
Wie wir wissen, wurden vor einigen Jahren die Knochen von Richard III, dem „Parkplatz- König“, gefunden.
In der Schlacht von Bosworth Field wurde er durch Soldaten seines Gegners Henry Tudor getötet. Dieser setzte sich noch auf dem Schlachtfeld die Krone auf und ward damit King Henry VII (exakt – der Papa von Henry VIII, dem mit den sechs Frauen…)
Die Leiche des toten Königs wurde geschändet und dann in aller Eile verbuddelt.
Warum? Nun – Henrys Anspruch auf den englischen Thron war – vorsichtig gesagt – eher dürftig, denn er kam nicht zuletzt ausschließlich über die mütterliche Linie von Margaret Beauford, die üblicherweise eher zu vernachlässigen ist.
Nun haben Generationen von Historikern und Archäologen nicht geschafft, was einer Hobby- Historikerin gelang: Philippa Langley entdeckte die Überreste des Königs unter einem Parkplatz von Leicester, der auf dem Areal der ehemaligen Greyfriars Church lag, wo – so die Chroniken – der König bestattet worden sei. Daher mein Lieblings-Gag: „He put the KING into ParKING“ 😂

Inzwischen gibt es ein wunderbares Museum in Leicester, in dem nicht nur das Leben Richards vorgestellt wird, sondern auch die Suche nach seinen Überresten, sowie die wissenschaftliche Erforschung seiner Knochen.

Dabei wurden auch DNA- Proben genommen und mittels dieser Proben konnte man feststellen, dass es in Richards Ahnenreihe „Brüche“ gibt …
Ruckzuck waren die Hobby- Forensiker am Zug und Artikel wurden en masse veröffentlicht, die aus Richard ein „Kuckuckskind“ machten. Man verstieg sich sogar zur Überlegung, es sei ein Bogenschütze der Vater gewesen.
In meinen Augen ein weiterer Versuch, Richard zu diskreditieren …
Die Brüche in der Ahnenreihe treffen nun nicht direkt auf Richard zu, sondern auf seine Ahnen. Das heißt – auch sein Bruder (und Vorgänger im Amt) war betroffen und im Nachgang der Thronanspruch aller Lancaster- Könige.
Nichts desto trotz muss man eines feststellen:
Wenn jemand Anspruch auf eine Krone hatte, war das eine feine Sache. Wenn er auf seine Ahnen deuten konnte und sagen: „Die Krone gehört MIR!“
Bekommen hat sie aber derjenige, der sie sich genommen, bzw. in der Schlacht erstritten hat.
Das Konzept, dass man eine Krone „erbt“ und, dass die Erblinie wichtig ist, kommt von der Überzeugung, dass Gott sozusagen seine Finger im Spiel hat.
Dass das „Königsheil“ von Gott an den rechtmäßigen Inhaber übertragen werde.
Das heißt nicht weniger als, dass der jeweilige Amtsinhaber unter Schutz und Zustimmung Gottes steht. Das zeigt sich dann auch gleich an den Heilerfähigkeiten des Monarchen.
In England und Frankreich hielt sich der Glaube bis ins 18. Jahrhundert, dass ein König z.B. Skrofulose (Hauttuberkulose) durch Handauflegen heilen könne. („The Royal Touch“)
In England war Queen Anne die letzte Monarchin, die dieses Handauflegen praktizierte.
Noch heute erinnert der Maundy Service (Gründonnerstagsgottesdienst) an die königliche Tradition am Gründonnerstag, Almosen an Arme zu verteilen, was in England oft mit dem Verteilen von speziellen „Touch-Pieces“ (Berührungsstücken / Münzen) verbunden war.

Auf dem Photo sehen wir Queen Elizabeth und Prince Philip beim Maundy Service 2005. Der Blumenstrauß für Prince Philip dürfte vielleicht überraschen. Der Strauß erinnert daran, dass die an diesem Tag versammelten Armen und Kranken extrem stark gerochen haben und der Monarch deswegen stark duftende Kräuter bei sich getragen hat. Dies sollte nicht nur den Gestand übertönen, sondern auch die Luftqualität an sich verbessern. Man war der Überzeugung, dass Krankheiten auf „faulige“ Luft zurückgehen. Womit man ja gar nicht soooo falsch lag…
So treffen sich dann schlussendlich Wissenschaft und Religion…
