsam wie gut geschrieben.

Tatiana Copeland, die damaligen Gastgeberin der Prinzessin, erzählt, dass Prinzessin Margaret nur dann ein zweites Mal deiner Einladung gefolgt ist, wenn du ihren Lieblings-Whiskey vorrätig hattest. („Famous Grouse“)
Hattest du dir nicht die Mühe gemacht, dich zu informieren und das Getränk heranzuschaffen, sah sie keine Notwendigkeit, sich die Mühe zu machen, ein zweites Mal zu dir zu kommen.

Die Insel war Margarets geheimes Refugium bis zu jenem Tag im Jahre 1976 als die News of the World die Fotos von Margaret mit dem Landschaftsgärtner Rowdy Llewellyn veröffentlichten.

Das Verhältnis der beiden dauerte zu diesem Zeitpunkt schon drei Jahre. Glenconner hatte die beiden miteinander bekannt gemacht.
Problem: Prinzessin Margaret war verheiratet. Mit Anthony Armstrong- Jones.
Und als wäre das noch nicht Skandal genug, war Llewellyn 17 Jahre jünger als Margaret. Das Paradebeispiel eines Toyboy.

Tatsächlich sah sich Margaret nach der Veröffentlichung dazu gezwungen, offiziell die Trennung von ihrem Ehemann bekanntzugeben.

Margaret begab sich normalerweise zwei Mal im Jahr nach Mustique: im Oktober/ November und dann noch einmal im Februar. Selbst mit dem Skandal blieb Mustique ihre Lieblingsinsel und die Copelands ihre Lieblingsgastgeber.
Sie lernten damals beide Margarets kennen, die nette, umgängliche Margaret und die hochnäsige, arrogante Margaret.
„Man wusste nie, welche von beiden vorbeikommen würde“, erinnert sich Copland noch heute. „Wenn man sie um sie kümmerte, ihr die Wünsche von den Augen ablas, hatte man die nette, lustige Margaret. Versäumte man etwas in der Richtung, konnte sie ziemlich übel werden.“
Traf man sie zum ersten Mal, sagte man „You Royal Highness“ und danach „M’am“.

Es wurde teilweise auch bizarr, denn wenn man Brite war, musste man einen Hofknicks vor der Prinzessin machen. Selbst im Bikini am Strand. Davon ausgenommen waren nur die Amerikaner.
Hatten die nicht deswegen die Revolution vom Zaun gebrochen? Na ja – also nicht wegen Margaret direkt…

Besonders für die Freunde, die sie von Mustique kannten, war der körperliche Abstieg der Prinzessin schwer zu verkraften. Sie sind sich noch heute sicher, dass sie nicht wollte, dass man sie so sehe.

Was aber wurde aus Mustique, beziehungsweise „Les Jolies Eaux“?
Margaret vermachte das Anwesen 1996 an ihren Sohn David Linley. Dieser wiederum verkaufte alles dem Geschäftsmann Jim Murray.

Jetzt kann man Les Jolies Eaux mieten. In der Nebensaison kostet es 21.000 Dollar pro Woche und in der Hauptsaison 62.000 Dollar. Aber alles halb so wild, denn der Preis beinhaltet fünf Angestellte und einen Koch.

Gäste waren Mick Jagger, Daniel Craig, Taylor Swift, Bill Gates, Victoria Beckham, Katy Perry, Orlando Bloom, Tommy Hilfiger und David Bowie. Dieser las jeden Dienstag den Schulkindern der Insel Geschichten vor. (Hatten wir von David Bowie etwas andres erwartet?)
Auch royale Gäste wurden schon auf der Insel begrüßt: Prince William, Princess Catherine und ihre Kinder.

Und Tennant selbst, dem einst Mustique gehört hatte? Er kam in finanzielle Schwierigkeiten und musste seine Anteile verkaufen. Er kam in den 80er Jahren noch einmal für eine Doku zurück nach Mustique und ließ ein gewaltiges Zelt errichten, um dort Prinzessin Margaret zu bewirten.
Heute sei Mustique nicht mehr die Party-Insel von einst, wo Prinzessin Margaret hart am Wind segelte. Es sei eine Familien-Zone geworden. Kinderaktivitäten. Das sei es, was Mustique heute ausmache.

Ob Margaret sich da noch wohlgefühlt hätte?