Flirt mit dem Untergang …

Flirt mit dem Untergang …

Das Ganze ist mir so peinlich. Was ich geschrieben habe, spiegelt nicht den Menschen, der ich gerne sein möchte. Ich entschuldige mich. Es war eine absolute Fehleinschätzung. Ich hätte niemals …

So oder so ähnlich tönt es uns in den letzten Wochen wieder und wieder aus Norwegen entgegen.

Von wo die Rufe kommen? Von Kronprinzessin Mette Marit, der künftigen Königin von Norwegen.

Es geht um ihre Freundschaft… nein BEZIEHUNG zum verurteilten Kinderschänder Jeffrey Epstein.

Wieso sage ich „Beziehung“?
Ganz einfach!
Lesen wir die Mails, die die beiden ausgetauscht haben und stellen wir uns vor, es stünden andere Namen als Absender. Paul und Paula? Sven und Annika? Wir würden auf jeden Fall sagen, dass zumindest die Frau heftig in den Mann verknallt ist.
Sie flirtet. Mit dem Untergang – wie wir heute wissen.

Meine Oma hätte mit sehr schmalen Lippen gesagt: „Es schickt sich nicht für eine verheiratete Frau, nachts mit einem anderen Mann als ihrem eigenen durch einen Park zu spazieren.“
Und ich muss ihr Recht geben.

Stellt sich für mich die Frage: Mette Marit hat Epstein im Januar 2013 für vier Tage auf seinem Anwesen in Florida besucht. Sie trafen sich außerdem bei einem Urlaub auf der Insel Saint Barthélemy.
In ihren Emails nennt sie ihn „Sweetheart“ und beteuert ihm, wie sehr sie ihn, „ihren verrückten Freund“, vermisse.

Dass auch die Norweger solches Verhalten ihrer künftigen Königin nicht goutieren, schlägt sich inzwischen in den Umfragen nieder. Nur noch knapp 20% aller Befragten halten sie als künftige Königin noch für tragbar. Tendenz fallend.

Je länger das Königshaus zuschaut, desto verheerender wird das Ergebnis sein. Jeder Tag, den man mit wachsweichen Erklärungen verschwendet, lässt die Abrissbirne einmal mehr in die Krone krachen.

Nun kann man natürlich sagen: Die versuchen zu retten, was zu retten ist. Respektive: sie denken, sie können den Kopf einziehen und warten bis der Sturm vorüberzieht. Aber ist das die Lösung? Ist das die Denke, die wir bei den Leuten an der Spitze unserer Gesellschaften sehen wollen?
In das gleiche Loch fällt die heutige Erklärung des Prinzen und der Prinzessin von Wales, dass die Epstein- Affäre sie mit Sorge erfüllt, ihre Gedanken aber weiterhin auf die Opfer gerichtet sind.
Oh NEIN! WIRKLICH???

Die Situation in England

Den Kopf einzuziehen – das versucht man derzeit in England, hat da aber auch eine andere Gemengelage:
Der dort betroffen Andrew M-W ist ein Ex. Ein Ex- Prinz, ein Ex- Wirtschaftsbotschafter, ein Ex- Offizier, der keine Aufgabe mehr im öffentlichen Leben des Landes hat. Kein Working- Royal.
Man kann ihn aus dem Blick der Öffentlichkeit nehmen und es entsteht keine Lücke.
Das hatte man bereits versucht, doch nachdem man Andrew wieder und wieder auf dem Pferderücken durch den Windsor Great Park hat reiten sehen, oder tiefenentspannt mit dem Auto durch die Gegend schippern (wo er dann auch mal Bauarbeiter angeschnauzt hat, weil sie Bodenschwellen rund um sein Anwesen verlegt haben) – ist dem König offensichtlich die Hutschnur geplatzt und er hat nachts um 2 die Umzugs-LKWs zur Royal Lodge geschickt.

Die Situation in Norwegen

In Norwegen stellt sich die Situation allerdings anders dar.
Hier haben wir es mit der künftigen Königin zu tun.

Selbst wenn ihr Email- Freund nicht der berüchtigte Jeffrey Epstein gewesen wäre, sondern ein x-beliebiger Sören, Malte oder Björn, hätte man verblüfft die Brauen hochgezogen. Eine künftige Königin, die solche Botschaften mit einem Mann austauscht, der nicht ihr Ehemann ist, würde auch so schon für Irritation sorgen, wenn aber dieser Mann auch noch ein verurteilter Sexualstraftäter ist, dann ist Schicht im Schacht.

Am Ende des Tages haben die Epstein- Akten aber nicht nur das englische und norwegische Königshaus ins Wanken gebracht, sondern auch die dortige politische Landschaft, wurde doch jetzt sogar bekannt, dass mehrere Millionen Dollar aus Epsteins Erbe an die Kinder von Rød Larsen (Mitinitiator der Oslo- Friedensverhandlungen und Präsident des International Peace Institute – IPI in New York) und dessen Frau Mona Yuul (vorweg. UN- Botschafterin) gehen sollten.
Zwar gab es Rücktritte etc aber der Schaden ist angerichtet.

Jetzt ist es an uns allen, die richtigen Stellschrauben zu drehen, damit solcherlei in Zukunft nicht mehr passieren kann.

Was sollen wir nur tun?

In den aktuellen Skandalen gibt es nur Verlierer. So scheint es zumindest…

Verlierer Nr. 1
Das englische Königshaus

zunächst schauen wir mal nach London, wo sich König Charles gestern abermals einem Bürger stellen musste, der ihm bei einem Walkabout zurief, ob Andrew sich nicht langsam mal den Behörden stellen müsse.

Der Mann hat so Unrecht nicht.

Stehen doch nicht nur Kindesmissbrauch am Horizont, sondern auch Geheimnisverrat und Untreue. Kurz – Fehlverhalten im öffentlichen Amt.

Andrew Lownie wiederum wird nicht müde zu betonen, dass er diverse Unterlagen hat, die strafrechtlich relevant wären. Auch bietet er sie wie schales Bier den britischen Behörden an, da diese – so seine Einschätzung – wesentlich bessere Mittel zur Verfügung haben als er, um die Unterlagen zu prüfen und für ihre Ermittlungen zu verwenden.

Doch wenn es keine Ermittlungen gibt, bekommt man auch keine Einschätzung der Beweise.

Hier stoßen wir jetzt auf den seit Jahrzehnten propagierten Quatsch von der politischen Zurückhaltung, ja Neutralität des Königshauses.
Sie mögen parteipolitisch den Mund halten, doch wenn es um ihre Belange geht, sind sie jeder Zeit bereit, in die (rechts)staatlichen Abläufe einzugreifen.

Eines der bekanntesten Beispiele: Der Paul Burrell- Prozess.
Hier wurde Paul Burrell, Dianas Butler, angeklagt, zahlreiche Stücke aus ihrem Besitz gestohlen und auf seinem Speicher versteckt zu haben.

Er selbst behauptete, er habe die Sachen nach Dianas Tod in Sicherheit gebracht, da bereits Stücke verschwunden waren.

Im letzten Moment – der Prozess hatte bereits begonnen – der Knalleffekt: Die Königin selbst griff ein und erklärte, sie sei von Burrell unterrichtete worden, dass er Stücke in Sicherheit gebracht habe. Es sei also kein Diebstahl …

Jetzt sinn mer mal speziell und denken nach…
Wieso ist es kein Diebstahl, nur weil ein anderer davon weiß?
Wenn die Sachen nur in Sicherheit gebracht werden sollten – wo wären sie sicherer gewesen als auf einem königlichen Anwesen? In einem königlichen Tresor? Des Weiteren: die von Burrell „gesicherten“ Stücke gehörten Diana – die war tot – also gehörten sie ihren Erben. Wobei mir jetzt irgendwie zuallererst ihre Söhne einfallen.
An deren Stelle – da minderjährig – hätte Charles die Stücke für die Söhne an sich nehmen müssen.
Spannend, dass die Queen eingreift und all diese von mir genannten Punkt ad absurdum führt und damit auch noch durchkommt.
So viel zur „neutralen“ Gerichtsherrin.

Wahrscheinlicherer Grund des Eingreifens:
Man fürchtete, dass Zeugen Unliebsames zutage fördern könnten. Aussagen werden gemacht. Es wird nachgefragt. Man sieht nicht gut dabei aus.

Am Ende des Tages galt es, die Notbremse zu ziehen, was die Königin gemacht hat.

Und irgendwie fand das jeder okay.

Warum eigentlich?

Und auch was Andrew angeht, hat die Queen jahrelang die Türe zugehalten und Wachposten bezogen.
Zahlreiche Zeugen stehen jetzt auf und berichten, wie sie direkt angedroht bekamen, dass es Konsequenzen habe, wenn sie mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit gingen.
Der BBC wurde klargemacht, dass sie jeglichen Zugang zum Palast verlieren würden, wenn sie die Doku über Andrew, Sarah und Jeffrey machen würden.
Andrew Lownie bekam es mit dem geballten Rechtsberaterstab des Palastes zu tun, als er nur die Archive mit den Unterlagen über Edward VII für sein Buch „Traitor King“ einsehen wollte.

Er ist es auch, der der Öffentlichkeit in Erinnerung bringt, dass in den Archiven der königlichen Schlösser einige der größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte lagern und der Öffentlichkeit vorenthalten werden, einfach, weil es die Krone so möchte. Es gibt auch keinerlei Handhabe, sie zu zwingen, einen Zugang zu ermöglichen, respektive eine Ausstellung zu organisieren.
Die Stücke bleiben einfach unter Verschluss, als besitze sie kein europäisches Staatsoberhaupt, sondern ein russischer Oligarch.

Wir sehen – das Königshaus wird immer dann aktiv, wenn es um die eigenen Interessen geht. Sieht man sich (heraus)gefordert, zieht man es vor, mit altbekannten Sprüchen wie „Never complain – never explain“ (Niemals bescheren – niemals erklären) die Menschen abzuspeisen.

Und in dieser Tradition stellt man sich vor den Sohn/ Bruder Andrew und hilft diesem, den Nachstellungen der Justiz zu entgehen.

JETZT ZEIGT ES SICH, WER DEN LÄNGEREN ATEM HAT. KÖNIGSHAUS ODER ÖFFENTLICHKEIT…

Verlierer Nr. 2
Das norwegische Königshaus

Zugegeben – sie sind in einem nicht auflösbaren Dilemma (eigentlich beide Königshäuser)…

Vor Jahren haben sie eine Art Ursünde zugelassen. Im einen Fall ein Prinz, der einfach mit allem durchkam und im anderen Fall, ein Prinz, der mit seiner Herzensdame durchkam.

Beides hätte gutgehen können, wäre den Nachrückern nicht ein gewisser Jeffrey Epstein begegnet.

Dieser packte die Royals wo sie verwundbar waren. Er war ein Mephistopheles, der sie in eine Welt entführte, die er aussehen ließ wie die jeweilige Traumwelt.
Mette Marit erlebte Bestätigung. Vielleicht sogar etwas, das sie für echte Freundschaft hielt. Sarah Ferguson bekam Geld und Anerkennung. Andrew Sex und Privatjets.
So bekam jeder wovon er träumte.
Und sage jetzt niemand, Royals hätten doch alles. Die könnten doch von gar nichts mehr träumen…

Sie biederten sich dem Financier mit Privatinsel an, glitten auf seiner Schleimspur dahin und dachten, die Party werde niemals enden.
Und was bekam Epstein im Gegenzug? Das Glitzern von Krönchen und jahrhundertealter Tradition.
Netzwerke! Die größten, besten, berühmtesten Netzwerke der Welt. Die Queen als ultimativer Jackpot!
Seine Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell hatte einen „All Area“- Pass und konnte sich in den königlichen Palästen überall bewegen. Sarah Ferguson ermöglichte Führungen durch die Schlösser.
Sie alle benutzten jene Schlösser, die ihnen gar nicht gehörten als Kulissen für ihre Finanztransaktionen. Mit dem jahrhundertealten Pomp beeindruckten sie zweifelhafte Geschäftspartner.
Eine schmierige Truppe in einer Schmierenkomödie.