
Jeffrey Epstein, Polizeifoto 2006
Copyright: gemeinfrei
Die letzten Monate haben uns alle mit Neuigkeiten überzogen, auf die wir gerne verzichtet hätten.
Ein langer Schatten zieht sich, von New York ausgehend, über den gesamten Erdball. Von wem er ausgeht? Von Jeffrey Epstein, einem amerikanischen Investmentbanker und verurteilten Sexualstraftäter.
Ich glaube, ich muss seine Vita nicht noch einmal aufrollen, aber ich will einen genaueren Blick auf seinen Einfluss auf europäische Königshäuser werfen und das Ganze versuchen, in einen Kontext zu stellen.
Epstein hatte ein Netzwerk aus einfluss(reichen) Männern erschaffen, denen er bei allen Möglichkeiten junge Mädchen zum Sex zuführte. Diese Frauen waren sozusagen die Kirsche auf der „Entspannungstorte“ ihrer Meetings.
Weiterhin hat er wohl auch Informationen über diese Männer gesammelt – für Regentage. Sozusagen.
Die Geschichte von Epstein hätte eigentlich im Jahre 2019 ihr endgültiges Ende finden können, denn da wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden. Wie es heißt – unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen.
Sei es nun drum – ob er Selbstmord begangen hat, oder ermordet wurde – für uns viel spannender ist die Frage, wer sich alles in seinem klebrigen Netz verfangen hatte.
Zumal: welche (späteren) Royals…
Zunächst erwischte es Prince Andrew, da dieser direkt von Virginia Guiffre, einem der Epstein- Opfer öffentlich angeklagt wurde. Als sie drohte, ihn anzuzeigen, traf man eine außergerichtliche Vereinbarung mit ihr. Das Schweigegeld wurde von der Queen gestellt.
Auch wenn Andrew in seinem umstrittenen Maitliss- Interview behauptete, jederzeit mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten zu wollen, fand sich dann im Nachgang leider nie ein passender Termin.
Erst als König Charles im Spätsommer bei der Beisetzung der Herzogin von Kent ganz ungeniert mit seinem Bruder Andrew scherzte und plauderte, platzte der Öffentlichkeit die Hutschnur.
Prince William, dem der umtriebige Onkel schon lange ein Dorn im Auge war, schritt gemeinsam mit Stiefmutter Camilla zur Tat.
Kurz darauf verzichtete Andrew auf all seine Titel und Ehrenzeichen. Dass man es gestattete, dass er in der Erklärung schrieb, dies sei seine Entscheidung gewesen und damit seinen Bruder einmal mehr als Weichei dastehen ließ, steht auf einem anderen Blatt.
Auf diesem anderen Blatt steht auch die Frage, warum Andrews Töchter, die keine Working Royals sind, trotzdem auf Staatskosten Apartments im Kensington Palace und im St. James Palace haben, für die sie lediglich eine symbolische Miete entrichten.
Auf dem Blatt steht weiterhin die Frage, warum die Töchter jahrelang auf Staatskosten mit ihrem Wirtschaftsbotschafter- Vater um die Welt reisen durften, um dann unterwegs für ihre jeweiligen Arbeitgeber Verbindungen zu knüpfen.
Aber mit dem Ablegen der Titel schien dieser Alptraum für das Königshaus gebannt.
Wäre da nicht der US-Kongress, der einfach keine Ruhe geben will … Und die Öffentlichkeit, die ein Ende der royalen Anspruchshaltung auf Kosten der Nation fordert. Zumal für untätige Royals, die nichts vorzuweisen haben als ihre Geburt im richtigen Bett.
Derzeit fordert nun Premierminister Keir Starmer, Andrew solle vor dem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses aussagen. Das hatte er schonmal gefordert, aber damals wurde er niedergeschrien.
Da man Andrew nicht dazu zwingen kann, wird er sich wohl kaum dazu herbeilassen, Rede und Antwort zu stehen. Er wird weiterhin behaupten, unschuldig zu sein und das Leben eines reichen Schnösels führen. Wer das bezahlt? Der König natürlich und damit der Steuerzahler.
Ich trete nun hier nicht an, über Spione, Politiker und Wirtschaftsbosse zu spekulieren – ich schaue mir bekanntlich vor allem die Königshäuser an und die sind ganz offensichtlich ein gefundenes Fressen für die Epsteins dieser Welt.
Meistens nicht besonders helle und umgeben von Ja-Sagern, lieben sie die Art und Weise, wie sie in den USA hofiert werden. Man mag es kaum glauben, aber selbst Royals können Fanboys und Fangirls werden, wenn sie bei einer Einladung neben einem Bill Gates oder Elon Musk stehen. Diese wiederum lieben es, nach Windsor Castle eingeladen zu werden und umgeben zu sein von Geschichte und royalem Pomp.
Und das ist nur der zuckrige Überzug auf der Torte.
Darunter liegt ein weniger appetitlicher Brei aus Geben und Nehmen. Aus Beziehungen, Geheimnissen, Druck. Aus Menschen, die gelernt haben, dass niemand ihnen was kann. Dass sie mit allem durchkommen. Und … ihren Opfern.
Und damit kommen wir nach Norwegen und Schweden, denn bis dorthin reicht der Schatten des Jeffrey E.
In Schweden hat es Prinzessin Sofia, die Schwiegertochter von Königin Silvia und König Carl Gustav erwischt und in Norwegen Kronprinzessin Mette Marit. Immerhin die künftige Königin …
Was die beiden gemeinsam haben?
Nun – die Vergangenheit als das, was man gemeinhin als „Partygirl“ bezeichnet. Gutaussehende junge Frauen, die sich in einer Spaßgesellschaft bewegen, in der ein munteres Laissez Faire herrscht. Ein Gebäude, das auf den Säulen Feiern, Spaß, Drogen und Geld ruht.
Hier fanden und finden sich die Reichen und Mächtigen ein. Vor allem aber Männer, die den Partygirls bieten, was diese wollen: ein gutes Leben in Reichtum und Einfluss. Passt dieser Life-Style zu einem Königshaus?
Nein!
Und nun werden jene Partygirls von damals von eben jener Vergangenheit eingeholt.
Es werden E-Mails bekannt, die zwischen ihnen und JE hin und her gingen.
Mal so gefragt – glaubt irgendwer, dass ein Epstein – nachdem seine guten Freundinnen in die entsprechenden Kreise eingeheiratet hatten – nur noch goldige Selfies mit den Royals erwartet hat?
Lassen wir uns nicht in die Irre führen. Epstein war Geschäftsmann. Bei dem hing an allem ein Preisschild und er hat sich am Ende mit absoluter Sicherheit sein Pfund Fleisch geholt. Seine Gäste mögen Fanboys gewesen sein – er war es mit Sicherheit nicht.
Sofia Hellqvist – eine nordische Schönheit, die von Epstein das Angebot bekam, ihr einen Platz auf einer Schauspielschule sowie einen auf seiner Privatinsel zu verschaffen… glaubt irgendwer, dass Epstein nicht erwartet hat, dass sie sich erkenntlich zeigt?
Mette Marit Tjessem Høiby – ein weitere nordische Schönheit, die ihren guten Freund Jeffrey fragte, ob es wohl unpassend sei, dass sie ihrem fünfzehnjährigen Sohn (Marius) ein Wallpaper mit zwei nackten Surferinnen geschickt habe.
Hi- hi- hi und ha-ha-ha. Wie witzig…
Aber wir alle haben ja gelernt, dass man nicht auf die Vergangenheit einer königlichen Braut schauen darf, wenn sie doch so herzig und nett/ adrett daherkommt. Wenn sie eine solch wunderbare Prinzessin ist.
Möglicherweise ist aber auch Vorsicht geboten, wenn Prinzen mit Bräuten ankommen, die außer einem großen Loch in ihrem Lebenslauf nicht viel vorzuweisen haben. Und vielleicht sollten wir uns daran erinnern, zu welchen Personen Royals Zugang haben… Könnte es eine charmantere Art der Einflussnahme geben, als eine kleine Plauderei bei einem schönen Essen in einem königlichen Schloss mit einer schönen Frau?
Dass Royals gerne solche Beziehungen nutzen, sehen wir nicht zuletzt bei Andrew, der als Wirtschaftsbotschafter seine Kontakte zu zwielichtigen Oligarchen genutzt hat, um ein Millionenvermögen anzuhäufen. Freunde, die zur Stelle waren, als er sein Haus Sunning Hill einfach nicht loswurde und die – ohne zu zögern – mehrere Millionen mehr bezahlt haben, als für das Anwesen verlangt wurde. Ja – Honi soit qui mal y pense…
Und wer glaubt, dass diese Freunde keine Gegenleistung erwarten?
Inzwischen wissen wir, u.a. dank dem Buch „Entitled“ von Andrew Lownie, wie eifrig Andrew am Aufbau und der Verwaltung seines Privatvermögens gearbeitet hat. Dass seine (Ex)Frau Sarah Ferguson und er das Geld allerdings schneller ausgegeben haben als eingenommen, steht auf einem anderen Blatt.
Man bekommt da schon den Eindruck, dass Royals, die nicht scharf auf Termine sind, ihre Zeit lieber ihren privaten Finanzen widmen als dem öffentlichen Wohl.
Oder wie sagte Lownie: „Sie geben gerne Geld aus. Nur nicht ihr eigenes…“
Was lernen uns nun all diese Skandale?
Ob es den Fürstenhäusern passt, oder nicht – wir brauchen Transparenz! Nicht MEHR Transparenz, sondern überhaupt mal Transparenz. Es kann nicht sein, dass man die Öffentlichkeit damit abspeist, die Royals arbeiteten halt „hinter den Kulissen“ unermüdlich. Wenn sie die Beziehungen, die sie in ihrer öffentlichen Position knüpfen, in ihr Privatleben mitnehmen und dort davon – nicht zuletzt finanziell – profitieren.
Wenn sie Millionen von einem Oligarchen kassieren, dann brauchen sie die Steuergelder ja offensichtlich nicht. Wenn sie keine Termine wahrnehmen, dann sollen sie auch keine steuerfinanzierte Security bekommen, oder eine steuerfinanzierte Apanage.
Wenn die Queen bezüglich Andrew gewarnt wird und daraufhin absolut nichts geschieht, dann kann das nicht sein.
Wenn die BBC einen Bericht über Andrew machen will und man daraufhin klipp und klar sagt, dann verlöre die BBC den Zugang zum Königshaus – dann kann das nicht sein.
Wenn das norwegische Kronprinzenpaar von Marius Freundin und ihrer Mutter gewarnt wird bezüglich Marius‘ Problemen und nichts geschieht, sondern weiter zwielichtige Gestalten auf Skaugum feiern kommen, dann kann das nicht sein.
Es müssen also unbedingt Strukturen geschaffen werden, um solches künftig zu verhindern. Die Personen, mit denen Royals sich umgeben werden ganz offensichtlich zu wenig bis gar nicht überprüft. Sicherheitsfreigaben existieren nicht. Jeder Andrew bekommt Zugang zu geheimdienstlich relevanten Dokumenten, auf die jeder seiner „Freunde“ Zugriff hat.
Ganz zu schweigen von den gegnerischen Geheimdiensten, für die die Skandale eines Royals unbezahlbar sein dürften, wenn es darum geht, ihn – oder seine Familie – nun sagen wir … gewogen zu stimmen.
