Geheimnisverrat?

Massive Vorwürfe gegen Prince Andrew

Immer, wenn man denkt, es könne nicht schlimmer kommen, hebt irgendwo irgendwer einen Deckel hoch und man kann in einen Topf schauen, in den man lieber nicht geblickt hätte …

Im Moment werden schier unfassbare Anschuldigungen laut, die sich aus den neu veröffentlichten Unterlagen von Jeffrey Epstein ergeben.

China- Gate

So ist seit 2005/ 2006 gerichtsnotorisch, dass Andrew einen direkten Informationskanal zum chinesischen Präsidenten Xi Jinping unterhielt.
Sein enger Vertrauter Yang Tengbo (genannt: „H6“) wurde vom britischen Inlandsgeheimdienst MI5 als mutmaßlicher Spion eingestuft und aus Großbritannien verbannt. Er soll versucht haben, Andrews Einfluss für politische Einflussnahme Chinas zu nutzen.
Tengo hatte Andrew unter anderem dabei unterstützt, eine Geburtstagskarte an den Präsidenten zu schreiben.
Das dürfte allerdings noch der harmloseste Freundschaftsdienst gewesen sein …

Es wird derzeit untersucht, ob Gelder aus China über die Initiative „Pitch@Palace“ an Andrew flossen. Der britische Geheimdienst warnte, Andrew sei aufgrund seines angeschlagenen Rufs anfällig für eine sogenannte „Elite Capture“-Operation Pekings gewesen.

From Russia With Love

In den im Februar 2026 veröffentlichten Epstein-Akten finden sich Hinweise darauf, dass Jeffrey Epstein versuchte, über seine Kontakte zu Andrew und anderen Prominenten Einfluss in Russland zu gewinnen. Es gibt jedoch keine Belege für einen direkten Verrat von Staatsgeheimnissen an den Kreml durch Andrew.
Berichten zufolge besaß Andrew sensible Dokumente (das sogenannte „Helmand-Dokument“) aus seiner Zeit als Handelsbotschafter. Es besteht der Verdacht, dass solche Informationen in den Dunstkreis Epsteins und damit potenziell an fremde Mächte gelangt sein könnten.

Ich fürchte, wer denkt, dass ein Jeffrey Epstein keine Gegenleistungen erwartet hat, ist ziemlich naiv. Und Andrew war sicherlich töricht und selbstverliebt genug, um dem Werben des Finanziers nachzugeben.

Bislang ist nur ein Bruchteil der Unterlagen ausgewertet und wir werden definitiv noch mit den Ohren schlackern. Dann geht es nicht mehr nur um solche Sex- Histörchen wie wir sie bislang von Andrew kannten …

„Judith und Hamnet“: Sechs Richtige mit Zusatzzahl

„Judith und Hamnet“: Sechs Richtige mit Zusatzzahl

Da ich immer wieder höre, wie sehr euch die historischen Romane gefallen, habe ich mich umgeschaut und bin auf einen der besten der letzten Jahre gestoßen:
„Judith und Hamnet“ von Maggie O’Farrell.
Erschienen ist das Ganze im Piper Verlag. Ich persönlich habe es als E-Book gelesen, aber ihr bekommt es natürlich auch als Printausgabe.

Selbst bin ich über dieses Buch tatsächlich schon im Sommer gestolpert, da war ich mit meinem Sohn in England und wir waren auch in Stratford-upon-Avon, der berühmten Shakespeare-Stadt.

Shakespeares Elternhaus in Stratford-upon-Avon

In Stratford gibt es einige Buchgeschäfte und noch eine Handvoll Häuser, die man besichtigen kann, die mit Shakespeare selbst zu tun haben.
Bevor ich anfange, den Roman vorzustellen, möchte ich euch ein bisschen was über Stratford erzählen. Es ist im Prinzip eine sehr hübsche Stadt, allerdings gibt es in England wesentlich schönere kleine Orte, die nicht derartig von Touristen überlaufen sind. Das ist in den Cotswolds immer ein bisschen schwierig, weil die hübschesten Orte voll touristisch erschlossen sind, wie man so schön sagt.
Wir waren z.B. in Castle Combe – da gibt es einen Parkplatz vor der Dorf, auf den man sich stellen muss um dann zu Fuß in den Ort zu kommen.

Mit Stratford-upon-Avon habe ich persönlich soweit abgeschlossen.
Das Ganze vor dem Hintergrund, dass es für mich nicht mehr gutierbar ist, weil jetzt sogar schon diese silber angemalten Automatik-Menschen vor den Sehenswürdigkeiten rumstehen und nach Münzen gieren.
Wer noch nie in Stratford war, aber Shakespeare mag, dem sei es natürlich empfohlen, sich das Ganze mal anzugucken. Offiziell gibt es fünf Häuser, allerdings ist das Haus, in dem Shakespeare aufgewachsen ist, nicht mehr vorhanden. Es steht auf demselben Areal ein später errichtetes Haus.
Jenes Haus, in dem er mit seiner Familie gewohnt hat, ist schon interessanter, allerdings sind auch darüber gefühlte Millionen von Touristen hinweggegangen. In Stratford legt man sehr viel Wert auf das Pfund der Touristen, aber man bekommt relativ wenig zurück.

Was ich aber dort im Museumsshop entdeckt habe, ist der Roman „Hamnet“.

Ich wollte ihn mir dort schon kaufen, habe es dann aber gelassen, bis ich wieder daheim war. Dann habe ich entdeckt, dass es eine deutsche Übersetzung gibt. Im Original heißt das Buch einfach nur „Hamnet“, in der deutschen Übersetzung heißt es „Judith und Hamnet“, weil – wichtig – der Roman dreht sich um das Zwillingspaar Judith und Hamnet, die Kinder von William Shakespeare.

Warum stelle ich euch dieses Buch vor? Weil es ganz ungewöhnlich geschrieben ist. Ich bin ein bisschen „geschmecklerisch“, was historische Romane angeht. Früher wollte ich viel über die Zeit lernen, heute sprechen mich Romane an, wenn sie von der „Schreibe“ her besonders sind. Ich mag weniger die Sachen, die brav runtererzählt sind. Bei Rebecca Gablé beispielsweise sind mir die Figuren oft zu „straight“ von A nach B erzählt, ohne große Entwicklung oder „Sapperlot-Momente“, wo man denkt: „Wow, das habe ich nicht kommen sehen.“

Mit Hamnet habe ich einen Roman entdeckt, wo nicht nur jede Menge dieser Sapperlot-Momente passieren, sondern wo ich Menschen und ihre Beziehungen sehr wahr und vielschichtig dargestellt bekomme. Maggie O’Farrell schafft es sprachlich, diese Interaktionen wunderbar darzustellen. Der Roman beginnt damit, dass Judith, die eine Hälfte des Zwillingspärchens, krank wird – sie hat offensichtlich die Beulenpest. Ihr Bruder Hamnet eilt durch das leere Haus und sucht nach Hilfe, findet aber niemanden. Die Autorin nimmt uns so geschickt an die Hand, dass man sich vollkommen mit Hamnet identifiziert. Die Szene spielt sich vor den Augen des Lesers wie ein Film ab.

So schreibt O’Farrell nicht einfach wie die Pest nach Stratford kam und wie sich Judith infizierte – sie nimmt die Leser förmlich zu einer Abenteuerfahrt mit. Wir lernen den Übertragungsweg kennen – aber anhand von Figuren, die uns innerhalb weniger Sätze ans Herz wachsen. Wir betrachten den Übertragungsweg sozusagen aus einer beinahe himmlischen Position heraus, wo wir alle wissen (oder ahnen), während die Betroffenen ahnungslos in ihren Untergang laufen.

Es gab diese Ausbrüche der Pest immer wieder. Ein Heilmittel gab es nicht. Die Menschen damals hatten viel Ahnung von Kräutern, weil Ärzte teuer und im Normalfall ahnungslos waren. Ein Küchengarten war immer auch ein Heilkräutergarten. Das Buch stellt dieses Leben in und mit der Natur wundervoll dar. Ich habe mich richtiggehend in die Atmosphäre der Shakespeare-Häuser zurückversetzt gefühlt.

Hier drüber seht ihr zwei Aufnahmen aus Anne Hathaways Haus in Shottery, vor den Türen von Stratford, die ich ebenfalls im letzten Sommer aufgenommen habe.

Kein Wunder, dass der Roman umgehend verfilmt wurde!
Wie filmreif O’Farrell schreibt, seht ihr hier:

Sie stehen lange auf dem Feld, Bartholomew, John und Joan. Die anderen Kinder sehen unbemerkt, versteckt hinter einer Mauer, zu. Nach einer Weile tuscheln sie untereinander: »Ist es entschieden, ist es beschlossen, ist Agnes zu ihrem Haus gegangen, wird sie vermählt werden, wird sie nie wiederkommen?« Bis der kleinste Bruder dieses Spiels, dieses Herumstehens an irgendeiner Mauer überdrüssig wird und quengelt, dass er heruntergelassen werden will. Die Schwestern aber wenden ihre Augen keinen Moment lang von den drei Gestalten ab, die zwischen den Schafen stehen. Die Hunde rascheln und gähnen, legen den Kopf auf die Pfoten und heben ihn hin und wieder, um fragend zu Thomas zu schauen. Sie sehen, wie ihr ältester Bruder den Kopf schüttelt, sich zur Seite abwendet, als wolle er das Gespräch beenden. Der Handschuhmacher scheint inständig zu bitten, indem er erst die eine, dann die andere Faust aufmacht. Er zählt etwas an den Fingern seiner rechten Hand ab. Joan spricht aufgebracht und lange, wobei sie mit den Armen rudert, auf das Haus deutet, die Hände in ihre Schürze krallt. Bartholomew starrt grimmig auf die Schafe, bevor er die Hand ausstreckt, ein Schaf am Rücken packt und seinen Kopf in Richtung des Handschuhmachers dreht, als wolle er dem Mann in Bezug auf das Tier etwas beweisen. Der Handschuhmacher nickt heftig, hält eine wortreiche Rede, lächelt dann wie im Triumph. Bartholomew klopft sich mit seinem Knüppel gegen den Stiefel, ein sicheres Zeichen dafür, dass er unzufrieden ist. Der Handschuhmacher tritt näher; Joan weicht nicht zurück. Der Handschuhmacher legt Bartholomew eine Hand auf die Schulter; der Bauer lässt ihn gewähren. Dann schütteln sie sich die Hand. Der Handschuhmacher mit Joan, und dann mit Bartholomew. »Oh«, sagt eines der Mädchen. Die Kinder atmen auf. »Es ist beschlossen«, flüstert Caterina.

An dieser kleinen Szene erkennen wir die Meisterschaft der Autorin.
Wir sehen die Szene der Eheverhandlungen zwischen den Shakespeares und den Hathaways aus der Perspektive von Agnes Geschwistern, die die Erwachsenen beobachten. Wir wissen nicht mehr als sie, was zur Spannung der Szene beiträgt (inklusive der falschen Schlüsse, die gezogen werden…) – umso überraschender das Ergebnis …

Es sind sehr realistische Menschen in ihrer ganzen Vielschichtigkeit. Spannenderweise heißt die Heldin im Roman Agnes (oder Anis gesprochen). Historisch ist sie als Anne Hathaway bekannt, aber zu der Zeit war der Name Agnes/Anis/ Anne austauschbar. Die Autorin wählte diesen Namen – wie sie sagte- bewusst, um die Figur von den Klischees zu lösen. Shakespeares Name selbst wird im ganzen Buch nie erwähnt, obwohl jeder weiß, wer gemeint ist. Er ist eine wichtige Nebenfigur. Man erfährt, wie er versucht, der Brutalität seines Vaters in Stratford zu entkommen, welche Hoffnungen er in die Ehe mit Agnes setzt. aber auch an ihrer Seite findet er keine Ruhe.

Historisch gesehen wissen wir wenig über Shakespeares Frau. In seinem Testament vermachte er ihr das „zweitbeste Bett“, was zu vielen Spekulationen führte. Er hat die wesentlich ältere Frau mit 18 geheiratet, da sie bereits von ihm schwanger war. Nach ihrem Tod wurde sie neben ihrem bereits verstorbenen Mann begraben.
Wesentlich mehr ist nicht bekannt.

Man bekommt in dem Roman ein sehr gutes Gefühl dafür, wie entschleunigt, aber auch aufwendig das Leben damals war. Wenn man heute Hilfe braucht, greift man zum Handy. Damals war man darauf angewiesen, dass z.B. Briefe durch „Goodwill“ von Reisenden weitertransportiert wurden. Analphabetismus war ein großes Thema; selbst Shakespeares Kinder konnten kaum lesen.
Es herrschte ein tiefes Wissen darüber, dass sich die Existenz von einer Sekunde auf die andere ändern kann. Man könnte auch Schicksalsergebenheit nennen.
Dieses Wissen wird auf die Probe gestellt, als eben nicht Judith an der Pest stirbt, sondern ihr Zwillingsbruder Hamnet.
Man erlebt eindringlich, wie die Familie mit dem Verlust umgeht. Judith wartet Nacht für Nacht am Haus der Großeltern auf ihren Bruder. Es ist unglaublich bewegend und ehrlich geschildert.

Nicht ohne Grund war Queen Camilla bei der Filmpremiere, wurde der Roman doch in ihrem „The Queen’s Reading Room“- Projekt empfohlen.

Gegen Ende des Romans erfährt Agnes übrigens, dass William in London ein Stück namens Hamlet aufführt.
Sie reist empört nach London, um ihn zur Rede zu stellen, weil sie glaubt, er schlage Kapital aus dem Tod des Sohnes. Was passiert als sie das Stück sieht, will ich hier natürlich nicht verraten…

FAZIT
„Judith und Hamnet“ ist ein wunderbarer Roman, den man einfach zur Unterhaltung lesen kann, um ins 16. Jahrhundert einzutauchen – aber auch mit tiefem emotionalem Gewinn. Wobei er nicht für einen Moment gefühlsduselig oder gar langweilig wird. O’Farrell beschreibt zutiefst menschliche, wahre Interaktionen. Man ist ganz dicht bei den Personen, denn gewisse Dinge ändern sich einfach nicht.

Ich möchte euch dieses Buch ganz besonders ans Herz legen. Schreibt mir gerne in die Kommentare, ob ihr es gelesen habt. Wie hat es euch gefallen? Hat es euch Lust gemacht, noch andere Bücher von O’Farrell zu lesen?

Was Sie schon immer über die Queen wissen wollten, sich aber nicht zu fragen wagten …

Was Sie schon immer über die Queen wissen wollten, sich aber nicht zu fragen wagten …

Credits: Busse Seewald Lifestyle

Also ich muss gestehen, dass ich eigentlich dachte, meine Bild der Queen sei fertig.
Ich hatte über die Jahrzehnte so viel über sie gelesen (vom dünnen Ladybug-Bändchen bis zum Gyles Brandreth-Schinken), dass ich der festen Überzeugung war, es könne höchstens noch Splitterchen geben, die in meinem Mosaik fehlen.

Nun musste ich mich allerdings eines Besseren belehren lassen … und zwar durch einen vergleichsweise schmalen Band aus der Lifestyle– Reihe des Busse Seewald Verlags.

Tatsächlich finden sich hier so viele Facetten der Queen, die ich so bislang nicht wirklich auf dem Schirm hatte, dass es mich komplett verblüffte.

Zunächst zum Buch selbst – es ist gebunden und hat überraschenderweise nicht viele Fotos. Die, die sich in dem Band finden, sind allesamt schwarz/weiß und es gibt auch keinen Fotoblock in der Mitte.
Dennoch ist das Buch ungeheuer farbenfroh. Nur eben in anderer Art und Weise …

Es ist auch nicht chronologisch, sondern thematisch sortiert. („Pflichtgefühl“, „Familienwerte“, „All die Pferde der Königin“…)
Der Untertitel „Lebensweisheiten“ ist etwas irreführend, denn wir finden keine Ansammlung von Zitaten, die uns über die Hürden unseres irdischen Jammertals hinweghelfen würden, sondern präsentiert uns ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Konglomerat von interessanten Fakten über sie.

Besonders interessant ist an dem Buch auch, dass uns nicht nur die Königin nähergebracht wird, sondern auch die Menschen, die sie umgeben haben.
Vor allem Philip ist mir hierbei mit einem ziemlich traurigen Zitat in Erinnerung geblieben: „Als er kurz vor seinem neunzigsten Geburtstag gefragt wurde, für was er gerne in Erinnerung bleiben würde, war Prinz Philip kurz ratlos. Was ihn betraf, so hatte er nur seine Pflicht getan. „Ich bezweifle, dass ich etwas erreicht habe, für das man mich in Erinnerung behalten wird.““

Aber auch die Herzogin von York, die ihren Töchtern mit auf den Lebensweg gegeben hat, dass sie äußerst privilegierte junge Frauen sind und sich deswegen auch entsprechend in der Öffentlichkeit zu präsentieren haben. Nicht mürrisch und abweisend, sondern freundlich und dankbar.
Eine Weisheit, die die beliebtesten Royals ohne jeden Zweifel verstanden haben und leben.

Ganz so düster wie in dem Prinz Philip- Zitat bleibt das Buch aber nicht, denn wir erfahren auch, dass die angeblich so stoische Queen nicht immer ganz so stoisch war. So kam es zu Beginn ihrer Ehe bei einer Auslandsreise zu einem sehr heftigen Streit zwischen ihr und Prinz Philip. Es wurde so energisch gestritten, dass Sportgeräte geflogen sind.
Nach einem Streit auf der Britannia erklärte die Queen: „Ich komme nicht eher aus meiner Kabine bis er bessere Laune hat. Ich bleibe hier auf meinem Bett , bis er sich beruhigt hat.“

Diese kleinen Episoden sind es, die das Buch so interessant machen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Ihre Majestät auf ihrem Bett sitzt und draußen Prinz Philip sein Mütchen kühlt. Szenen einer nicht ganz normalen Ehe …

FAZIT:
Alles in allem ist das Buch absolut unterhaltsam, kenntnisreich und empfehlenswert.
Als Sahnehäubchen gibt es am Ende übrigens nicht nur die zu erwartende Literaturliste, sondern auch noch einen Anhang mit interessanten Homepages, die man ebenfalls heranziehen kann, wenn man sein Wissen über die Royals vertiefen möchte.

FAKTEN:
Karen Dolby: Queen Elizabeth II – Lebensweisheiten, Seewald Busse Lifestyle, München 2022, 191 Seiten, 15 €

Unter Kronen wandeln

Unter Kronen wandeln

… das kann man auf jedem Fall in diesem wunderbaren Buch.

Sicherlich erinnert ihr euch noch an meinen YouTube-Film, den ich in Saverne in der Roseraie gemacht habe und in dem ich euch mehrere Bücher über königliche Gärten vorgestellt habe. So über den Garten des Buckingham Palace und Prince Charles‘ Highgrove.
Damals hatte ich eigentlich ein Buch auf Deutsch gesucht, das alle königlichen Gärten zusammenfassend vorstellt. Da ich keines entdecken konnte, musste ich auf ein altes Buch zu einer BBC-Reihe zurückgreifen, das aber alleine schon deswegen nicht so toll war, weil es nur auf Englisch und nur antiquarisch zu bekommen war.

Jetzt kann ich euch allerdings begeistert berichten, dass ich ein Buch gefunden habe, das meine Wünsche (über)erfüllt:

Alleine schon das Cover ist ein Hingucker!

Folgendes muss man vorausschicken:
Die Autorin Stefanie Bisping ist Reisejournalistin und schaffte es 2020 sogar zur Nummer eins unter den Reisejournalisten. (Zu Recht übrigens)
Dass sie weiß, was sie tut, sieht man auf den ersten Blick:
Nicht nur, dass wir – verteilt über 222 Seiten – fundierte Artikel zu den jeweiligen Gärten finden, es gibt auch praktische Handreichungen:
So findet sich gleich am Anfang auf der rechten Seite eine Karte des Vereinten Königreichs, indem die vorgestellten Gärten verzeichnet sind. Auf der linken Seite findet sich die Liste der Gärten mit der zugehörigen Seitenzahl.
So hat man alles auf einen Blick zusammen und kann auch eine Gartenreise entsprechend planen.

Highgrove Gardens
Credits: Frederking& Thaler Verlag

Hier kommt nun das einzige „Manko“ des Buches: um es einfach so bei einer Reise in der Tasche mitzuführen, ist es zu groß und zu schwer. Aber alleine die Qualität der Fotografien macht dieses „Manko“ absolut wett.

Es ist eine solche Freude, die Seiten durchzublättern … Ich selbst habe einen Gutteil der vorgestellten Gärten schon besucht und kann sagen, dass die Bilder kongenial zu den Originalen sind. Sie fangen die ganze Atmosphäre der Gärten wunderbar ein und man meint ständig, den frischen Wind und den Duft der Blüten zu spüren.

Osborne House – Prince Alberts Werk
Credits: Frederking und Thaler Verlag

Insgesamt werden übrigens 37 Gärten vorgestellt. Unter anderem die Gärten des Buckingham Palace, Highgrove, Glamis Castle, Hampton Court Palace und viele mehr.
Jetzt fragt ihr natürlich: Gibt es denn 37 Königsschlösser in UK mit zu besichtigenden Gärten?
Die Antwort lautet ganz klar: Nein!
Stefanie Bisping stellt nämlich auch solche Gärten vor, die nur indirekte royale Verbindungen haben. So zum Beispiel den Garten von Althorp House, in dem Prinzessin Diana aufgewachsen ist.

Wir erfahren jeweils Interessantes über die Geschichte des Anwesens, dazu werden die gärtnerischen Besonderheiten gezeigt. Am Ende jedes Artikels findet man dann einen Hinweis zu Öffnungszeiten, Lage und Homepage.

Besonders schön ist auch zum Beispiel ein Hinweis wie bei Penshurst Place – hier erfahren wir, dass man sich per Mail über die Pfingstrosenblüte informieren lassen kann. So verpasst man nichts mehr.

Ein kleiner Anhang mit Buchtipps hilft einem, wenn man nicht genug vom Thema bekommen kann. (Dort taucht übrigens auch das von mir präsentierte Buch über Highgrove auf … )

Alles in allem ist dieses Buch perfekt für alle Großbritannien / Garten / Royalty / Schlösser / Wunderbarkeiten- Fans.
Also kurz: für jeden.

Arundel Castle
Credits: Frederking und Thaler Verlag

WARNUNG: Wer dieses Buch liest, wird umgehend den unüberwindlichen Drang verspüren, seine Koffer zu packen und die nächstmögliche Überfahrt nach England zu buchen …

HEXEN – HEXEN – HEXEN II

Naturwissenschaftler gegen den Rest der Welt – HEAR! HEAR!
Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit bewegte sich die Naturforschung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Empirie. Die Forscher standen vor der Frage, inwieweit sie das überlieferte, tradierte Wissen übernehmen sollten, und inwieweit eigene empirische Untersuchungen und darauf gegründete Theorien aussichtsreich waren. Die Tradition wurde oft an den antiken Autoritäten Aristoteles oder Ptolemäus festgemacht, aber auch an Aussagen der Bibel. Mit der zunehmenden Wertschätzung neuer, überprüfbarer empirischer Ergebnisse verband sich manchmal die Polemik, andersdenkenden Forschern übertriebenes Festhalten an der Tradition (als Grund für deren von der eigenen Position abweichende Meinungen) zu unterstellen.[21] Die von Johannes Gutenberg entwickelte Technik des maschinellen Buchdrucks spielte ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle für die Verbreitung neuer Erkenntnisse und die kritische Auseinandersetzung mit ihnen. (Quelle: wikipedia)


Damit wäre die Crux des Hexenwesens und der Abgrund definiert, der sich spätestens ab dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa und später auch in den USA auftat, und der bis zum heutigen Tage nicht geschlossen wurde. Aberglaube gegen Aufklärung.

Ah- ha! Und wer definiert nun, was Aberglauben ist?
Das ist der ureigenste Job der Kirche. Wie bereits erwähnt, hatte die katholische Kirche bereits hunderte Jahre zuvor festgelegt, dass der Hexenglaube ein Aberglaube und damit nicht akzeptabel sei.
Eine ziemlich fortschrittliche Ansicht.
Der Glaube an Hexen und Zauberei gehörte also erklärterweise in den Bereich des Heidentums.

Okay … Und wieso hat die Kirche sich dann an den Hexenprozessen/ Hexenjagden beteiligt?
Sehr gute Frage! Setzen! Eins!
Wie kann man etwas jagen, von dem man selbst sagt, dass es gar nicht existiert???
Und das ist genau der Punkt, den ich auch viele Jahre lang nicht verstanden habe, bis ich die folgende Erklärung fand:

Hexen existieren nicht, wohl aber Leute, die an sie glauben, sowie Leute, die sich selbst für Hexen halten. (Männer wie Frauen!). Sie mischen Rituale, Magie und Kräuterkunde und bieten dies teilweise als Dienstleistung an.
So weit so unproblematisch. Auch für die Kirche. Das mit der Magie war nicht cool, aber man hat es hingenommen. In der Messe hat man die Gläubigen ermahnt, in der Beichte getadelt, aber dabei blieb es dann. Denn die katholische Kirche ist viel und vor allem PRAGMATISCH.

Und dann war plötzlich Schluss mit lustig. Leute wurden verhaftet, angeklagt, weltlichen Gerichten überstellt und abgeurteilt.
WHY?
Weil der Teufel im Detail steckt. (Betonung auf „Teufel“)
Noch einmal – für ein klareres Bild – sei Folgendes gesagt:
Kräutermedizin& Co. waren kein Problem. Auch Magie wurde straflos angewendet, um bei Leiden im weitesten Sinne zu helfen. (Magische Rituale enthielten nicht selten Bibelzitate und Gebete)
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.
Viele Hexen begannen nämlich, ein One- Stop- Shop zu werden. Das heißt, es wurden nicht nur Tränke und Mysterien zur Heilung verkauft, sondern den Kunden auch der eine oder andere vom Hals geschafft.

Rufen wir uns also nochmals das Bild vor Augen, das die Menschen von Hexen hatten:
Eine Hexe ist eine Person, die sich mit Magie und Substanzen auskennt, über die die normalen Mitbürger praktisch nichts wissen.
Sie (oder er) kann Gutes damit tun, aber auch schaden.
Geschieht nun im Dorf etwas, für das die Leute keine Erklärung finden, liegt es auf der Hand, dass sie dahin schauen, wo die Person sitzt, die über Erklärungen verfügt – zur Hexe!

Jetzt wäre also der Beelzebub mit im Boot und ab da wird alles schwierig, denn wenn der Verdacht geäußert ist, die Hexen könnten sich mit dem Teufel eingelassen haben, kann weder Kirche noch Obrigkeit dabeistehen und mit den Schultern zucken, denn jetzt geht es um die unsterbliche Seele.
Hier ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass der Teufel für die Kirche bis heute eine Realität ist. Das böse Gegenprinzip zu Gott.

Jetzt kommt schon wieder ein MERKE WICHTIG!
Wenn man die Menschen damals verstehen will, kommt man um das Thema Kirche und Religion nicht herum.
Im Deutschland des Jahres 2022 haben wir uns an den Atheismus gewöhnt. Wir holen aus dem Hier und Jetzt heraus, was wir kriegen können und scheren uns nur am Rande um das Danach …
Hölle und Fegefeuer sind keine Größen mehr in unserem Denken, und die Kirche betreten die meisten nur noch aus kunstgeschichtlichen Gründen, oder weil niemand eine Hochzeit so toll bringt wie die katholische Kirche. (Alleine die Orgelmusik und der Gang zum Altar … seufz …)

Es gab aber auch andere Zeiten – und um die kümmern WIR uns.
Inzwischen sollte auch der Letzte die Zeitreise gemacht haben und zum besseren Verständnis sein modernes Bewusstsein abschalten. (Ist auch eine Überlebensfrage … Sage im frühen 17. Jahrhundert in einem Dorf „Gott ist tot“ und schon wirst du entweder totgeschlagen, oder in ein Loch geworfen. Also behalte diese Weisheit besser für dich …)
Wir steigen in einer Zeit aus, die Atheismus nicht mal denken kann.
Kirchenkritik ist natürlich möglich (siehe dazu auch Martin Luther), kann aber gefährlich werden.

Also:
1. „Gott ist tot“ ist tot
2. Es gibt eine Hölle (Schon mal Finger verbrannt? – HÖLLE ist SCHLIMMER. Und hört blöderweise auch nicht mehr auf)
3. Hexen können hexen
4. Deine Kuh ist krank geworden und du hast nichts falsch gemacht? Denk mal nach!
5. Es gibt eine Obrigkeit im Himmel und auf Erden und wenn du gegen die vorgehen willst, z.B. mit juristischen Mitteln – viel Spaß dabei!!! (Wir sehen uns bei Punkt 2 wieder …)

Was ich hier jetzt so launig beschreibe, ist REALITÄT für die Menschen der damaligen Zeit. Sie leben in einem Obrigkeitssystem, in der absolut JEDER jemanden hat, der über ihm steht, und ihm das Leben wirklich schwer machen kann. Es handelt sich um ein engmaschiges Netz aus Verbindungen und Verbindlichkeiten.
Wenn man auch kein Leibeigener ist, so hat man sich doch an unabänderbare Regeln zu halten.
Das wiederum hat aber auch einen Vorteil: Dieses Netz trägt.
Die Kirche bildet z.B. ein Sozialsystem, das all jenen hilft, die in Not geraten sind. Ist man z.B. auf dem Weg von A nach B, bekommt man in jedem Kloster Unterkunft und Verpflegung.
(Exkurs: als sich Heinrich VIII von England von der katholischen Kirche gelöst hat, die Kirchengüter eingezogen und die Klöster aufgelöst, hat er auch gleichzeitig seinen Untertanen den sozialen Rückhalt genommen, denn er hat leider vergessen (…), das Vermögen zumindest teilweise zu teilen … Daher kam es zu Aufständen („Pilgrimage of Grace“). Es gab keine Hilfe in Not mehr und die Seele war auch noch der Verdammnis überantwortet. Ein hoher Preis, nur um eine Frau ins Bett zu kriegen und eine andere loszuwerden …)

Weiterhin ist wichtig zu bedenken, dass noch immer galt, dass das was dem Landesherrn widerfuhr auch die Bevölkerung traf. Wurde also der Fürst exkommuniziert, wurden alle Kirchen geschlossen. Es gab keine Taufen, Hochzeiten oder Beisetzungen mit dem Segen Gottes mehr.
Was das für die Menschen bedeutete, kann man sich mit unserem heutigen Denken sicherlich kaum noch vorstellen.

Bell, book and candle …
Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen!
Kirchenbann oder Exkommunikation wurden durchgeführt, indem eine Glocke geläutet wurde (soll an die Totenglocke erinnern), die Bibel zugeschlagen und eine Kerze gelöscht wird.
Sodann wird vom betreffenden Bischof ein Brief an die den Ausgestoßenen umgebenden Diözesen geschrieben, damit der Ausgestoßene sich nicht unerlaubt Zutritt zu den dortigen Riten verschaffen kann.

Wir haben nun also schon ein wenig von jenem engmaschigen Netz kennengelernt, das die Menschen zusammen, – und manchmal auch festgehalten hat.
Dieses Netz war es, was einem im Zweifelsfall das Überleben sicherte, indem man in einer Gemeinschaft eben alles teilte.

Das Schlimmste in solch einer Gemeinschaft war – folgerichtig – ausgestoßen zu werden.
Vogelfrei zu sein war im Normalfall ein Todesurteil.
Nicht nur, dass dich jeder der wollte, ungestraft töten durfte – im Zweifelsfall hat dir keiner auch nur mit einem Brocken Brot geholfen.

Ja – vieles damals bedeutete Leben oder Tod.

Umso schwerer wog nun – um zu unserem Thema zurückzukehren – wenn sich jemand außerhalb dieser Gesellschaft stellte, sie in Frage stellte.
Oder ihr sogar Schaden zufügte.

ERINNERUNG!!!!
Wir befinden uns in einer Zeit, unter Menschen, denen Wissenschaft ein Fremdwort ist. In ihrem Horizont finden sich aber stattdessen – Erfahrungswerte!
Denkt dran: Die Menschen zu dieser Zeit unterscheiden nicht zwischen Wissen und Glauben.

Glauben IST Wissen

Und nun komme ich zu einem Punkt, der vielleicht für den einen oder anderen schwer zu verdauen ist …
Viele Hexen hielten sich selbst für Hexen.

PROUD TO BE A WITCH!

Eine Hexe war – unter Umständen sogar zurecht – stolz auf ihre Fähigkeiten, die sie besonders machten.
Zudem konnte sie anderen helfen und damit Geld verdienen.
Also – warum nicht!?
Und nun wird es unschön ———————————–
Es gab nämlich einige Hexen, die die Macht, die sie über die Gemeinschaft auszuüben vermochten, sehr genossen. Ja, man sah in der Hexe nicht nur einen netten Menschen, der einem half, sondern jemanden komplett ambivalenten. Die Hexe konnte einem helfen, im Zweifelsfall aber auch schrecklichen Schaden zufügen.
Ja, mehr noch: einige Hexen nutzten die Furcht vor ihren Fähigkeiten, um sich über Wasser zu halten. Es sind speziell aus England Fälle bekannt, wo Hexen ihre Dörfer derart in Atem hielten, dass Weiler sich auflösten und förmlich vor der Hexe flüchteten.
Wenn man die Gefahren in Betracht zieht, die den Menschen in so einem Fall drohten, bis hin zum Verlust der Existenz, so kann man verstehen, dass sich die Obrigkeit des Öfteren zum Einschreiten gezwungen sah.

Was lernt uns das? Es lernt uns, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die glauben. Sie glauben an die Fähigkeiten der Hexen und unterwerfen sich ihr.
Wenn alles gut läuft, gibt es keine Probleme.
Aber in dieser Welt lief es selten gut. Und die Probleme kamen schneller, und brutaler, als wir es uns vorstellen können.

Ich will ein Beispiel nehmen …
Die Hexen von Pendle…

Am 21. März 1612 ist Alizon Device unterwegs zum Trawten Forest, wo sie auf den Hausierer John Law trifft.
Nachdem dieser sich geweigert hat, dem Mädchen Stecknadeln zu verkaufen (er ist sich sicher, dass sie diese nicht bezahlen könnte), verflucht sie ihn.
Kurz darauf bricht Law zusammen. Wahrscheinlich mit einem leichten Schlaganfall, den er überlebt. (Diese historisch belegte Szene bildet übrigens den Auftakt zu meinem Roman „Afra – Die Geliebte des Hexenjägers“)
Ein paar Tage später besucht Alizon Law und gesteht ihm, ihn verflucht zu haben und bittet ihn um Vergebung. Ende März nun werden Alizon und ihre Mutter Elizabeth wegen Hexerei verhaftet und verhört.
Unter der Folter gesteht Alizon, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein.
Es kommt zu mehreren Verhaftungen und Vernehmungen. Nicht alle gestehen.
Nachdem James Device ein Schaf gestohlen hatte, um Gäste seiner Frau zu versorgen, kam der Stein endgültig ins Rollen.
Es gibt weitere Anklagen.
Schlussendlich kommt es zu einem großen Aufwasch. Man hat den Eindruck, dass alle ungeklärten Todesfälle der vergangenen Jahre untersucht und den diversen Hexen zugeschrieben wurden. Alt oder jung, Mann oder Frau – es traf jeden.
Tragischer Höhepunkt der Geschehnisse war die Zeugenaussage der neunjährigen Jennet Device.
Und nun wurden die normalen Regeln der Rechtsfindung außer Kraft gesetzt.
König James VI/ I persönlich hatte nämlich festgelegt, dass bei der Wahrheitsfindung in Hexenprozessen auch Kinder aussagen können. Das war normalerweise nicht möglich.

Und so stellte man die kleine Jennet bei ihrer Aussage gegen die eigene Mutter, den Bruder und die Schwester, auf einen Tisch, damit sie gut sichtbar war.
Bis heute wird gerätselt, wieso das kleine Mädchen so frei von der Leber aussagte. Selbst von ihrer wutentbrannt schreienden, sie verfluchenden Mutter ließ sie sich nicht irritieren.
Sie erklärte, dass ihre Mutter seit 3 oder 4 Jahren eine Hexe sei und einen Schutzgeist in Form eines braunen Hundes namens Ball habe.
Jennet bezeugte, dass sie mehrere Unterhaltungen zwischen ihrer Mutter und dem Hund belauscht habe, in denen es um die später begangenen Morde ging.
Auch ihr Bruder James sagte in diesem Sinne aus. Er wusste allerdings noch zu berichten, dass die Mutter Tonfiguren ihrer Opfer angefertigt habe.
Da James sich selbst betreffend ebenfalls bereits Geständnisse gemacht hatte und Jennet ausgesagt hatte, ihr Bruder habe ebenfalls mit dem Hund über die Morde gesprochen, wurde er – genau wie der Großteil seiner Familie – zum Tode verurteilt.

Und so wurden im August 1612 zehn Menschen gehängt. Unter anderem Jennets Bruder James und die Mutter Elizabeth.

Insgesamt – so schätzt man heute – kamen bei den englischen Hexenjagden ca. 500 Menschen ums Leben.

Man fragt sich nun, was wohl aus der kleinen Jennet geworden sein mag …
Tatsächlich verliert sich ihre Spur in den Nebeln der Zeit.
Vielleicht aber auch nicht so ganz, denn es fand sich inzwischen eine Urkunde vom 24. März 1634, in dem der Name Jennet Device auf einer Liste mit 20 Namen auftaucht, die in Lancaster als Hexen angeklagt worden waren. Es ging hierbei um den Mord an Isabel Nutter.
Hauptzeuge in diesem Prozess war ein Zehnjähriger namens Edmund Robinson.
Doch diesmal ging alles nicht so glatt. Die Zeugenaussage wurde nicht akzeptiert und man brachte den Jungen vor König James, wo er seine Aussage wiederholen sollte.
Jetzt gab er zu, sich alles ausgedacht zu haben.
Gut für die Angeklagten, wird man nun denken. Doch – weit gefehlt!
Keiner der Angeklagten wurde freigelassen. Am 22. August 1636 wurde Jennet noch als inhaftiert gelistet.
Die Inhaftierten starben im Gefängnis.
Welch bittere Ironie.

Ach ja – wieso hat man die nun als unschuldig erkannten Leute nicht entlassen?
Das hing ebenfalls mit dem Justizsystem zusammen.
Ob schuldig oder nicht – jeder Inhaftierte musste selbst für seinen Unterhalt im Gefängnis bezahlen. Konnte man dies nicht, konnte man auch das Gefängnis nicht verlassen.
So war es wohl schlussendlich Jennet zum Verhängnis geworden, dass dank ihrer Aussagen Jahre zuvor ihre Familie praktisch ausgerottet worden war. Nun gab es niemanden mehr, der sie hätte auslösen können …

Fortsetzung folgt …